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»Frau Müller muss weg« in Traunreut

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Sollen Sie heimlich in der Tasche von Herrn Müller nach den Noten ihrer Kinder sehen? Unser Bild zeigt (von links) Markus Wag, Katja Wucherer, Clara Johannes, Tanja Wag- Beckerbauer und Klaus Jugl. (Foto: Mix)

»Frau Müller muss weg« heißt das Stück von Lutz Hübner, das das Theaterchen »O« in der Herbst-Spielzeit im k1 auf die Bühne bringt. Bei der Premiere gab es allerdings eine Überraschung: nicht Frau Müller sondern Herr Müller musste weg. Das Publikum zeigte sich vom Stück beeindruckt und belohnte die Darsteller mit begeistertem Applaus.


In der Rolle von Herrn Müller trat Klaus Bierdimpfl auf, der bei dem Stück Regie führt. Aufgrund einer Erkrankung von Brigitte Solder sprang er kurzfristig ein und übernahm die Rolle der geplagten Lehrerin beziehungsweise des Lehrers. Er machte seine Sache hervorragend, zeigte keinerlei Schwächen im Text und spielte die von den Eltern verunglimpfte Lehrkraft sehr überzeugend.

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Auf der Bühne standen als Requisiten nur eine Tafel und sechs Stühle, die für Erwachsene eigentlich viel zu klein sind. Darauf nahmen die Eltern Platz, die bei einer außerordentlichen Versammlung dem Lehrer Herrn Müller das Misstrauen aussprechen und ihn zur Abgabe der Klasse zwingen wollten. Schließlich sind ihre Kinder in der wichtigen vierten Klasse und kurz vor der Vergabe der Übertrittszeugnisse. Wenn Herr Müller diese nicht entsprechend gut ausstellt, »versaut er unseren Kindern ihre ganze Zukunft«. Man denke nur, die lieben Kleinen schafften die Zulassung zum Gymnasium nicht und landeten womöglich auf der Realschule oder noch schlimmer auf der Hauptschule. »Was das bedeutet, wollen wir uns gar nicht ausmalen«, formulierten die besorgten Eltern ihre Bedenken. Im Laufe des Stückes, in dem sich die Väter und Mütter untereinander und vor allem auch dem Lehrer nichts schenken, wird jedoch mehr und mehr deutlich, dass gar nicht die Kinder Probleme haben, sondern ihre Erziehungsberechtigten.

Da ist zum Beispiel das Ehepaar Jeskow (gespielt von Markus Wag und Tanja Wag-Beckerbauer, die auch im richtigen Leben ein Paar sind). Die Familie ist erst kürzlich in die Stadt gezogen und ihr Sohn Lukas wird nach Meinung der fürsorglichen Mutter in der Klasse einfach nicht aufgenommen, sondern gemobbt. Dass ihr Liebling aber alles andere als einfach ist und vielmehr die ganze Klasse aufmischt, wollen die beiden gar nicht hören und auch nicht glauben.

Wortführerin der Eltern ist Jessica Höfel (gespielt von Clara Johannes). Für die selbstbewusste Frau steht völlig außer Zweifel, dass ihre Tochter das Gymnasium besuchen muss. Sie weiß zwar genau, dass Laura kein einfaches Kind ist, aber der Lehrer wird ja wohl mit ihr fertig werden und später kommt sie sowieso auf eine Privatschule, »die werden das dann schon richten«. Als arbeitsloser Übervater Wolf Heider, der die Hausaufgaben seiner Tochter erledigt und sie täglich mit allen möglichen Lern- und Quizmarathons quält, steht Klaus Jugl auf der Bühne. Er fühlt sich selber erniedrigt und hat kein Selbstwertgefühl mehr, umso mehr arbeitet er daran, dass seine Tochter voran kommt und etwas wird. Die einzige, die kein Problem mit dem Lehrer hat, ist die Mutter des Klassenprimus (dargestellt von Katja Wucherer). Doch auch sie wird im Laufe der Geschichte mit ganz neuen Fakten über ihren Sohn konfrontiert.

Unter den Darstellern sind gleich mehrere Neuzugänge, die ihren ersten Auftritt auf der Bühne gut meisterten. Bei der Fülle an zu lernendem Text ist es nicht verwunderlich, wenn es bei der Premiere noch den einen oder anderen Hänger gab. Auch kamen die Schauspieler mitunter durcheinander, wenn sie das einstudierte »sie« für Frau Müller kurzerhand in ein »er« für den eingesprungenen Herrn Müller umwandeln mussten.

Klaus Bierdimpfl spielte selber schon vor 15 Jahren im Theaterchen »O« mit und es war ein großer Wunsch von ihm, dieses Stück zu inszenieren. Zusammen mit seiner Tochter habe er vor einiger Zeit den gleichnamigen Film im Fernsehen angeschaut und beide hätten sich dabei köstlich amüsiert, erzählte er dem Premierenpublikum. Dem Ensemble empfahl er jedoch zu Beginn der Probenarbeit, den Film nicht anzusehen, damit sie völlig unvoreingenommen und frei ihre Rolle für sich selber entwickeln können. Auch die spartanische Bühnenausstattung war seine Idee, damit die ganze Aufmerksamkeit auf das Gesprochene gelegt und nicht von der Dekoration abgelenkt wird. Das Ensemble hofft, dass Brigitte Solder bei den noch folgenden Aufführungen wie geplant die Rolle der Lehrerin übernehmen kann.

Die Zuschauer im nicht voll besetzten Studiotheater des k1 lobten Stück und Darsteller. »Genau so ist es, das trifft es hervorragend«, meinte eine Besucherin zur Situation in den vierten Klassen vor dem Übertritt. »Ich bin begeistert«, betonte Bürgermeister Klaus Ritter, der den Darstellern großes Lob aussprach. Regie führt Klaus Bierdimpfl, für die Maske sind Anne-Sophie Solder und Tamara Kojer verantwortlich für die Technik Klaus Sittmann und die Produktionsleitung haben Daniela Friedrich und Simon Müller.

Weitere Aufführungen im k1 sind am morgigen Mittwoch, 17. Oktober, am 18., 20., 24., 25. und 31. Oktober um 20 Uhr sowie am 21. und 28. Oktober jeweils um 16 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf des k1 Traunreut. Pia Mix