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Frivoles und Philosophisches

Wie schnell das Leben vorbei sein kann, das haben die Menschen nach dem 30-jährigen Krieg zu spüren bekommen. Hinzu kam dann auch noch die Pest, welche die damalige Bevölkerung in Europa noch einmal kräftig dezimierte. Das aus dieser Lebenssituation heraus entstandene Lebensgefühl der Menschen war nicht, wie man denken könnte, ausschließlich depressiv, nein, man warf sich geradezu in das Leben, respektive in erotische Tändeleien hinein. Die aus diesem Lebensgefühl heraus entstandene, oft sehr frivole Lyrik im Zeitalter des Barock stellte die Theaterschauspielerin und Rundfunksprecherin Beate Himmelstoß gemeinsam mit musikalischer Begleitung, die auf Barockinstrumenten virtuos aufspielte, im Traunsteiner Studio 16 vor.

Mit Musik und Lyrik des Barock gastierten Beate Himmelstoß (r.) und ein Musikensemble im Studio 16. (Foto: Barbara Heigl)

Besonders berührend war das Lied »Der jungen Tochter einfältige Fragen an die Mutter«, bei dem es um die ersten prickelnden Liebeserfahrungen eines Mädchens ging, das aber als es schwanger geworden ist, vom Liebhaber abschätzig als »Hur« tituliert wird. Das Mädchen erbarmt, und das ist auch für die damalige Zeit recht ungewöhnlich, in diesem Couplet sogar dem Pfarrer, bei dem es vorspricht. Beate Himmelstoß griff bei diesem Lied selbst zur Gitarre und gab die Stimmung zart-naiv und anrührend wieder.

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Aber auch Philosophisches hat diese Zeit hervorgebracht. Ein gewisser Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) schrieb die Zeilen: »Das Leben des Menschen, ein Traum der mit dem Schlaf aufhört.« In dieser Zeit des Umbruchs, wurde auch der folgende interessante Satz erdacht: »Was du noch hoffen kannst, wird stets geboren.« Er stammt aus dem Gedicht »An sich«. Paul Fleming hat es geschrieben und gibt einen doch sehr erhellenden Blick auf das Denken der Menschen in dieser Epoche frei. Wieder einmal hat Beate Himmelstoß das Traunsteiner Publikum begeistert. Das letzte Mal war sie mit dem lautmalerischen Programm »Schnubiglbayrisch« im Studio 16.

Am Tag darauf gab die Schauspielerin, die auch Philosophie studiert hat, dann auch noch einen von ihr zusammengestellten Vortrag über Schopenhauers »Aphorismen zur Lebensweisheit« zum Besten, über den der Kollege Wolfgang Schweiger in einer der nächsten Ausgaben sicher einiges Interessantes zu berichten haben wird. Barbara Heigl