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»Früher hatten wir jeden Tag geöffnet«

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»Solange es mir noch einigermaßen gut geht, werde ich weitermachen«, sagt der 66-jährige Kaserbar-Chef Pit Kurz voller Überzeugung.
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Dieses Bild ist 1968 entstanden. Damals hatte Rudi Bosl die Bar und die darüberliegende Wirtschaft, der Parkkaser, gehörte Erich und Inge Dengler. (Fotos: privat/Voss)

Schönau am Königssee – Es gibt vermutlich nur wenige Einheimische, die noch nie in der Kaserbar waren. Die Königsseer Diskothek ist als einzige noch übrig von den vielen Nachtlokalen, die einst das Nachtleben in Berchtesgaden bereicherten.


Nun wird die legendäre Kellerdiskothek 50 Jahre alt. Der Inhaber Pit Kurz erinnert sich im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« an frühere Zeiten. Er selbst führt die Disko seit 35 Jahren.

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Zunächst gibt Pit Kurz einen geschichtlichen Rückblick. Demnach führten Rudi und Irma Bosl 1968 bis 1978 die Bar. Ihren Namen hat sie übrigens von der damaligen Gestaltung: Innen war ein Almkaser aufgestellt. Verpachtet wurde die Kaserbar von den Wirtsleuten Inge und Erich Dengler, die oben drüber eine Wirtschaft namens Parkkaser führten. »1978 hat Heinz Hamberger die Bar übernommen«, erzählt Pit Kurz. Hamberger grub dann den kompletten hinteren Teil aus, um dort die Tanzfläche zu bauen. Zuvor war dort die Terrasse des Parkkasers. »Hamberger hat dann 1983 das Filou im Staufeneck in Piding aufgemacht. Ich habe die Kaserbar dann weitergeführt.«

Ursprünglich hat Kurz Büro- und Einzelhandelskaufmann gelernt. »Meine Eltern hatten eine Gastronomie, die Waldluft.« Das habe Hamberger gewusst und daher vermutet, dass Pit der ideale Mann für die Nachfolge seiner Diskothek wäre. Kurz war als Jugendlicher selbst Gast in der Kaserbar und wurde eines Tages von dem Besitzer angesprochen: »Heinz ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich das machen möchte. Ich sagte: Wieso nicht?« Damals war er 31 Jahre alt. Der heute 66-Jährige feiert nun sein 35-jähriges Jubiläum als Wirt.

»Fünf große Abendkneipen und alle waren voll«

War früher denn alles besser? Als Antwort auf diese Frage zählt der Pit die vielen Nachtlokale aus früheren Zeiten auf: »Wir hatten zum Weggehen das Sulzberger Stadl, das Beverly im Bahnhof, das Wittelsbach, den Seimler... Es waren fünf große Abendkneipen und alle waren eigentlich voll.« Die Kaserbar sei zu Beginn seiner Zeit als Wirt jeden Tag geöffnet gewesen. »Nach drei Jahren habe ich montags zugesperrt, dann ist der Dienstag dazugekommen«, blickt Kurz zurück. Mittwochs gab es eine Hitparade, donnerstags den »goldenen Schuss« – dabei konnten die Gäste beim Dartspielen Freigetränke gewinnen. »Und Freitag, Samstag war sowieso immer was los.« Heute ist nur noch freitags und samstags geöffnet sowie der erste Donnerstag im Monat. »Der Donnerstag war früher unser bester Tag«, erinnert sich der 66-Jährige. »Also vom Geschäft her war es früher auf jeden Fall besser.«

Was »viel kaputt gemacht« habe, sei das Nichtrauchergesetz, das 2008 in Kraft getreten ist. »Wir hatten vorher viele Österreicher als Stammgäste. Danach sind alle weggeblieben.« Zudem habe sich die »Furtgehkultur« verändert. In Berchtesgaden seien heutzutage vor allem in den Sommermonaten »wahnsinnig viele Festein«. Die Jugendlichen gingen eher dorthin oder würden sich zuhause verabreden. »Ich seh es ja bei meinem Sohn Valentino. Die jungen Leute laden sich immer gegenseitig nach Hause ein und machen dann lieber Spiele, als wegzugehen.«

