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Freundschaft bringt Frieden und Versöhnung

Traunreut. »Freundschaft bringt Frieden und Versöhnung. Dafür wollen wir Gott heute danken, dass wir in Europa friedlich zusammenleben«: Mit diesen Worten leitete Pfarrer Stefan Hradetzky den Gottesdienst anlässlich des Jubiläumsfestes der Stadt Traunreut mit den Partnerstädten Nettuno, Lucé und Virovitica ein. Diese Feststellung war wie ein Motto für den Festabend.

Der Nachwuchs des Traunwalchner Trachtenvereins zeigte einen Laubentanz, in den die Fahnen der beteiligten Länder und ein viersprachiger Willkommensgruß integriert wurden. (Foto: H. Eder)

Verbunden durch Freundschaften und Glauben

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Der ökumenische Wortgottesdienst wurde von den Pfarrern Thomas Tauchert, Stefan Hradetzky und Constantin Bartok gestaltet – in allen vier Sprachen. Übersetzer waren Alexander Blobner (italienisch), Lilianne von der Goltz (französisch) und Mato Grgic (kroatisch). Zwar sprächen die Menschen unterschiedliche Sprachen, lebten in verschiedenen Ländern und gehörten unterschiedlichen Konfessionen an, aber sie seien nicht nur durch Freundschaften verbunden, sondern auch durch den Glauben. So sollten sich alle »gegenseitig als Geschwister achten, die füreinander beten«. Pfarrer Tauchert hatte ebenfalls die Verbindung im Glauben angesprochen. Pfarrer Bartok bat darum, dass Frieden und Freundschaft erhalten bleiben mögen.

Mit einer rauschenden Gala vor rund 200 Gästen feierten Traunreut, Nettuno, Lucé und Virovitica im k1 die drei runden Jubiläen ihrer Städtepartnerschaften. In den kurzen Festreden der vier Bürgermeister wurde das gelungene Miteinander über all die Jahre beschworen.

Zu dem Festabend kamen auch einige Männer der ersten Stunde, allen voran Antonio Simeoni, früher Bürgermeister von Nettuno, der mit seinem damaligen Traunreuter Kollegen Franz Haberlander die Partnerschaft besiegelt hatte. Er durfte sich auch jetzt wieder ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Auch Gratien Vergnes war da: Er war 25 Jahre treibende Kraft der Partnerschaft mit Lucé, Übersetzer und Organisator, unbeirrt von politischen Veränderungen in seiner Heimat.

Schüleraustausch begründete die Partnerschaft mit Lucé

Dabei waren auch noch mit dabei Heike Seufert jene Französischlehrerin am Gymnasium, die mit dem Schüleraustausch die Partnerschaft mit Lucé begründet hatte, der einstige ARGE-Vorsitzende Jürgen Schweikart, der anfangs etwa mit der noch heute legendären »Settimana Bavarese« in Nettuno viel für die Partnerschaft getan hatte. Auch Franz Jaksch war gekommen, der als einstiger Musikschulleiter ungezählte Kontakte hergestellt hatte.

Nach der Europahymne, gemeinsam gespielt von der Blaskapelle Traunwalchen und der Stadtkapelle Traunreut, erinnerte Bürgermeister Franz Parzinger an die Anfänge der Partnerschaften, meist aus Verbindungen von Schulen. Dann hätten Vereine und Organisation Kontakte etwa in Sport und Musik geknüpft, woraus die offiziellen Partnerschaften entstanden seien. Aus diesen seien inzwischen Freundschaften geworden, stellte Parzinger fest, die man bewahren, pflegen und lebendig weiterentwickeln müsse, »mit Kopf, Hand und Herz«.

Danach gaben die Traunwalchner Trachtler eine kleine Kostprobe bayerischen Brauchtums und begeisterten mit einem Plattler und dem Laubentanz, in dessen Schlussbild die Wappen der Länder und ein viersprachiger Willkommensgruß eingebaut wurden.

