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Freude auf spannende Aufgabe als Kreisarchivpfleger

Traunstein. Der Landkreis Traunstein hat mit dem 65-jährigen Albert Rosenegger aus Axdorf wieder einen Kreisarchivpfleger. Für die meisten Landkreise übernimmt das für Oberbayern zuständige Staatsarchiv München deren Archivaufgaben, wie Leiter Dr. Christoph Bachmann bei der Übergabe der Bestallungsurkunde für die nächsten fünf Jahre berichtete. Rosenegger unterschrieb jetzt im Landratsamt den Dienstausweis des Staatsarchivs. Der 65-Jährige hat seit Jahrzehnten ein Faible für Geschichte und bereits einige Erfahrung im Archivwesen.

Der Landkreis Traunstein hat mit dem 65-jährigen Albert Rosenegger aus Axdorf wieder einen Kreisarchivpfleger. Im Landratsamt Traunstein überreichten (von links) Landrat Hermann Steinmaßl und der Leiter des für Oberbayern zuständigen Staatsarchivs München, Dr. Christoph Bachmann, Rosen-egger die Bestallungsurkunde für die nächsten fünf Jahre. (Foto: Kretzmer)

Schriftgut und andere Dokumente aus dem Landkreis erfasste als erster Götz von Dobeneck, ein ausgebildeter Archivar. Im Gegensatz dazu ist Albert Rosenegger gelernter Buchdrucker, der später auf Offsetdrucker umschulte und viele Jahre in der Druckerei Miller arbeitete.

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Start als Ortsheimatpfleger von Haslach mit 20 Jahren

Für historische Dinge interessierte er sich zeitlebens. Bereits mit 20 Jahren wurde er in Haslach Ortsheimatpfleger, damals einer der jüngsten in Bayern. Er besuchte Veranstaltungen für Kreisheimatpfleger, verfasste mehrere Publikationen und Beiträge, etwa für das Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, engagierte sich mit Vorträgen und Exkursionen an der Volkshochschule.

Im Zuge dessen sammelte er Erfahrung in Archiven – etwa in Traunstein, Salzburg und München. »Ich fand großen Gefallen an den Archivbeständen und der Archivarbeit«, so Rosenegger. Zu Themen wie »Das 17. Jahrhundert in Traunstein«, Kunstgeschichte, Kunsthandwerker oder »Maler und Bildhauer der Barockzeit« wurde er in Archiven fündig. In den 1990er Jahren stürzte er sich auf die Stadtgeschichte, trug zum Beispiel zum Erfolg des Permoser-Jubiläums bei. Darüber hinaus schrieb er historische Theaterstücke, die vielerorts in der Region aufgeführt wurden. Landrat Hermann Steinmaßl lernte ihn im Jahr 2002 kennen – als ersten Träger des Max-Fürst-Preises, des Geschichts- und Kulturpreises des Historischen Vereins.

»Ich kann das Amt wohl nicht so ausfüllen wie mein Vorgänger Götz von Dobeneck«, gab sich Rosenegger bescheiden. Unter dessen Ägide habe er Einblicke gewonnen in das Kreisarchiv und das Traunsteiner Stadtarchiv. Er suche den engen Kontakt zu Stadtarchivar Franz Haslbeck: »Ich hoffe, er steht mir zur Seite, wenn ich nicht mehr weiter weiß.« Außerdem wolle er mit den Ortsheimatpflegern im Landkreis zusammenarbeiten.

Archivdirektor Dr. Christoph Bachmann, gebürtiger Schlechinger und Enkel von Vinzenz Bachmann, betonte, in vielen Kommunen habe Götz von Dobeneck bereits Archive geordnet. Albert Rosenegger könne dazu beitragen, sie fortzuführen. Die regelmäßige Betreuung der Archive sei wichtig.

Meistens erst geholt, wenn es schon zu spät ist

Das Staatsarchiv sei in anderen Landkreisen manchmal gefordert, in kürzester Zeit zu reagieren: »Wir werden meistens erst dann geholt, wenn es schon zu spät ist, beispielsweise anlässlich eines unmittelbar bevorstehenden Umzugs.« Dr. Bachmann bedauerte, dass sich »nur die wenigsten Landkreise einen Kreisarchivar leisten«. Vorrangiges Ziel sei, das Archivgut »einigermaßen sinnvoll aufzubereiten«. Das Staatsarchiv sei »erste Anlaufstelle« für Archivpfleger in Oberbayern und lade alle zwei Jahre zu Treffen ein. Vorbildlich sei der Landkreis Berchtesgadener Land – mit eigenständigen jährlichen Veranstaltungen.

Kreisarchivare und Archivpfleger zählten angesichts der Situation in Oberbayern offensichtlich zur »Luxusausstattung«, stellte Landrat Hermann Steinmaßl fest. Er sei dankbar, dass Albert Rosenegger bereit sei, das Ehrenamt zu übernehmen. Der Landkreis sei aktuell dabei, seine Geschichte in einer Buchreihe zu veröffentlichen. Vor kurzem sei der erste Band von Gerd Evers über die Ereignisse zwischen 1945 und 1990 erschienen.

Dazu informierte Dr. Bachmann über eine staatliche Spezialbibliothek in seinem Haus – mit Heimatzeitungen, Vereinszeitschriften und vielem mehr: »Über die Nachkriegszeit haben wir viel.« Albert Rosenegger wird das Angebot des Staatsarchivleiters gern nutzen. Nach erster Schätzung wird er seiner Spurensuche in der Geschichte sechs bis acht Stunden pro Woche widmen. Mit Freude gehe er an die neue Tätigkeit heran: »Am meisten freue ich mich darauf, in das Archivmaterial des Landkreises Traunstein reinzuschauen. Ich weiß noch gar nicht, was insgesamt an Beständen da ist. Da wartet Spannendes auf mich.« kd