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Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Traunstein heuer »im Netz«

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Agelinde Scholl: »Tondo mit Eierschale« (digitale Fotografie, 30 x 30 cm)
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Christa Tauser: »Bruchstückhafte Erinnerungen« (Mischtechnik, Acryl und Tusche, 30 x 30 cm)

Die Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Traunstein, eröffnet am gestrigen Mittwochabend, ist in diesem Jahr ausschließlich im Netz zu sehen. Unter der Adresse www.kunstverein-traunstein-galerie.de kann die Online-Galerie besucht werden. Das Thema der Ausstellung lautet: »Bruchstück«, formale Vorgabe war die Einhaltung eines kreisrunden Bildformats. Unsere Zeitung stellt verschiedene Kunstwerke aus der digitalen Ausstellung vor.


Die Tittmoninger Fotokünstlerin Agelinde Scholl kombiniert in ihrer Arbeit das Kreisformat mit dem Motiv einer im Zentrum des Kreises platzierten, zerbrochenen Schale eines Hühnereis. Der Kreis als ebene geometrische Form hat keinen Anfang und kein Ende und jeder Punkt auf der Kreislinie ist vom Mittelpunkt gleich weit entfernt. Vielen gilt er als vollkommene, harmonische Form. Das Ei ist in seiner bildlichen Darstellung, zum Beispiel im klassischen Stillleben, von jeher mit symbolischer Bedeutung verknüpft und weckt Assoziationen zur Fruchtbarkeit und zum Beginn allen Lebens. In den Mythologien und Legenden vieler Kulturen findet sich das Bild eines zerbrochenen Eis verknüpft mit dem Schöpfungsgedanken wieder. Die Künstlerin Agelinde Scholl verweist indirekt darauf, dass in der Zerstörung auch die Hoffnung eines Neuanfangs, einer neuen Vollkommenheit liegt.

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Interessant ist, dass viele Künstler bei der Umsetzung der Vorgabe, die Kreisform als Format zu verwenden, die Weltkugel gewählt haben. Auch Christa Tausers Tondo legt durch die perspektivischen Verkürzungen diese Interpretation nahe. Ihr Globus zeigt aber keine Kontinente, sondern Ausschnitte gemalter Fotografien aus dem Familienalbum.

Die bildliche Vorstellung unserer Lebensgeschichte formt sich – zu einem nicht unerheblichem Teil – auch aus vorhandenen Fotodokumenten, die mit bestimmten Geschichten und Gefühlen verknüpft sind. Dass es sich dabei um oft inszenierte Ausschnitte gelebten Lebens handelt und auch die menschliche Erinnerung keine Garantie auf Vollständigkeit beanspruchen kann, widerspricht nicht dem subjektiven Bedürfnis, an das eigene Leben als Kontinuum und als Einheit zu erinnern.