weather-image

Franzose (27) bleibt spurlos verschwunden: Vermisstensuche am Kehlstein unterbrochen

4.4
4.4
Vermisstensuche seit 26. Mai am Kehlstein: Franzose tot gefunden
Bildtext einblenden
Der seit dem 26. Mai am Kehlstein vermisste Franzose wurde am Montag tot aufgefunden. (Foto: Leitner, BRK BGL)

Berchtesgaden – Seit fünf Tagen ist ein 27-jähriger Franzose, der auf eine Ein-Mann-Tour auf den Kehlstein aufgebrochen ist, spurlos verschwunden. Umfangreiche Suchmaßnahmen der Bergwacht liefen bislang ins Leere. Auch am Freitag (31. Mai 2019) musste die Suche erfolglos unterbrochen werden.


Update vom 31. Mai – Stellvertretender Polizeichef: »Ich habe noch Hoffnung«

Die Hoffnung schwindet, aber aufgegeben hat sie Walter Schreyer, Berchtesgadens stellvertretender Polizeichef, noch nicht: Zwar musste die Suche nach dem seit Sonntag vermissten 27-jährigen Franzosen auch am Freitag erneut ohne Ergebnis unterbrochen werden. Doch ein paar Möglichkeiten gibt es noch, wie Schreyer im »Anzeiger«-Interview erklärt.

Anzeige

Herr Schreyer, wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Walter Schreyer: Wir haben die relevanten Bereiche am Kehlstein inzwischen abgesucht und die Bereiche per GPS markiert. Im Einsatz waren neben dem Polizeihubschrauber auch eine Drohne der Grenzpolizeiinspektion Piding. Das war am Montag und am Dienstag.

Am Mittwoch und am Donnerstag konnten wir wegen des schlechten Wetters leider nicht ausrücken. An den Suchmaßnahmen am Freitag waren ein Trupp der Bergwacht Berchtesgaden und zwei Polizeibergführer der Inspektion Berchtesgaden beteiligt. Die Kriminalpolizei Traunstein ist inzwischen in die Ermittlungen einbezogen.

Warum ist es so schwer, den Vermissten zu finden?

Schreyer: Im gesamten Göll-Massiv, zu dem auch der Kehlstein gehört, gibt es viele unzugängliche, verborgene Höhlen und Schluchten, in die man von den zahlreichen Wegen stürzen kann.

Der Mann ist schlecht ausgerüstet.

Schreyer: Ja. Er war relativ leicht gekleidet, hatte nur ein T-Shirt an. Auch war sein Rucksack nicht gerade prall gefüllt. Ich sage es mal so: Ein erfahrener Bergsteiger wäre so nicht losgegangen.

Ganz ehrlich, haben Sie noch Hoffnung?

Schreyer: Ja, ich persönlich habe noch Hoffnung.

Warum?

Schreyer: Weil wir noch nicht alle Maßnahmen ausgeschöpft haben. Im Moment arbeiten wir an einer Möglichkeit, weitere Suchhunde einzusetzen. Christian Fischer

Update, Freitag, 31. Mai, 14.02 Uhr:

Wie die Berchtesgadener Polizei soeben mitteilt, wurde die Vermisstensuche nach dem 27-jährigen Bergsteiger aus Frankreich unterbrochen.

Alle relevanten Bereiche am und um den Kehlstein wurden abgesucht. Dabei kam auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz, mit dem schwer einsehbare Wandbereiche des Bergs überprüft wurden. Leider verliefen die Suchmaßnahmen bislang ergebnislos. Es gibt derzeit keine heiße Spur zu dem Franzosen.

An den heutigen Suchmaßnahmen waren ein Trupp der Bergwacht Berchtesgaden und zwei Bergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden beteiligt. Mittlerweile wurde auch die Kriminalpolizei Traunstein in die Ermittlungen einbezogen.

