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Flowers - Musik für die Seele

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Katrin und Werner Unterlercher genossen ihr erstes Konzert nach der Corona-Pause. (Foto: Ortner)

Für die Tiroler Volksmusikanten Katrin und Werner Unterlercher war das Konzert auf der NUTS-Sommerbühne in Traunstein das erste Konzert nach dem Lockdown.


So ist es mehr als verständlich, dass es auf beiden Seiten im Traunsteiner König-Ludwig-Hof strahlende Gesichter gab – zumal viele der Besucher die beiden Musiker bereits seit knapp zehn Jahren kennen, als sie mit dem Herbert Pixner Projekt zum ersten Mal und seitdem regelmäßig im NUTS gastierten. Lediglich ein kurzer Schauer trübte das uneingeschränkte Vergnügen.

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Mit ihrem Programm »Flowers« treffen Katrin (Harfe, Hackbrett, Gesang und Moderation) und Werner Unterlercher (Kontrabass, Gitarre, Gesang) nicht nur den Geschmack, sondern auch einen Nerv bei den Besuchern. Traditionelle alpenländische Volksmusik trifft auf moderne Gegenwartsmusik, Weltmusik und die faszinierende Volksmusik anderer Länder. Das Konzert ist ein gelungener Mix aus bekannten Volksweisen und Eigenkompositionen, meist aus der Feder von Katrin Unterlercher und garniert mit Geschichten und Anekdoten rund um die Entstehung und Widmungen.

»Lieblingswerke für Kinder, Familienmitglieder und Freunde, die uns unterstützen«, nennt die Harfenistin zwei Stücke, die sie für ihre beiden Kinder geschrieben hat. »Da erkennt man auch gut die unterschiedlichen Temperamente der beiden« erzählt sie schmunzelnd. Das quirlige »Little Sunshine« für die Tochter und ein etwas ausgeglicheneres »Repeated Wonder« für den Sohn gibt zudem die musikalische Arbeitsweise des Paares preis: »Werner ist für die Grundlagen, den Grundstock und ich bin für die Gaudi und die lockeren Sachen zuständig.«

Der »Montafoner Zauber« ist eine Reminiszenz an die zahlreichen Konzerte, die die beiden mit Herbert Pixner in Vorarlberg gespielt haben und für Freunde, die sie dort auch »mit Kindern und ohne Harfe« gerne gesehen haben. »Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn du als Musiker viel unterwegs bist, hast du immer viele Freunde, aber es werden rasch weniger, wenn du dich für eine Weile für die Familie entscheidest.« Familie und Musik sind die tragenden Säulen im Leben der Unterlerchers. Erst waren es die Eltern, die ihnen die »großen« Instrumente herumfuhren. Heute sind es Katrin und Werner, die dasselbe für ihre Kinder tun und dieses »Geschenk« sehr schätzen. »Wenn du das liebst, was du tust, hast du alles, was du brauchst« ist eines von Katrin Unterlerchers Lieblingszitaten.

Gute Laune, Freude an der Musik und der Gaudi und auch eine gute Portion Schalk und Freude an der Ironie zeichnet das Programm und die Musikanten aus. In zwei Gstanzln besingen sie sehr zum Vergnügen der Anwesenden unglaublich lustig und mehr oder weniger (eher weniger) hintersinnig die Folgen des übermütigen Alkoholkonsums und die »Schrecken der Ernüchterung«, wenn der Kopf langsam wieder klar wird. Auf ein Volkslied aus Venezuela folgt eine Eigenkomposition, inspiriert vom Klang einer keltischen Harfe und dem Traum einmal nach Irland zu reisen. Pünktlich hierzu kommt dann auch der kurze Regenschauer, der schon die ganze Zeit in den schwarzen Wolken über Traunsteins Dächern auf seinen Einsatz gewartet hat.

»Spui ma weiter, oder?« fragt Katrin Unterlercher. Schon ein paar Minuten später erstrahlt der Himmel wieder in kräftigem Blau und das Publikum genießt im weiteren Verlauf die Umarbeitung von Dave Brubecks »Take Five« in ein Tiroler Volksmusikstück.

Auf die Zugabe, den »Unterlercher Landler« sind sie eher zufällig gekommen, und eigentlich sei es auch ein »Ziachorgelstück« erklärt Katrin. Da sie aber dieses Instrument ja leider nicht beherrsche, habe sie sich kurzerhand an eine Umarbeitung für Hackbrett getraut. Hervorragend gelungen. Den Abend beschließen die beiden mit einem unter die Haut gehenden Duett, das besser nicht passen könnte: Weil jeder Mensch an andern braucht. Zusammenhalten und zusammenarbeiten, damit alle die Zeit möglichst heil und gesund überstehen ist nicht nur der Wunsch der Künstler.

Maria Ortner