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Frische Noten, frischer Wind

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Beim bewegenden Finale des Salzburger Adventsingens singen die Mitwirkenden »Stille Nacht, heilige Nacht«. (Foto: Adventsingen)

Maria ist eine fröhliche junge Frau, die sich auf ihr erstes Kind freut, ihr erstes Babyhäubchen strickt und stolz ihrem Freund zeigt. Josef ist ein glücklicher werdender Vater, fürsorglich und heiter.


Keiner der beiden schert sich einen Deut darum, dass die Herkunft des Kindes ein wenig zweifelhaft ist. Die üblichen Klatschmäuler, die sich selbiges über Maria und ihr Bankert zerreißen, kommen in der aktuellen Fassung des Salzburger Adventsingens im Großen Festspielhaus nicht zu Wort. Keine Zweifel nagen an Josefs treuem Vertrauen. Der Engel, der elegant, flink und grazil wie eine Balletteuse durchs Städtchen Oberndorf huscht, sich auf dem Kirchenhügel materialisiert, im nächsten Augenblick auch schon wieder am anderen Ortsende über Marias Häuschen, hat ganze Arbeit geleistet. Alles paletti zwischen Maria und Josef. Dann die unselige Aufforderung, sich in »Steuerlisten eintragen zu lassen«. Maria besteht, trotz ihrer »Umstände« darauf, Josef zu begleiten, überschätzt allerdings ihre Kräfte…

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Was an diesem Adventsingen auffällt, ist seine Lockerheit. Regisseurin Caroline Richards hat hervorragende Arbeit in der Personenregie geleistet. Ihre Lichtregie im Oberndorf-Bühnenbild von Dietmar Solt weckt den Eindruck erstaunlich naturgetreuer Tages- und Nachtwechsel. Ohne plattem Realismus zu huldigen, entstehen eindrückliche Bilder.

Die Musik, die wieder Clemens Vereno komponiert hat, historische Lieder und Weisen mit dem Neuen subtil verbindend, wird von Volksliedchor, Solistensextett, Solisten und Instrumentalisten unter der Leitung von Herbert Böck qualitätsvoll interpretiert wie eh und je. Hans Köhl, der künstlerische Gesamtleiter und Textverfasser, hat das Adventsingen als Spiel im Spiel konzipiert: Im Städtchen Oberndorf des Jahres 1818 kommen die Kirchensänger und die Schöffleut-Theaterspieler zusammen, um ein Weihnachtsspiel zu proben. Die Orgel ist verstimmt…

Wenn es heißt »Es hat sich halt eröffnet, das himmlisch Tor«, purzeln die Buabalen und Madalen tatsächlich ganz haufenweis hervor und bezaubern mit ihrem Spiel.

Und dann, nach dem Andachtsjodler die Überraschung: Das Publikum will, wie gewohnt, sich aus dem Stand zum Aufbruch richten. Da geht es weiter auf der Bühne. Alles setzen. Das neu komponierte Lied! Vom Duo Gruber-Mohr bis zum Tutti mit Publikum entwickelt es sich als bewegendes Finale. Heidemarie Klabacher

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