Update, 31. Mai, 13.38 Uhr:

Nach wie vor gibt es keine Spur zu dem 27-jährigen Franzosen, der am Sonntag zu einer Bergtour auf den Kehlstein aufgebrochen ist und nicht mehr zurückgekehrt war. Er gilt seit Montag als vermisst. 35 Einsatzkräfte der Bergwachten Berchtesgaden und Grassau, zwei Polizeibergführer, drei Suchhundeteams und zwei Drohnen suchten in den vergangenen Tagen erfolglos nach dem Bergsteiger.

Am Mittwoch und Donnerstag konnte die Suche aufgrund des schlechten Wetters – Regenfälle, Nebelschwaden und Neuschnee in den höheren Lagen – nicht fortgesetzt werden. Nach der Unterbrechung liefen die Suchmaßnahmen am heutigen Freitag wieder an. Eine Spur haben die Rettungskräfte allerdings nach wie vor nicht.

Neben der Absuche aller möglichen Anstiege und der Suche aus der Luft mittels Helikopter, um auch nicht einsehbare Wandbereiche abzusuchen, bleibt den Einsatzkräften kaum eine andere Möglichkeit, als den Kehlstein systematisch abzusuchen. Mit jedem Tag in dem von Wettereinflüssen stark geprägten Berggebiet sinken die Überlebenschancen rapide.

Mehr Informationen zur heutigen Suchaktion und was die Retter für den kommenden Tage planen lesen Sie am Nachmittag in diesem Artikel.

Einige Kilometer weiter kommt es zu einer weiteren Vermisstensuche in der Region: In Trostberg sprang am Donnerstagabend ein 18-jähriger, junger Mann in die Alz und wird seither vermisst. Mehr als 150 Einsatzkräfte suchen nach dem Verunglückten.

Vermisstensuche von Bergwacht und Polizei am Kehlstein in Berchtesgaden
Bildtext einblenden
Foto: Leitner, BRK BGL

Update, Mittwoch, 29. Mai, 7 Uhr:

Ohne Erfolg blieb bislang die große Vermisstensuche nach einem jungen Wanderer am Kehlstein, der bereits seit Sonntag nicht von einer Bergtour zurückgekehrt ist. Am Montag und Dienstag suchten Bergwacht und Polizei das Gebiet bereits intensiv mit einem Hubschrauber, einer Drohne und Fußtrupps ab – ohne Ergebnis. Am heutigen Mittwoch kann die Suche wegen des schlechten Wetters leider nicht fortgesetzt werden.

Da für den heutigen Mittwoch weiter schlechtes Wetter mit absinkender Schneefallgrenze unter 1500 Höhenmeter vorhergesagt ist, ist eine weitere Suche erst für frühestens Donnerstag angedacht. Der Einsatz eines Hubschraubers ist dann unerlässlich, um noch Wandbereiche abzusuchen, die bislang nicht einsehbar waren.

Entgegen der Vorhersage herrschte am gestrigen Dienstag besseres Wetter als erwartet. Deshalb konnten die Suchmaßnahmen nach dem vermissten 27-jährigen Franzosen rund um den Kehlstein bereits ab dem Vormittag wieder aufgenommen werden.

Mit starken Kräften der Bergwachten Berchtesgaden und Ramsau und Polizisten der Alpinen Einsatzgruppen Berchtesgaden und Grassau sowie drei Hundeführern wurde die Nordseite des Kehlsteins bis in den Gipfelbereich hinauf großflächig abgesucht. Dabei wurden auch zwei Drohnen eingesetzt. Insgesamt waren 35 Einsatzkräfte vor Ort.

Leider verlief auch diese Suche ohne Erfolg. Außer den durch die Handyortung eingegrenzten Bereich gibt es keine Hinweise auf den Verbleib des jungen Mannes. Sein Handy ist inzwischen nicht mehr aktiv. Am Nachmittag wurde die Suche dann zur Besprechung über das weitere Vorgehen unterbrochen.

Zeugen gesucht

Falls jemand eine Person gesehen hat, die sich am Sonntag zwischen 17.30 und 18 Uhr im Bereich der Buswendeplatte bzw. des Gipfelbereichs aufgehalten hat oder die sich im Abstieg über die Dalsenwinkelstraße befand, soll sich dieser Zeuge mit der Polizei in Verbindung setzen.

