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Flink, Flinker, Flunder – Unterwegs auf »Captain Jack's Sportwagentour«

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Erinnerungsfoto für Volontärin Lena Klein mit »Captain Jack« und Lamborghini-Fahrer Tom Weiß. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Röhrende Motoren waren am Samstagmittag an der Südauffahrt der Roßfeldstraße zu hören. Bernhard Schraml, der jährlich mehrere Touren für Sportwagenfahrer organisiert, hat die Volontärin des »Berchtesgadener Anzeigers« zu einer »Erlebnisfahrt« eingeladen.


Schon kurz nach 13 Uhr biegt ein Porsche nach dem anderen auf den Parkplatz bei der Mautstation ein. Unter ihnen bis dahin nur ein einziger BMW. Man könnte fast meinen, die »Sportwagentour« ist ausschließlich für Boxter, 911 und Co. gedacht. Nach kurzem Wundern aber dann die Erkenntnis: Lamborghini, Corvette und Audi sind einfach eine andere Strecke gefahren. Nun ist die Truppe wieder komplett.

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Schwer zu übersehen ist er nicht – Bernhard Schraml alias »Captain Jack«, Hauptorganisator der »Sportwagentour« – aber er ist wahnsinnig flink und wird von allen gleich umzingelt. Ein anderer Teilnehmer muss ihn schließlich für mich aufhalten. Schraml freut sich, wegen eines Missverständnisses dachte er, ich würde nicht kommen, und bringt mich kurzerhand zu Tom Weiß, dem Teilnehmer mit dem Lamborghini.

»Huracan« mit 610 PS

Tom fährt seit zwei Wochen einen weißen Lamborghini »Huracan« mit 610 PS. Er ist einer von wenigen, die an diesem Tag alleine unterwegs sind, die meisten der Teilnehmer fahren mit Bekannten oder Familienmitgliedern. »Captain Jack« ist ein viel beschäftigter Mann. Erst Gruppenfoto, dann Instruktionen über den weiteren Ablauf, zum Schluss muss er erst einmal einzeln Mauttickets für alle Teilnehmer am Automaten ziehen.

Wir haben also ein bisschen Zeit, bis es weitergeht. Zu uns gesellt sich Gerd Tschan, auch er organisiert die Tour und erklärt mir mehr über den Ablauf.

Sicherheit geht vor

Die Fahrt startete am Strandbad in Übersee, »dort gab es auch erst einmal ein Safety Briefing«, erklärt Gerd. Denn Sicherheit ist ihnen besonders wichtig. Von großer Bedeutung sei auch, dass nur solche Fahrer mit dabei sind, die Spaß am Fahren haben und nicht aus Angeberei oder Protzerei teilnehmen wollen. »Solche Touren stehen immer im Fokus der Öffentlichkeit, da arbeiten wir auch mit der Polizei zusammen.«

Für jede Tour, die »Captain Jack« und sein Team organisieren, gibt es auch immer ein »Roadbook«. Das kleine Heftchen gibt nicht nur Auskunft über die einzelnen Stopps auf der Strecke, sondern beschreibt auch den Streckenverlauf bis ins kleinste Detail. »Es soll niemand falsch abbiegen und deswegen den Anschluss verlieren«, so Tschan. »Das macht aber nur Sinn, wenn man auch einen Beifahrer dabeihat, der das Buch lesen kann«, kontert Tom gleich.

Fahrt beginnt langsam

Das Gespräch wird unterbrochen, denn Jack ist vom Ticketautomaten zurück. Es geht gleich los. Innerhalb von wenigen Sekunden sind die vielen Fahrer und Beifahrer in ihre Autos gehüpft und starten den Motor. Einer nach dem anderen fährt fast gemächlich in Richtung Mautschranke. Dort stellen sich alle in eine Reihe, bis die Schranke öffnet und die beiden »Grid Girls« die Fahnen schwenken. Inzwischen regnet es. Schade, findet auch Tom, der die Strecke heute zum ersten Mal fährt. Kaum haben die Mädels den Start für uns freigegeben, werden wir ausgebremst. Die Corvette steht am Straßenrand. Der Fahrer winkt uns aber kurzerhand vorbei, und Tom steigt ins Gas. Dabei erklärt er mir noch, dass genau das den Unterschied ausmache. Bei ihnen gehe es nicht um die Geschwindigkeit oder darum, Erster zu sein, sondern mit Gleichgesinnten eine schöne Tour zu fahren.

Mit 90 km/h in die Kurve

Während Tom völlig gelassen in seinem Sitz lehnt und lenkt, mache ich mir Gedanken darüber, wie der Lamborghini bei nasser Fahrbahn wohl reagiert, wenn man mit 90 km/h in die Kurve fährt. Wie sich zeigt, sind meine Sorgen unbegründet.

Fahrspaß kommt auf

Und so sausen wir bei Regen und Nebel die Roßfeldstraße hinauf, vorbei an staunenden Wanderern, Motorradfahrern und Reisegruppen. Ziemlich schnell kann ich die Begeisterung nachempfinden, die Sportwagenfahrer verspüren.

Tom hat den Wagen komplett unter Kontrolle, man merkt ihm kein bisschen an, dass er die Strecke noch nie zuvor gefahren ist. »Wer quasi schon mit allem unterwegs war, der spürt den Reiz irgendwann nicht mehr so stark.« Die Fahrt endet für mich leider schon an der Aussichtsstation. Die knappen acht Kilometer ist Tom Weiß in nur wenigen Minuten gefahren. Dort versammeln sich alle noch einmal, bevor es für »Jack und seine Mannschaft« schließlich über den Hochkönig nach Kitzbühel geht.

Ein Sportwagen-Begeisterter, der extra mit seiner Frau aus Salzburg angereist ist, fragt mich dann noch: »Ist super, mit einem Lamborghini mitfahren zu dürfen, oder?« – »Ja, ist wirklich super.« Lena Klein