weather-image
21°

»Fremde Kulturen und Menschen reizen mich«

Berchtesgaden - Nach Beendigung seiner Skilanglauf-Karriere sucht Olympiasilbermedaillengewinner Peter Schlickenrieder neue Grenzerfahrungen im Abenteuersport. Mit seiner aktuellen Multimedia-Vortragsreihe »Kalt - Heiß - Hoch« hat der 42-Jährige am Donnerstag Station in Berchtesgaden gemacht und im Kongresshaus von seinen größten sportlichen Abenteuertrips berichtet.

Ex-Bobfahrer Karl Angerer (l.) und Watzmann-Ostwand-König Heinz Zembsch (r.) waren unter den Gästen bei Peter Schlickenrieders (M.) Vortrag »Kalt - Heiß - Schnell«. Foto: Anzeiger/kb

Berchtesgaden ist für Peter Schlickenrieder fast so etwas wie eine zweite Heimat. Fünf Jahre hat der Schlierseer das CJD-Skigymnasium besucht und kehrt immer noch gerne und oft zurück. »Für einen Bergsteiger hat Berchtesgaden einfach viel zu bieten, erst letztes Jahr bin ich die Watzmann-Ostwand gegangen. Die fünf Schuljahre sind ein wichtiges Stück meiner Lebensgeschichte, die Zeit hat mich geprägt und war sicher ein Grundstein für meinen Erfolg«, erzählt der zweifache Familienvater im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Anzeige

Peter Schlickenrieder gehört zu den erfolgreichsten Langläufern Deutschlands. Fünf deutsche Meistertitel, zwei Weltcupsiege im Einzel, einer mit der Staffel und der Gewinn der Silbermedaille im Langlauf-Sprint der Winterspiele in Salt Lake City 2002 gehen auf sein Konto.

Nach seinem Karriereende begann Schlickenrieder als Co-Kommentator und Experte bei der ARD. Eine nicht immer leichte Aufgabe. »Wenn ein Moderator einen Sportler kritisiert und bewertet, dann ist das nicht annähernd so schlimm wie wenn das der ehemalige Teamkollege macht. Man sitzt oft zwischen den Stühlen und Freundschaften werden auf eine harte Probe gestellt.«

Nachdem Bundeslanglauftrainer Jochen Behle im März überraschend seinen Rücktritt verkündet hatte, klopfte der Deutsche Skiverband auf der Suche nach einem Nachfolger auch bei Peter Schlickenrieder an. Nach eingehender Überlegung hat er sich dagegen entschieden. Seine berufliche Zukunft sieht er woanders, zum Beispiel in seiner neu gegründeten Filmproduktionsfirma, die Sportdokumentationen und Projekte im Extrem- und Abenteuersport macht.

Von denen handelt auch Schlickenrieders aktueller Vortrag »Kalt - Heiß - Hoch«, den er im Berchtesgadener Kongresshaus zeigte. »Kalt« war es bei den vier Alpenüberquerungen auf Skiern, die er in den letzten Jahren absolviert hat, mal von Nord nach Süd, mal von Süd nach Nord, immer über verschiedene Routen. Richtig »heiß« war es dagegen bei der Transatlas-Überquerung durch Marokko, wo anstatt Ski das Mountainbike zum Einsatz kam. Nicht nur die faszinierende und abwechslungsreiche Landschaft, sondern auch die kulturelle Vielfalt des Landes beeindruckten den ehemaligen Spitzensportler, der selbst sagt: »Das wirklich spannende an diesen Reisen ist das Kennenlernen von Kulturen und Menschen. Dieses Andere, Fremde reizt mich.«

Seine bisher wohl härteste und einprägsamste Tour führte Peter Schlickenrieder zum höchsten Gipfel Europas, dem Elbrus im russischen Westkaukasus. Fernab der Zivilisation und in einem politisch unsicheren Land mit rund 50 ethnisch verschiedenen Stämmen sowie verschärften Einreisebestimmungen erprobte er seine Höhentauglichkeit. »Jeder hat uns vor dem Kaukasus gewarnt, dabei haben wir mit den Menschen nur positive Erfahrungen gemacht.«

Auch wenn die geplante Überschreitung des Gebirges bis nach Sotschi nach monatelanger Vorbereitung letztlich an der Landesbürokratie scheiterte, den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 hat sich Peter Schlickenrieder trotzdem angesehen. Für ihn, der bei seinen Outdoor-Aktivitäten stets Wert auf einen schonenden Umgang mit der Natur legt, war der Anblick der riesengroßen Baustellen schockierend. Autobahnen, Hotelburgen, Skisprunganlagen werden mitten im grünen Paradies aus dem Boden gestampft. »Es tut einem richtig weh, wenn man sieht, wie die über mehrere unberührte Gebirgsketten ein Skigebiet anlegen. Allerdings sind die Alpen auch nicht immer so erschlossen gewesen wie heute. Es wäre vermessen, wenn wir hingehen würden und es den Russen verbieten.«

Als Co-Moderator wird Peter Schlickenrieder auch in Sotschi wieder mit von der Partie sein und den Zuschauern nicht nur Analysen aus der Loipe, sondern auch kulturelle Beiträge liefern. »Schließlich will nicht jeder von morgens bis abends nur Sportveranstaltungen sehen.« kb