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Flugtag der Lawinenhunde: Retter auf vier Pfoten gingen in die Luft

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Schneizlreuth: Lawinenhunde-Flugtag auf Reiter Alpe – Retter auf vier Pfoten in der Luft
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Die Bergwacht-Region Chiemgau übte am Montag auf der Reiter Alpe mit Lawinenhunden die Suche nach Verschütteten. (Fotos: BRK BGL)
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Die Bergwacht-Region Chiemgau übte am Montag auf der Reiter Alpe (Gemeinde Schneizlreuth) mit Lawinenhunden die Suche nach Verschütteten. (Fotos: BRK BGL)

Schneizlreuth – Das Ein- und Aussteigen der Such- und Lawinenhunde bei laufendem Rotor sowie Rettungswinden-Einsätze hat die Bergwacht-Region Chiemgau am Montag während ihres einwöchigen Winter-Kurses auf dem Hochplateau der Reiter Alpe zusammen mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern geübt.


Bei einem Lawinenabgang mit Verschütteten zählt im Ernstfall jede Minute, und die feine Hunde-Spürnase ist trotz aller modernen Technik nach der Kameraden-Rettung nach wie vor die effektivste und schnellste Möglichkeit, um unter Schneemassen begrabene Menschen rasch und vielleicht noch lebend aufzuspüren.

Zur Bilder-Galerie: Flugtag der Lawinenhunde auf der Reiter Alpe

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Die Heli-Crew holt ein Suchhundeteam beim Anflug ins Einsatz-Gebiet meist zu Hause oder am Arbeitsplatz des ehrenamtlichen Hundeführers ab und setzt es dann im Schwebeflug oder per Winde am Lawinenkegel ab.

Wenn das Wetter nicht mitspielt und Wolken und Wind einen Flug unmöglich machen, werden die Suchhundes-Teams so weit wie möglich per Seilbahn, mit Autos oder besonders geländegängigen Überschnee-Fahrzeugen auf den Berg gebracht. Dann steigen die Retter mit Skiern weiter zu Fuß auf und müssen im Anschluss auch durchs Gelände abfahren.

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Das vom Heli auf dem Lawinenkegel abgesetzte Suchhunde-Team ist in der ersten, durchaus auch für die Retter riskanten Einsatzphase zunächst auf sich allein gestellt, und der Hundeführer entscheidet über die weitere Taktik: Während beim Hund das übers Spielverhalten antrainierte Such-Programm weitgehend automatisch an- und abläuft, ist der Bergwacht-Hundeführer Abschnittsleiter, Sondierer, Schaufler und Sanitäter in einer Person und muss neben der Lage-Erkundung zusätzlich noch seinen Hund mit Kommandos im Gelände über das potenzielle Suchgebiet führen.

»Wegen der in kurzer Zeit nur sehr schwer zu erfassenden und einschätzbaren Risiken Grund genug, dass alle planbaren Abläufe und jeder Handgriff in Fleisch und Blut übergehen und bei einem scharfen Einsatz sitzen müssen«, erklärt Staffelleiter Stefan Strecker.

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Großübung auf der Reiter Alpe

Nachdem die vierköpfige Besatzung von »Edelweiß 1« an der Wartsteinhütte gelandet ist und die Bergretter auf den Hubschrauber eingewiesen hat, erklären Strecker und Hunde-Ausbilder Michael »Much« Partholl den Neulingen und den alten Hasen, auf was sie beim Ein- und Aussteigen besonders achten und wie sie sich selbst und den Vierbeiner am Windenhaken und im Heli sichern müssen.

»Auf keinen Fall darf das Tier in Panik geraten und nach vorne ins Cockpit zum Piloten springen«, betont Partholl. Obwohl die Führer ihre Tiere eigentlich alle gut unter Kontrolle haben und die Vierbeiner besonders stressresistent sind, tragen alle Hunde während des Flugs ohne Ausnahme einen Maulkorb, damit im Zweifelsfall niemand gebissen wird. »Der Flug ist und bleibt trotz aller Gewöhnung bei Übungen wie heute eine Ausnahme-Situation, in der niemand zu hundert Prozent das Verhalten des Tiers vorhersehen kann; wir gehen da kein unnötiges Risiko ein«, sagt Strecker.

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Die komplette Kommunikation zwischen Hundeführer und Heli-Besatzung erfolgt über auch aus größerer Entfernung eindeutig erkennbare Handzeichen. Unter dem Abwind des Hubschraubers wird der Schnee aufgewirbelt und die Sicht ist eingeschränkt; der im Fluggeschirr gesicherte Hund steht unter Adrenalin, springt unter Umständen herum und muss beruhigt werden. Trotzdem muss der Hundeführer genau darauf achten, wie er sich, den Vierbeiner, seine Ski und weitere Ausrüstung in den Windenhaken einhängt.