Der Vermisste 27-Jährige wird wie folgt beschrieben: 1,70 bis 1,75 Meter groß; nackenlange, dunkelbraune Haare; unrasiert. Möglicherweise trug er auch eine Sonnenbrille. Er trägt eine weißes T-Shirt, blaue Jeans und schwarze Turnschuhe. Außerdem führt er einen kleinen grauen Rucksack mit sich.

Update, Dienstag, 17.19 Uhr:

Laut dem Berchtesgadener Polizeibergführer Jörg Fegg wurde die Suche für den heutigen Dienstag beendet. Seit Sonntagmittag waren 35 Kräfte der Bergwacht Berchtesgaden, zwei Polizeibergführer, drei Suchhundeteams und zwei Drohnen im Einsatz.

"Es wurden alle relevanten Bereiche abgesucht", sagte Fegg dem "Berchtesgadener Anzeiger" auf Nachfrage. Sollte das Wetter am morgigen Mittwoch besser sein und flugtauglich, ist eine Suche mit Hubschrauber geplant. Dies sei laut Fegg aber unwahrscheinlich, da der Wetterbericht bis 1300 Meter bereits Schneefälle ankündigt.

Update, 9.54 Uhr:

Die Polizei und die Bergwachten Berchtesgaden und Ramsau suchen heute weiter nach dem seit rund zwei Tagen vermissten jungen Franzosen. Seit Sonntag Nachmittag fehlt von dem 27-Jährigen jede Spur. Die Einsatzkräfte sind mit einem Hubschrauber, Hunden und Fußmannschaften unterwegs.

Die Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden, das Team des Technikbusses der Bergwacht-Region Chiemgau und zwei Berchtesgadener Polizeibergführer suchten gestern noch alle möglichen Anstiegswege zum Kehlstein ab. In den höheren Lagen muss derzeit wieder mit Neuschnee gerechnet werden. Außerdem ist dort die Gefahr aufgrund der starken Verdichtung des Schnees besonders hoch.

Erstmeldung, 8.32 Uhr:

Der 27-jährige Franzose war bereits am Sonntag Nachmittag von der Roßfeldstraße am Ofner Boden in Richtung Kehlstein losgegangen. Er ist gegen 15.30 Uhr mit seiner Mutter bis zur sogenannten „Schifferer/Wegmacherhütte“ gefahren. Seine Mutter hatte dort den Wagen abgestellt. Ihr Sohn wollte dann „schnell“ auf den Kehlstein gehen – seitdem fehl jede Spur von ihm.

Die Mutter wandte sich erst am Montag Nachmittag an das Tourismusbüro in Berchtesgaden, welche sofort die Polizeiinspektion Berchtesgaden verständigte. Eine umgehend eingeleitete Suchaktion des Kehlsteins aus der Luft mit dem Polizeihubschrauber musste nach einer halben Stunde wegen der aufzieheden Schlechtwetterfront erfolglos abgebrochen werden.

Daraufhin suchten Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden und zwei Polizeibergführer der Berchtesgadener Polizei zu Fuß noch alle in Frage kommenden möglichen Anstiege vom Ausgangspunkt des Bergsteigers in Richtung Kehlstein ab – leider ebenfalls ergebnislos. Handyortungen und Suchversuche mit einer Drohne führten ebenso zu keinem Ergebnis.

Im Rahmen der derzeitigen Wetterbedingungen werden die Einsatzkräfte heute die Suchaktion nach dem Wanderer fortsetzen. Wie die Polizei mitteilt, werden die Retter versuchen, die in Frage kommenden Bereiche nochmals abzusuchen, da am Kehlstein in den höheren Lagen demnächst wieder mit Neuschnee gerechnet werden muss.

Polizei und Bergwacht weisen darauf hin, dass in größerer Seehöhe der Berchtesgadener Alpen noch durchgehend Schnee liegt, der aufgrund starker Verdichtung trotz Erwärmungshasen sehr hart bleibt und deshalb im Steilgelände erhebliche Absturzgefahr besteht.

 

Italian Trulli