weather-image

Frühjahrsstimmung im Pfarrsaal St. Andreas

Berchtesgaden – »Musi im Bluat« scheinen die sieben Musikanten der Ramsauer Klarinettenmusi zu haben. Das spürten die Zuhörer, als die Ramsauer mit der beschwingt vorgetragenen Andrea-Polka das Frühlingssingen der Pfarrei Berchtesgaden eröffneten. Hausherr Pfarrer Peter Demmelmair verband mit seinen Begrüßungsworten auch den Dank an Interpreten und Zuhörer, bevor Sprecher Adi Hölzl, neben dem »Hasei« Hans-Jörg Hasenknopf mitverantwortlich für das abwechslungsreich gestaltete Programm, die Vielzahl der Musikanten auf der Bühne kurz vorstellte. Hölzl führte mit seinen Textbeiträgen humorig wie heiter durch den Abend.

Zufrieden mit ihren Beiträgen: Tamara Kaltenbacher und der Kiahtreiber Dreigsang.

Schon mit den ersten Darbietungen der Berchtesgadener Soatnmusi und der Stoaberg Sängerinnen gaben gut eingestimmte Musikanten, Sänger und Sängerinnen einen gelungenen Auftakt in einen stimmungsvollen Abend. Der Jochenstoana 4/4 Zwoagsang aus Passau mit Gottfried, Elisabeth und Christa gewann bereits bei seinem ersten Auftritt die Sympathien des Publikums: Die Graner Kathl, ein emanzipiertes Weibsbild, kommt trotzdem in den Himmel, weil der »Deifi so a schlechts Drum net aufnimmt«.

Anzeige

Die Fleitlmusi, verstärkt durch Hans Neumayer, lockerte mit ihren mal lustig beschwingten, mal melodisch heiteren Stückln wiederholt den Programmablauf auf. Der Kiahtreiber Dreigsang – die Oiringer Sänger Wofe und Wasti, verstärkt durch den Ramsauer Lois – gab mit »'s fangt scho's abern o« einen runden, feinstimmigen Ausblick auf das Frühjahr; und als ihr besonders Markenzeichen setzten die drei abwechselnd einen schneidigen Juitzer drauf.

Adi Hölzl hatte mit seinen humorigen Gschichterln, als er zum Beispiel die diversen Arztbesuche der 80-jährigen Huaberin zum Besten gab, die Lacher auf seiner Seite. Die hohe sängerische Qualität der Stoaberg Sängerinnen Eva, Christa und Ursula war auch an diesem Abend stets präsent, ob beim »Kimmt des scheene Fruahjahr boid« oder beim »Lebfrischen Bua«, einem Jager, bei dem die schöne Sennerin keine Chance hat. Tamara Kaltenbacher begleitete die Gesangsgruppen mit feinem Zuspiel auf der Zither.

Vor der Pause überzeugte die Ramsauer Klarinettenmusi mit jugendlich schwungvollem Zusammenspiel wie »In der nassen Au« oder dem »Kerschta Landler« die aufmerksamen Zuhörer. Für die Pause hatten Mitglieder des Pfarrgemeinderats Speis und Trank vorbereitet. Doch die passende Einstimmung hierzu lieferte der Jochenstoana 4/4-Zwoagsang mit dem schlitzohrig vorgetragenen Couplet »Der Mensch lebt vom Essen« – und sie warben für sich selber mit der Refrainzeile »Der Sänger lebt vom Applaus«.

Nach der Pause folgte ein besinnlicher Teil; der Marienmonat Mai stand bei allen Beiträgen im Mittelpunkt, wobei die Stoaberg Sängerinnen mit dem dezent wie einfühlsam vorgetragenen Lied »Ave Maria« das Thema sinnfüllend untermalten; ebenso der Jochenstoana 4/4-Zwoagsang mit »Wir ziehen zur Mutter der Gnade«, ein ruhiges, eindringliches Lied. Soatn- wie Fleitlmusi ließen danach aus ihrem umfangreichen Repertoire einen feinstimmigen Jodler und den Rigei-Boarischen erklingen. Und zwischendurch das frische, unbekümmerte Aufspielen der Ramsauer Klarinettenmusi, obwohl viele Volksmusikanten im Publikum interessiert den Beiträgen zuhörten. Mit Gstanzln unter dem Thema »D' Liab is a Gottes Gab'« nahmen die Jochenstoana auch Anwesende zur Zielscheibe ihres Gesanges. Der Kiahtreiber Dreigsang rief mit seinem Lied »Wia wundala is ma« den alten Brauch des Gasselgehns geschickt in Erinnerung.

Bevor es in die Abschlussrunde ging, sprach Pfarrer Peter Demmelmair Dankesworte und wurde von Sprecher Adi Hölzl mit anerkennenden Worten verabschiedet: »Es war das letzte Mal!« Passend dazu brachten dies die Stoaberg Sängerinnen mit dem innig vorgetragenen Lied »Mia wünschen vie Glück« zum Ausdruck. Es folgte noch ein temporeicher Außischmeißer von der Klarinettenmusi, bevor die Stoaberg Sängerinnen zum gemeinsam gesungenen »Alperer« anstimmten. Der Oiringer Wofe setzte zum Abschiedsgruß an und wünschte »a guads Hoamkemma«.

Jetzt war dankbarer Beifall angezeigt, reichlich und anerkennend. Gut zwei Stunden mit vielseitigen musikalischen wie textlichen Beiträgen auf durchgängig gehaltvollem Niveau der Darbietungen waren wie im Fluge vergangen. Alle freuen sich auf ein nächstes Frühlingssingen, wieder für einen sozialen Zweck. J.Sch.