Alles ist in Bewegung, und ganz schnell wickelt sich versehentlich eine Bandschlinge um den Hund, die bei Belastung auf den Weg nach oben in die Kabine womöglich die Kehle abschnüren oder den Schwanz brechen kann. Auf dem Weg in den Heli wird es eng: Der Winden-Operator steht bei offener Seitentüre auf der Kufe und braucht Platz, die Ski und der Hund müssen an ihm vorbei ins Innere gehoben und so gesichert werden, dass Herrchen, Rucksack und womöglich weitere Ausrüstung auch noch Platz haben.

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Obwohl es am Morgen noch wolkig war und kurzzeitig ordentlich geschneit hat, ist der Wettergott gnädig und beschert den ehrenamtlichen Bergrettern einen gewaltig schönen Winter-Flugtag mit strahlend blauem Himmel und toller Fernsicht auf Watzmann, Hochkalter und die Loferer und Leoganger Steinberge. Während der Gewöhnungsflüge für die A-Hunde bereiten sich die voll ausgebildeten C-Hunde-Teams auf ihren Einsatz am Lawinenfeld nördlich oberhalb der Wartsteinhütte vor. Der Heli nimmt sie bei laufendem Rotor auf und setzt sie dann mit der Winde weiter oben wieder ab.

Auch auf der nordöstlich gelegenen Hirschwiese ist ein Lawinen-Suchfeld mit Löchern präpariert, doch das knappe Zeitfenster reicht wegen der angekündigten Schlechtwetter-Front nicht aus, um auch dort mit dem Heli zu üben. Die beiden Helferinnen vom Hundeverein, die sich einbuddeln lassen wollten, sind dennoch nicht enttäuscht und verfolgen gespannt die Übung. Letztlich kommen alle Hundeteams zum Zug und können fliegen und die Selbstsicherung beim Ein- und Aussteigen üben.

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Auch wenn der bisher schneearme Winter 2019/2020 zum Glück bisher keinen echten Lawineneinsatz in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen gefordert hat, ist die Flug-Übung wichtig und nicht umsonst: Die Suchhundeteams sind das ganze Jahr über auch bei Vermisstensuchen im alpinen Gelände immer wieder im Einsatz und werden dann auch von Helis ins Suchgebiet gebracht.

Am Winter-Kurs am Montag auf der Reiter Alpe nahmen auch zwei Hundeteams der Alpinen Einsatzgruppe der bayerischen Polizei und zwei Gast-Teams des Österreichischen Bergrettungsdienstes aus der Steiermark teil. »Wir profitieren sehr vom organisationsübergreifenden Erfahrungsaustausch«, so Strecker.

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Neben der praktischen Ausbildung gab es Fach-Vorträge von Experten aus der Notfallmedizin, aus der Tierheilkunde, Einsatztaktik, Bergrettung und dem Lawinenhunde-Sektor. Die Bergwacht wurde bei ihrem Lehrgang von der Bundeswehr und der Wehrtechnischen Dienststelle Oberjettenberg unterstützt und konnte Seilbahn, Fahrzeuge, Kantine und zur Übernachtung den Lenzenkaser 3 und die Wartsteinhütte für die Hunde nutzen.

Am Lehrgang nahmen neben Staffelleiter Stefan Strecker mit Hund Zabo (C, Bad Reichenhall), Ausbilder Michael Partholl mit Kantos (C, Ramsau) und den Helfern Helmut Lutz (Bad Reichenhall), Hugo Seichter (Bergen), Martin Wagner (Marktschellenberg) und Ralf Kaukewitsch (Berchtesgaden) die Suchhundeteams Jörg Riechelmann mit Enzo (C, Bad Reichenhall), Thomas Pöpperl mit Lasko (C, Berchtesgaden), Kurt Becker mit Askan (C, Berchtesgaden), Ernst Bresina mit Lup (C, Bergen), Wolfgang Fehringer mit Samu (A, Inzell), Achim Tegethoff mit Cira (C, Marquartstein), Antonia Purrer mit Gustl (B, Marquartstein), Jürgen Triebler mit Asko (B, Marquartstein), Korbinian Conway mit Lana (B, Ruhpolding) und Andreas Lindner mit Juana (A, Ruhpolding) teil.

ml/BRK BGL