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Frischer Wind aus der Wüste: A-Wa mit »Bayti Fi Rasi«

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A-Wa
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A-Wa pflegen nicht nur musikalisch ihren ganz eigenen Stil. Foto: Hassan Hajjaj Foto: dpa

Die drei Schwestern Fair, Liron und Tegel Haim aus Israel repräsentieren mit ihrem jemenitischen Hip-Hop und selbstbewusstem Auftreten starke Frauen aus dem Nahen Osten.


Berlin (dpa) - »Bayti Fi Rasi« ist das zweite Album von A-Wa nach dem viel beachteten Debüt »Habib Galbi«. Das Trio aus den drei Haim-Schwestern hat einen Nerv getroffen: Ihr Hip-Hop mit orientalischen Melodien findet nicht nur in Israel und den Nachbarländern viele Fans.

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Mit ihrem Auftreten führen A-Wa dem sonst eher konservativen islamischen Umland ein starkes und modernes Frauenbild vor. Dazu kommt der Gesang im verständlichen Dialekt jemenitischer Juden. Ihr schriller Look, High-Top-Sneakers, ungewöhnliche Kopfbedeckungen und farbenfrohe Gewänder machen die Schwestern zudem zu Stilikonen.

Die Drei gehören zu einer jungen Generation, deren Vorfahren im Jemen lebten, bevor sie nach Israel immigrierten, um Verfolgung und Gewalt zu entkommen. Aus dem Reichtum dieser Kultur schöpfen A-Wa. Gewidmet ist das Album Großmutter und Mutter, von deren Leben und Erlebnissen das Trio sich inspirieren ließ.

So ist »Bayti Fi Rasi« (»Meine Heimat ist mein Kopf«) eher ein Konzeptalbum und jedes Lied ein erzählender Monolog. Die Titel sind Programm: »Ya Watani« (»Mein Heimatland«), gemeint ist die Heimat von Mutter und Großmutter, »Mudbira« (»Die Unglückliche«), »Hana Mash Hu Al Yaman« (»Hier ist nicht Jemen«) über die schwere Anpassung an Israel. Der Song ist an »America« aus Bernsteins »West Side Story« angelehnt.

»Ma Bish«, im Sinne von »Nichts«: Kein Heim, keine Schlüssel, keine Liebe, ... nur Schuhe. »Min Tiht Al Firash« (»Unterseite des Teppichs«) spielt auf die »Operation Fliegender Teppich« an: 1949 und 1950 wurden über 40.000 Juden per Flugzeug aus dem Jemen nach Israel gebracht. Es sind Geschichten der Anpassung an ein Land, das lange nichts von den orientalischen Wurzeln seiner Mitbürger wissen wollte, wie in »Taricg Tawila« (»Die Straße ist lang«) oder »Makhada Min Thahab« (»Polster/Lager aus Gold«).

A-Wa - »ein kurzer Name, einprägsam und positiv«, sagt Tair Haim, mit 36 die Älteste und Frontfrau der Gruppe - kann man als World-Pop-Sensation bezeichnen. Die Kostüme fertigen die Schwestern zum Teil selbst an. Tagel Haim, mit 29 die Jüngste ist, studierte Grafikdesign. Fehlt noch die 33-jährige Liron.

A-Wa wollen zeigen, »dass man seine Wurzeln nicht verstecken muss. Dass jüdisch und arabisch sehr gut zusammenpassen«. Wie gut das gelingt, zeigen auch die Clips, die im Netz viel von »Mipsterz«, muslimischen Hipstern, geteilt werden.

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