Den allergrößten Unterschied zwischen damaligen Generationen und der heutigen Jugend merkt Pit jedes Wochenende aufs Neue: »Die jungen Leute damals haben kein Handy gehabt.« Damals, so der Wirt, ging man einfach in eine Kneipe und Schluss. »Niemand konnte einen anderen informieren, ob viel oder wenig los ist, die sind halt einfach gekommen und dann war um zehn die Kneipe voll.« Dann haben sich die Gäste miteinander unterhalten. Heutzutage würden sie nur hinten in der Sitzecke bei der Tanzfläche rumsitzen, jeder habe das Handy in der Hand und es gebe keine Gespräche mehr untereinander. Eine Sache blieb jedoch gleich: Beim Tanzen, erzählt Pit, nehmen sich die Generationen nicht viel. »Die Jungen heute tanzen genauso gern wie die damals. Da hat sich nichts geändert.«

Die Kaserbar ist die einzige Diskothek, die aus früheren Zeiten übrig geblieben ist. Daher ist es kein Wunder, dass »der Pit« bei jungen und alten Einheimischen bekannt ist. Er selbst kann auch so manchen Buben oder so manches Mädchen einem früheren Stammgast zuordnen, wie er verrät.

Raufereien hat es immer schon gegeben in der Kaserbar. Hier stellt der Wirt aber eine besorgniserregende Veränderung fest: »Wir haben nach wie vor Schlägereien. Aber früher wussten sie noch, wann sie aufhören sollen. Heute haben die Schläger keine Hemmschwelle mehr.« Noch nicht einmal gegenüber der Polizei, fügt Kurz hinzu. »Früher hat es noch Respekt gegeben, heute nicht mehr.« Auf die Frage, woran das liegt, überlegt er und antwortet dann: »An der Erziehung vielleicht, an der Gesellschaft und auch den Medien.« In letzter Zeit kam es aber, fügt er hinzu, nicht mehr so oft vor.

»Donnerstags kamen die Bundeswehr-Soldaten«

Die meisten Gäste der legendären Bar sind Einheimische und kommen am Samstag, erklärt der Inhaber. Höchstens fünf Prozent der Kundschaft seien Urlauber. Und dann gab es immer noch eine Gruppe: »Früher kamen die Bundeswehr-Soldaten immer am Donnerstag, jetzt nicht mehr.« Den Grund dafür sieht der 66-Jährige in der abgeschafften Wehrpflicht. »Die Wehrpflichtigen sind immer am Donnerstag furtgegangen und am Freitag heimgefahren. Wer heute bei der Bundeswehr ist, ist meist schon älter und hat teils schon Familie.«

Nach 35 Jahren denkt der Lebemann noch lange nicht ans Aufhören als Kaserbar-Wirt. »Solange es mir noch einigermaßen gut geht, werde ich weitermachen«, sagt er voller Überzeugung. Aber sollte es doch einmal nicht mehr gehen, so hat er schon einen konkreten Wunsch: »Ich hoffe, jemand findet sich, der die Bar weiterbetreibt. Vielleicht sogar mein Sohn, Valentino.« Auch an seine Gäste richtet er eine Bitte: »Mehr Party ohne Handy. Und dass die Gäste nach wie vor kommen.«

Abschließend gibt Pit Kurz noch ein Statement zu den Trends in der Kaserbar ab. Wer die Musik dort kennt, der weiß: »Elektronic-Music« ist jeden Samstag zu hören. Sein eigener Musikgeschmack geht in eine ganz andere Richtung, so Kurz: »Mir gefällt am besten Jazz und Soul. Von der Elektromusik halte ich sehr wenig, aber da musst du einfach durch. Beim Arbeiten hörst du das eh nicht.« Was die Getränke betrifft, so war früher Weißbier offenbar sehr beliebt. »Heute geht das gar nicht mehr.« So trinken die Tanzwütigen jetzt am liebsten Mixgetränke, wie Wodka Bull, Wodka Soda oder Whiskey Cola – »die Klassiker«. Rüscherl, also Cognac-Cola, ist wieder im Kommen, fügt der Kaserbar-Wirt noch hinzu.

Wer alte Zeiten wieder aufleben lassen oder einfach so Party machen will, der kann ab heute mit dem Kaserbar-Team drei Abende das Doppeljubiläum »50 Jahre Kaserbar« und »35 Jahre Pits Kaserbar« ausgiebig feiern. Am heutigen Donnerstag lebt die altbekannte »Whiskey-Cola-Time« wieder auf, morgen Freitag gibt es Bacardi-Feeling und am Samstag Hits aus den vergangenen 35 Jahren. Annabelle Voss