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Frustrierter Urlauber will DAV-Sektion Berchtesgaden erpressen

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Schönau am Königssee: Frustrierter Urlauber will DAV-Sektion Berchtesgaden erpressen
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Für die Idylle am Schneibsteinhaus hatte ein Urlauber offenbar kein Auge. Er wollte vielmehr die DAV-Sektion Berchtesgaden erpressen. (Foto: Archiv DAV Berchtesgaden)

Schönau am Königssee – Corona beschäftigt die Alpenvereinssektion Berchtesgaden aktuell auf vielen Ebenen. Aktueller Höhepunkt der Probleme, die das Virus mit sich bringt, war dieser Tage eine versuchte Erpressung.


Ein Urlauber bezichtigte die Sektion, bei der Unterbringung im Schneibsteinhaus die Corona-Regeln nicht eingehalten zu haben und forderte mit der Drohung, an die Öffentlichkeit zu gehen, das Übernachtungsgeld für drei Personen in Höhe von 108 Euro zurück. Erst als die Sektion dem Mann ihrerseits mit einer Anzeige wegen Erpressung und Erschleichen von Leistungen drohte, zog der sogenannte »Bergfreund« den Inhalt seines Schreibens ganz schnell zurück.

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Was war geschehen? Das Urlaubertrio hatte von Freitag auf Samstag eine Übernachtung auf dem Schneibsteinhaus gebucht. Beim Abendessen gesellte sich laut DAV-Sektionschef Beppo Maltan dann eine vierte Person hinzu, was das Personal der DAV-Hütte freilich nicht wusste. »Es ist auch nach den offiziellen Regeln Sache der Gäste, hier für die Einhaltung der Corona-Regeln zu sorgen«, sagt Maltan.

So kam es schließlich, dass der Vierergruppe ein gemeinsames Zimmer zugeteilt wurde. Grund genug für einen von ihnen, dem Alpenverein schon am Samstagmittag eine E-Mail zu schicken, die die Verantwortlichen sprachlos machte. Der sogenannte Bergfreund weist die DAV-Vertreter darauf hin, dass es derzeit nicht erlaubt sei, »vier Personen aus vier unterschiedlichen Hausständen in ein kleines Zimmer (ca. 3x3 Meter), wie wir es hatten, einzuquartieren«.

Der Urlauber bot der Sektion »einmalig und außergerichtlich« an, als »Entschädigung und Entschuldigung den illegalen Übernachtungspreis (drei Personen à 36 Euro) komplett zu erstatten«. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, schreibt der Mann: »Alternativ können wir dies auch gerichtlich mit einer Anzeige und weiteren Maßnahmen wie unter anderen diesen geltend machen: Meldung ans Gesundheitsamt, Meldung an das Ordnungsamt, Meldung an den DAV als Träger der Hütte, Meldung ans Finanzamt, Information an die Presse«. Doch damit nicht genug.

Der »Naturfreund« weist die Sektion auch noch nachdrücklich darauf hin, dass man »im Falle eines Corona-Ausbruchs in unserer Gruppe die Sektion voll für die illegale Unterbringung in Haftung und Verantwortung nehmen wird. Der Urlauber schien sogar so siegessicher zu sein, dass er von der Sektion die Mitteilung wünscht, ob man den Betrag »auf die VISA, per Paypal oder doch erst mit einem Gerichtsurteil« zurückerstatten möchte.

Die Sektion reagierte schnell und unmissverständlich. Zwar entschuldigte sich Pressesprecher Daniel Hrassky zunächst für eventuelle Unannehmlichkeiten auf dem Schneib­steinhaus und wies auf die für den DAV und die Hüttenwirte aktuell schwierige Situation hin. Doch dann wurde auch Hrassky deutlich: »Ich möchte Sie vorsichtshalber darauf hinweisen, dass wir Ihr Schreiben als Erpressungsversuch verstehen und entsprechend reagieren müssen. Auf einen solchen werden wir keinesfalls eingehen.«

Man habe den Fall bereits der Polizei Berchtesgaden und dem örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Hrassky forderte den Urlauber auf, sein Schreiben bis spätestens 17. Juni zurückzunehmen und dies schriftlich zu bestätigen. Andernfalls werde man am 18. Juni Anzeige wegen Erpressung und Erschleichen von Leistungen erstatten. Die kompromisslose Reaktion vonseiten des DAV verfehlte ihre Wirkung nicht. Noch am selben Tag kam die kleinlaute Antwort: »Selbstverständlich nehme ich das Schreiben, welches Sie als Erpressung sehen, hiermit zurück. Das war sicherlich nicht so gemeint.«

Für Beppo Maltan ist diese Geschichte umso bedauernswerter, weil die Sektion »aktuell alles tut, um die Hüttenwirte zu unterstützen und den Gästen einen schönen Aufenthalt auf den Hütten zu gestalten«. Unter anderem helfen derzeit Ehrenamtliche der Sektion täglich von 11 bis 14 Uhr, die Corona-Maßnahmen auf den Berghütten umzusetzen. Dass es funktioniert und die Gäste zufrieden sind, macht Beppo Maltan stolz. Daran ändere auch dieser schäbige Erpressungsversuch nichts.

Ulli Kastner