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Forderung nach Torlinientechnik immer lauter

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Andreas Rettig
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DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig will die weiteren Entwicklungen abwarten. Foto: Frank Rumpenhorst Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Sportgerichts-Urteil zum Phantomtor von Hoffenheim wächst der Druck auf DFL und DFB: Die Forderungen nach einer schnellen Einführung der Torlinientechnik werden immer lauter.


So viel Kritik hat das DFB-Sportgericht wahrscheinlich noch nie abbekommen. Die Schlagzeilen reichten von »Witz-Urteil« bis »Unrecht wird zu Recht«, nachdem in Frankfurt am Main entschieden worden war, dass das Bundesliga-Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen nicht wiederholt wird.

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Ausgerechnet dieses hitzig diskutierte Urteil könnte am Ende aber mit dafür sorgen, dass die von vielen geforderte Torlinientechnik im deutschen Fußball schneller eingeführt wird als stets geplant.

»Ich hoffe, dass dieses Urteil die Torlinientechnik jetzt noch schneller voranbringt«, sagte selbst Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, dessen Verein ja von der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters und deren Bestätigung durch das Sportgericht profitierte. Und so wurde schon bald nach der Verhandlung am Montag klar: Die Forderungen nach einer schnellen Einführung der neuen Technik werden immer lauter, der Druck auf die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den DFB wächst. Schließlich betonte auch der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz: »Durch den Einsatz von Torlinientechnik wäre ein solcher Fall sicherlich vermeidbar gewesen.«

Anders als bei der Frage »Wiederholungsspiel ja oder nein« können sich DFB und DFL in der Debatte um die Torlinientechnik nicht mehr hinter den Vorgaben der FIFA verstecken. Der Fußball-Weltverband hat bereits zwei verschiedene Systeme freigegeben und längst entschieden, dass die »GoalControl«-Technik eines deutschen Herstellers sogar bei der WM 2014 in Brasilien eingesetzt wird.

Der Standpunkt der DFL ist bislang, die Torlinientechnik in Deutschland erst frühestens zur Saison 2015/16 einzuführen. »Wir halten an unserem Plan fest, wir lassen uns nicht treiben«, betonte Ligapräsident Reinhard Rauball selbst unter dem Eindruck des Phantomtores von Hoffenheim. Die Haltung, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, unterstrich DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auch nach dem Urteil des Sportgerichts noch einmal: »Da die TSG Hoffenheim darüber nachdenkt, in Berufung zu gehen, müssen wir jetzt die weiteren Entwicklungen abwarten«, sagte er.

Zu diesen Entwicklungen gehört allerdings auch, dass den Gegnern der Torlinientechnik langsam die Argumente ausgehen. Bislang hatte die DFL immer auf die ihrer Meinung nach zu hohe Messungenauigkeit der Systems verwiesen, eine Fehlertoleranzgrenze von drei Zentimetern ist ihr zu groß. Völlig unabhängig vom Hoffenheimer Phantomtor haben die Regelhüter des sogenannten »International Football Association Board« (IFAB) aber bereits in der vergangenen Woche beschlossen, diese Toleranzgrenze auf 1,5 Zentimeter zu halbieren.

Im Zuge der Diskussionen rund um das Phantomtor und das Urteil des DFB-Sportgerichts könnten nun auch einige Vereine ihren Widerstand gegen die Torlinientechnik aufgeben. Die Installation eines entsprechenden Kamerasystems war einem nicht unerheblichen Teil der deutschen Proficlubs bislang zu teuer gewesen. Die Spieler dagegen sind mehrheitlich für die Einführung technischer Hilfsmittel. Nach einer Umfrage des Fachblatts »Kicker« sprachen sich schon im Juni fast 80 Prozent der teilnehmenden Profis dafür aus.

Die Spieler von 1899 Hoffenheim warten derweil ab, ob ihr Verein Berufung gegen das Sportgerichtsurteil einlegt oder nicht. Die Entscheidung darüber steht weiterhin aus. Der Verein habe sich da noch Bedenkzeit erbeten. »Wir als Mannschaft wollen das jetzt so hinnehmen«, sagte Kapitän Andreas Beck dem TV-Sender »Sky Sport News HD«. »Unser Blick ist jetzt nach vorn gerichtet.«