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Fünf vor zwölf im Kindergarten

Berchtesgaden - Jetzt ist es soweit: Der Markt Berchtesgaden wird aufgrund einer vorangegangenen Bedarfsermittlung ein Konzept zum Neubau einer Kinderkrippe für zwei Gruppen sowie zur Erweiterung des bestehenden Kindergartens um eine neue Gruppe ausarbeiten. Einstimmig beschloss dies der Gemeinderat am Montag.

Auf dem Gelände des Kindergartens muss der Markt Berchtesgaden erweitern. Das hat die Bedarfsermittlung ergeben. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Ab dem 1. August besteht der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum vollendeten dritten Lebensjahr. Aus diesem Grund muss die Gemeinde nun handeln. »Mir braucht keiner erzählen, dass das nicht schon in der Vergangenheit abzusehen war, dass es bei uns Bedarf gibt«, kritisierte Gemeinderat Dr. Bartl Wimmer (Grüne) die Verwaltung. Denn laut einer kürzlich durchgeführten Ermittlung hat die Gemeinde bei Kindergartenkindern einen ungedeckten Bedarf. 17 Plätze für Kindergartenkinder bräuchte man zusätzlich, des Weiteren 23 Plätze in Kinderkrippen. Derzeit sind 17 Kinder aus der Gemeinde in Nachbargemeinden untergebracht, um die Krippe oder den Kindergarten zu besuchen. Auch wenn die Geburten deutlich zurückgehen, befindet sich der Markt im Zugzwang. Er muss garantieren, dass Kindern ein Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Das ist gesetzlich geregelt. In den Gemeinden und Landratsämtern macht sich derzeit Panik breit. Panik davor, dass man bis zum 1. August nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stellen kann und Eltern mit Klagen drohen.

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Bürgermeister Franz Rasp sagt, dass man nicht auf Vorrat baue, sondern die insgesamt 40 Plätze genau jenem ermittelten Bedarf entsprächen. Erweitert werden soll auf dem bestehenden Gelände. Dass die Baumaßnahmen erst frühestens 2014 fertig sein dürften, ist den meisten Gemeinderäten klar. Deshalb fragt sich so mancher, wie man in der Zwischenzeit verfährt, also von August an. Ab dann besteht der Rechtsanspruch. Im Fall der Fälle erwägt die Marktgemeinde, Kinder, die keinen Platz bekommen, auf Gemeindekosten in die nächstgelegene Einrichtung bringen zu lassen.

Das bauliche Konzept, das erarbeitet wird, wird in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen vorgestellt. Hinsichtlich der Kosten ist offiziell zwar noch nichts an die Öffentlichkeit gedrungen, doch kann man sich auf Gemeindeseite zumindest ein bisschen freuen. Denn die Fördersätze liegen bei 75 Prozent.

Michael Koller (Freie Wähler) sagte, man sei nicht zu bald dran zu handeln. »Wir müssen jetzt unbedingt reagieren.« Leider habe es sich nicht bewahrheitet, dass mit der vor ein paar Jahren durchgeführten Erweiterung des Kindergartens erst einmal Ruhe einkehrt. Kilian Pfeiffer