Nach der italienischen Nationalhymne, gespielt von der Stadtkapelle Nettuno, sagte Bürgermeister Alessio Chiavetto, in den 40 Jahren sei aus der Partnerschaft echte Zuneigung geworden. Die offiziellen Partnerschaftsverträge seien ein wichtiges Instrument, die Beziehungen zwischen den Ländern zu stärken. Diese würden immer wichtiger, da die nationalen Grenzen immer erreichbarer würden. Die Partnerschaft werde längst über institutionelle Beziehungen hinaus von Gruppen und Bürgern getragen. Ein Netz an Freundschaften und Bekanntschaften habe die Städte noch mehr zusammengebracht. Diese robusten Wurzeln heute erneuern zu können, darüber sei er glücklich. Er sei sich sicher, dass die Städte auch künftig die »Straße der Freundschaft gemeinsam weitergehen« werden.

25 Jahre Partnerschaft mit der Stadt in Frankreich

Eingeleitet von der Marseillaise, der französischen Nationalhymne, gespielt von Stadtkapelle und Traunwalchner Blaskapelle, würdigte der französische Bürgermeister Emmanuel Lecomte alle, die die Partnerschaft gegründet hatten. 25 Jahre seien ein Symbol für Ausdauer und Erfolg. Eine Partnerschaft sei die Begegnung von Menschen mit unterschiedlicher Geschichte, Kultur und verschiedenen Bräuchen. Die Freundschaft der Städte sei geprägt vom Willen, diese zu respektieren, und trage zur Festigung Europas bei.

Die Kraft der Begegnungen sei geboren aus dem Bedürfnis, Interessen auszutauschen, jenseits sprachlicher und kultureller Barrieren. Die vielen Treffen hätten menschliche Bindungen geschaffen, die die Partnerschaft der Städte unzertrennlich machten. Die starken Verbindungen förderten Freundschaften, begünstigten mehr Toleranz, Wohlwollen und Großzügigkeit. Dieser Geburtstag sei ein Aufschwung für neue Verbindungen in der Partnerschaft – für eine gemeinsame friedliche Zukunft.

Nach der kroatischen Nationalhymne »Lijepa nasa domovino« meinte der Bürgermeister von Virovitica, Ivica Kirin, auch 15 Jahre seien bereits ein respektables Jubiläum. Zu Beginn der Partnerschaft sei ein Beitritt Kroatiens zur EU noch nicht einmal geplant gewesen, heute sei das Land ein fast vollwertiges EU-Mitglied: »Dass Traunreut immer an uns und die Republik Kroatien geglaubt hat«, sei ein Vertrauensbonus gewesen, der einen kleinen Beitrag auf dem Weg Kroatiens in die EU geleistet habe.

Charly Haslwanter ist Ehrenbürger von Virovitica

Kiric blickte zurück auf die Anfänge der Partnerschaft, ausgehend von einer Grundschule in Virovitica und der Hauptschule Traunreut. In dem Zusammenhang nannte er den damaligen Traunreuter Bürgermeister Eduard Wiesmann und Schulleiter Günter Primas, die den Weg geebnet hätten. Zwei Mitbürger aus Virovitica hätten inzwischen in Traunreut ihre zweite Heimat und Arbeit gefunden. Besonders hob er auch Charly Haslwanter hervor, der – mit einer Frau aus Virovitica verheiratet – viel dazu beigetragen habe, konstant Hilfe für Virovitica zu leisten: für Kindergärten, Schule, für die Feuerwehr und arme Kinder. Deshalb sei er auch Ehrenbürger von Virovitica. Zum Abschluss sagte er in deutscher Sprache: »Wir haben gemeinsam die Grundlage für die gute Zusammenarbeit aufgebaut, was unsere Kinder sicher mit Stolz weiterführen werden.«

Nach einem abschließenden Auftritt der Aktiven des Traunwalchner Trachtenvereins ging es an den zeremoniellen Höhepunkt. Die von den Bürgermeistern unterschriebenen Urkunden wurden feierlich überreicht, dazu gab es eine Vielzahl an gegenseitigen Geschenken. Bürgermeister Parzinger meinte abschließend, die Partnerschaften seien mit den frisch unterschriebenen Urkunden quasi neu gefestigt. Mit den Worten »wir werden alle sehr lang an diesen wunderbaren Abend denken«, beschloss er das Programm, ehe alle gemeinsam das »Traunreut-Lied« sangen. he