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Viele Züge mit Flüchtlingen haben die Ukraine in den vergangenen Wochen und Monaten verlassen. Foto: dpa

Flüchtlingsstrom in den Kreis Traunstein ist abgeebbt

Der Flüchtlingsstrom aus der Ukraine in den Landkreis Traunstein ist abgeebbt. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat Laura Lockfisch vom Landratsamt mitgeteilt, dass zurzeit nur noch vereinzelt Geflüchtete ankämen. Seit dem Überfall der Russen auf das Nachbarland vor rund vier Monaten seien bislang 1945 Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Traunstein angekommen und registriert worden. 


Die Invasion begann am 24. Februar. Millionen verließen in der Folgezeit ihre Heimat Richtung Westen. In der Hauptsache Mütter mit Kindern – und auch Senioren – flohen aus ihrer gewohnten Umgebung und suchten Schutz in fernen Landen. Zuerst vor allem nach Polen, dann aber unter anderem auch nach Deutschland kamen die Flüchtlinge. Rund zwei Wochen nach dem Kriegsausbruch hielt dann auch der erste Bus im Landkreis Traunstein: Die Regierung von Oberbayern habe 49 Flüchtlinge zugewiesen, lautete die Meldung, die das Landratsamt am 10. März veröffentlichte.

Die Zahl der Menschen, die in die Region kamen, stieg in der Folgezeit deutlich. Im März, einen Monat nach dem Überfall der Russen, zählte man im Landkreis Traunstein bereits mehr als 700 geflüchtete Ukrainer, im April dann über 1500.

Als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt erreichte, kamen – wie das Landratsamt seinerzeit mitteilte – monatlich rund 300 Flüchtlinge über die offizielle Schiene, also auf Vermittlung durch die Regierung von Oberbayern, in den Landkreis. Inoffiziell, also privat, suchten viele weitere Menschen Zuflucht. Mittlerweile ist die Welle ausgelaufen, kaum ein weiterer Flüchtling begibt sich in die Region Traunstein. »Derzeit kommen noch vereinzelt Geflüchtete aus der Ukraine an«, sagt Lockfisch. »Meist handelt es sich dabei um Familienangehörige von bereits untergebrachten Geflüchteten aus der Ukraine.«

Wer sicheres Gebiet erreicht, bleibt dort dann auch. Und so haben bislang erst Einzelne, die im Landkreis Traunstein Zuflucht gefunden hatten, inzwischen wieder die Rückreise angetreten. Lockfisch: »Der Anteil an Geflüchteten, die wieder zurück in die Heimat gehen, ist derzeit sehr gering.«

Untergebracht sind die Flüchtlinge aus der Ukraine in der Hauptsache in privaten Unterkünften, zum Teil außerdem in öffentlichen Einrichtungen. Die Landkreisverwaltung heißt die Flüchtlinge willkommen und verteilt sie auf die Unterkunft – was nach Angaben des Landratsamts weiter gut funktioniert. Die Organisation laufe »nach wie vor professionell und reibungslos«.

Auch der Rechtskreiswechsel beim Leistungsbezug habe, so Lockfisch, »sehr gut geklappt«. Die gesetzliche Neuregelung zum 1. Juni besagte, dass aus der Ukraine geflüchtete Personen, die den vorübergehenden Schutzstatus nach dem Aufenthaltsgesetz beantragt oder erhalten haben, nun nicht mehr Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen müssen. Stattdessen wechseln sie in den Anwendungsbereich des Sozialgesetzbuches II (Grundsicherung für Arbeitsuchende, »Hartz IV«) beziehungsweise des Sozialgesetzbuches XII (Sozialhilfe). Damit haben sie Anspruch auf die regulären Sozialleistungen anstelle der reduzierten Leistungen, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gewährt werden.

Noch am Anfang steht der Landkreis Traunstein mit seinen Bemühungen, Wiederaufbauhilfe in der Ukraine zu leisten. Die Wirtschaftsförderung unterstütze Unternehmen aus dem Landkreis, die Hilfslieferungen an die Ukraine organisieren, berichtet Lockfisch. Und weiter meint sie: »Bezüglich einer Entwicklungspartnerschaft mit Kommunen in der Ukraine nach Ende des Krieges laufen aktuell Gespräche mit Engagement Global, der zuständigen Organisation des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung.«