Fünf Kings und sieben Gitarren

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»Tscheky & The Blues Kings« und ihre »Special Guests« beim Konzert auf der Staudacher Musikbühne. (Foto: Strasser)

Nein, als »Boygroup« im herkömmlichen Sinn ist die Band keinesfalls zu bezeichnen, auch wenn alle ihre Mitglieder noch Teenager sind, ihrer Musik ist dies bestenfalls im Stimmvolumen bei einigen Gesangseinlagen anzuhören. Ganz im Gegenteil: Die Musik von »Tscheky & The Blues Kings« spielt in einer ganz anderen Liga, weit entfernt von den gegenwärtigen, gleichförmig weichgespülten »Problemliedchen« und dem monotonen Hip-Hop-Gestammel der aktuellen Musikszene.


Ganz im Stil ihrer amerikanischen Vorbilder Jimmy und Stevie Ray Vaughan, Chuck Berry, B. B. King und vielen anderen Größen dieses Genres wurden sie vom Blues- und Rock‘n’Roll-Virus befallen und lassen dies in allen ihren Songs spüren. Bei ihrem Live-Auftritt im ausverkauften Saal des Gasthauses Mühlwinkl in Staudach-Egerndach wurde die Band von mehreren »Special Guests« aus ihrem Bekanntenkreis begleitet. Gitarrist und Sänger Robert Poeverlein von der ehemaligen Bluesband »Austin Texas« begeisterte genauso wie die beiden »Maxe« von den Rosenheimer »Voodoohounds«, Max Kögel mit der Bluesharp und Max Schöll (Gitarre und Gesang), der mit markiger Stimme Jimy Hendrix´ »Hey Joe« interpretierte.

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Wolfgang Plenk und Schorsch Meier, die als Gitarrenlehrer von Christoph und Tscheky maßgeblich deren Stil prägten, unterstützten die Blues Kings nacheinander jeweils bei zwei Stücken. Bei der letzten Zugabe drängten sich alle zehn Musiker mit ihren Instrumenten auf der Bühne (mehr hätten wohl kaum noch Platz gefunden), um mit »Sweet Home Chicago«, einem der populärsten Blues-Standards, gemeinsam den Abend zu beenden. Das Publikum war von diesem Überraschungskonzert und besonders von dem außergewöhnlichen Talent der fünf jungen »Blues-Kings« hellauf begeistert und sparte daher auch nicht mit dem wohl verdienten Applaus.

Ihren ersten großen Erfolg konnten Tscheky & The Blues Kings 2014 beim internationalen Bandcontest »Rockabilly-Rumble« in Pullman City verbuchen, als sie überraschend den zweiten Platz belegten und den Newcomer-Award gewannen. Im Herbst 2015 wurden sie beim »Chiemgau-Rockt«-Festival als Sieger prämiert und gewannen als ersten Preis eine Aufnahme-Session im Musikstudio. Dabei ist ihr Debütalbum »Hit The Ground Running« entstanden, das sie hier auf der Staudacher Musikbühne zum ersten Mal dem breiten Publikum präsentieren durften.

Das Album, eine gelungene und vielseitige Mischung aus Texas Blues, Rock‘n’Roll und Boogie Woogie, zur Hälfte mit Eigenkompositionen aus der Feder von Michael »Tscheky« Sedlatschek (Gitarre und Gesang) aufgenommen, der andere Teil von authentisch reproduzierten Hits ihrer Vorbilder, war nach ihrem erfolgreichen Auftritt außerordentlich stark gefragt. Alles ehrliche, »handgemachte« Musik, wie ein Titel von Tschekys eigenen Werken »You did all wrong«, einem Song mit Potenzial zum Hit. Bei Albert Ammons´ »Boogie-Woogie-Stomp« offenbart sich das Talent von Andi Schatz am Boogie-Piano. Der Klassiker von Blues-Legende Elmore James »The Sky is crying«, überzeugend gespielt von Tscheky und Christoph Voggesser an der Gitarre, dem Bassisten Simon Blum und Elija von Le Suire am Schlagzeug, markiert die Dynamik und Frische des ganzen Albums, einer CD, die richtig Freude macht und nach mehr verlangt. Reiner Strasser

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