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Freude an der Ausdruckskraft des Dialekts

Beim Angerer Mundartdichter-Treffen (v. l.): Anni Enzensberger, Lenz Berger, Gustl Lex, Ehrentraud Signitzer, Karl Robel und Heidi Huber. (Foto: Mergenthal)

Die Freude an der Farbigkeit, Vielseitigkeit und archaischen Ausdruckskraft des bayerischen Dialekts war allen Mitwirkenden beim zweiten Angerer Mundartdichter-Treffen anzumerken. Im voll besetzten Postwirtssaal sprang diese Begeisterung auf das Publikum über. Der älteste Autor stand bereits im 88. Lebensjahr: Karl Robel aus Teisendorf, lebende Legende der Rupertiwinkler Mundartdichtung.


Die Zuhörer kamen von nah und fern. Sogar aus dem etwa 50 Kilometer entfernten Berndorf an den Obertrumer Seen war eine Gruppe angereist. Das große Interesse bereits im Vorjahr wertete Franz Xaver Winklhofer, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises Anger, als »Beweis, dass bei der Bevölkerung echtes Brauchtum mit Volksmusi, Gesang, Gedichten und Verserln immer beliebter wird«. In seiner Begrüßung erinnerte er an den internationalen »Tag der Muttersprache« am Vortag. Auch der Heimatkundliche Arbeitskreis wolle dazu beitragen, dass die »bayerische Mundart als unsere Muttersprache gepflegt und erhalten wird«.

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Lenz Berger aus Höglwörth stellte die Autoren vor und führte mit passenden Worten und kurzen Geschichten, zum Beispiel über die »elendigen Kalorien« von Toni Lauerer, durch den Abend. Im Duo mit Anni Enzensberger aus Piding ergänzte er die gesprochene Mundart durch die gesungene: Vom Frühjahrslied über das Binderlied bis zu »Und wann i amoi g'storbn soi sei« reichte das Spektrum. Spontan begleitete der Teisendorfer Volksmusikant Sigi Ramstötter die beiden und die Pfaffendorfer Musi aus Anger. Dieses seit 30 Jahren bestehende Trio mit Leo Höglauer an der Ziach, Georg Wadispointner an der Klarinette und Gitarre und Wasti Höglauer an Tuba und Bass spielte zwischen den Leseblöcken frisch auf.

Schon früh haben die Mundartdichter ihre Leidenschaft entdeckt. Heidi Huber zum Beispiel, 1946 in Prien geboren, schrieb als Schülerin auf ihr Lineal: »Gottes Auge ist überall, drum klau mir nicht mein Lineal«. Seit 30 Jahren hebt sie ihre Verse auf. Das Schreiben war für sie Ausgleich zu ihrer Arbeit in einer Klinik und zur Pflege ihrer Mutter. Weil sie auch Mesnerin ist, möchte sie nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken bringen. Sie dichtet übers Lachen, über Dankbarkeit, Zufriedenheit, Vergänglichkeit und Hoffnung.

Der ehemalige Konditormeister Karl Robel, ein genauer Beobachter von Natur, Tieren und Menschen, faszinierte mit seinem hintergründigen Humor und seiner verschmitzten Vortragsweise – ob bei Gedichten wie »Nebenwirkungen« oder »Zeit für'n Hergott« oder bei Geschichten. Etwa über den die meiste Zeit faulen, fetten Kater Grauli, der einmal im Jahr liebestoll der rolligen Nachbarskatze nachstellt und dabei von seinem Rivalen übel verprügelt wird, während ein dritter Kater die Angebetete entführt. Als besonderen Höhepunkt sang Ramstötter die von Karl Robel aufgeschriebenen »Rupertiwinkler Mundartgstanzln« mit fast vergessenen Ausdrücken und Lauten, die zum Teil in Freidling noch heute gebräuchlich sind.

Die 1944 geborene Ehrentraud Signitzer aus Adnet im Salzburger Land stellte in kernigem Salzburger Dialekt frühere und heutige Zeiten einander gegenüber, zum Beispiel das Einkaufen des wirklich Notwendigen beim »Kramer« dem »Shoppen« in Shoppingcentern. Kaum mehr halten konnte sich das Publikum, wenn sie einige Sprüche ihrer zehn Enkel zum Besten gab: »Sog Papa, brauchan de no lang, bis' ihre Kisten durchg'sagelt hab'n?« zitierte sie einen Buben, der mit seinem Papa wenig begeistert einem Streichkonzert lauschte.

Der Grabenstätter Feinmechanikermeister Gustl Lex, Jahrgang 1954, provozierte mit trockenem Humor und skurriler Situationskomik herzhafte Lacher. Er erzählt zum Beispiel, wie ein Landbürgermeister mit seinem Spezl an der Festtafel zum 90. Geburtstag des Prinzregenten beim Versuch, heimlich »Kafiar« zu naschen, extra scharfen Senf erwischte. Auch seine Geschichten über eine Kaffeefahrt und über das Heilig-Geist-Loch, in das eine Mesnerin aus Versehen mit ihrem Unterteil hineinrutschte, kamen bestens an. Wegen des erneuten Erfolgs erwägen die Initiatoren eine dritte Auflage dieser Veranstaltung 2014. vm