weather-image
18°
Erschöpfter 25-Jähriger per Hubschrauber am Hohen Göll geborgen

Fünf Afghanen stecken nachts am Königssee-Ostufer fest

Schönau am Königssee – Die Bergwacht Berchtesgaden war am langen Pfingst-Wochenende bei insgesamt vier Einsätzen gefordert.

Im Waldgelände am Königssee-Ostufer kam eine Gruppe junger Afghanen nicht mehr weiter. Die Bergwacht ließ die jungen Männer bei Dunkelheit per Seil zum Boot hinab. (Foto: BRK BGL)
Foto: Leitner, BRK BGL
Foto: Leitner, BRK BGL

Unter anderem musste man sich um einen völlig erschöpften 25-jährigen Bergsteiger am Hohen Göll und fünf junge Afghanen kümmern, die zunächst jede Hilfe ablehnten, dann aber bei Dunkelheit und Regen am Königssee-Ostufer den Überstieg am Nassen Palfen nicht mehr schafften.

Anzeige

»In beiden Fällen hatten die Betroffenen ihr Können und ihre Kondition überschätzt und erste Warnzeichen ausgeblendet, was im alpinen Gelände lebensgefährlich werden kann, da man in der sogenannten Ereignis-Spirale in immer schwierigere Situationen gerät, wenn man nicht rechtzeitig umkehrt oder Hilfe annimmt«, betont der stellvertretende Leiter der Bergwacht-Region Chiemgau, Thomas Lobensteiner.

Gegen 18.30 Uhr meldete sich am Montag eine Betreuerin über Notruf bei der Leitstelle und teilte mit, dass fünf junge afghanische Flüchtlinge nach einer Bergtour das letzte Kursboot über den Königssee verpasst hätten und für das alpine Gelände und das aufziehende Unwetter nicht ausreichend ausgerüstet seien. Die Gruppe war zwar über Handy erreichbar, verhielt sich aber gegenüber der Bergwacht sehr unkooperativ, legte immer wieder auf, wollte nicht mitteilen, wo sie sich befindet, und lehnte jedes Hilfsangebot ab.

Foto: Leitner, BRK BGL

Die Bergwacht Berchtesgaden, die Wasserwacht Berchtesgaden mit Boot und Wärmebild-Kamera sowie die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers »Christophorus 6« suchten nach der Gruppe, konnten sie aber nicht finden, da die Afghanen nicht mitteilen wollten, über welchen Steig sie gerade zum Seeufer hinabgingen. Deshalb wurde die Suche im Bereich Rinnkendlsteig, Neiger und Kaunersteig zunächst abgebrochen.

Gegen 21.30 Uhr rief die Gruppe dann selbst bei der Bergwacht an, da sie nach dem Abstieg über den Röthsteig zum Obersee am Königssee-Ostufer zur Seelände zurückwandern wollte und schließlich am Überstieg am Nassen Palfen nicht mehr weiterkam. Die BRK-Wasserwacht brachte die Bergwacht per Rettungsboot zur Einsatzstelle, wo diese die Gruppe fünf Meter oberhalb des Sees im Steilhang versorgte und per Seil zum Boot abließ. Zwei 19 und 25 Jahre alte Männer waren verletzt, ein weiterer psychisch aufgelöst und mit der Situation überfordert. Die Wasserwacht brachte alle per Boot zur Seelände zurück, wobei die beiden Verletzten per Rettungswagen in die Kreisklinik Bad Reichenhall eingeliefert wurden. 17 Einsatzkräfte waren bis 23.30 Uhr gefordert.

Foto: Leitner, BRK BGL

Am Montag gegen 15.30 Uhr ging ein Notruf vom Hohen Göll ein, wo ein 25-jähriger Bergsteiger aus Niedersachsen völlig erschöpft und vom alpinen Gelände überfordert in rund 2 200 Metern Höhe an der Abzweigung zur Schusterroute festsaß. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers »Christoph 14« ließ einen Berchtesgadener Bergretter im Schwebeflug über die Kufe an der Göllleiten aussteigen. Der kümmerte sich um den jungen Mann und seinen Begleiter. Da sich im Minutentakt durch Wind und tief umherziehende Wolken die Sichtflugbedingungen änderten, arbeitete sich zeitgleich eine Mannschaft der Bergwacht Berchtesgaden vom Kehlsteinhaus aus über den Mannlgrat zur Einsatzstelle vor.

Der Pilot von »Christoph 14« schaffte es dann in einem günstigen Moment, den nicht mehr bewegungsfähigen 25-Jährigen zusammen mit dem Bergretter per Tau durch eine Wolkenlücke zum Schneewinkl-Landeplatz auszufliegen, wo ihn gegen 18.30 Uhr eine Rettungswagen-Besatzung des Roten Kreuzes übernahm und in die Kreisklinik Berchtesgaden einlieferte. Der Begleiter des Mannes stieg mit der Bergwacht über den Mannlgrat ab und wurde per Fahrzeug ins Tal gebracht.

Am Samstag gegen 14.50 Uhr musste die Bergwacht Berchtesgaden zur Königsbachalm am Jenner ausrücken, wo sich ein 46-jähriger Mann aus Schleswig-Holstein bei einem Radsturz verletzt hatte. Die Bergretter versorgten ihn; dann wurde er per Geländefahrzeug zum Bergwachthaus und von dort aus per Rettungswagen zur Kreisklinik Bad Reichenhall gefahren.

Ein weiteres Mal musste die Bergwacht Berchtesgaden in der Nacht von Samstag auf Sonntag kurz nach 1 Uhr zu einer Vermisstensuche am Jenner ausrücken, wo ein junger Mann zwischen Gotzental- und Königsbachalm verschwunden war. Die Einsatzkräfte fuhren per Geländefahrzeug los, wobei der Vermisste dann direkt auf der Forststraße beim Beschneiungsteich vor ihnen wieder auftauchte. So war keine größere Suche mehr notwendig. ml