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Für die Opernbesucher von morgen

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Liviu Holender liest als Papageno seiner Schwester Pamina (Marie Perbost) in der Oper für Kinder aus dem Buch der Zauberflöte vor. (Foto: Salzburger Festspiele/Erika Mayer)

Kinder für Mozarts Musik zu begeistern – das ist den »Salzburger Orchester Solisten« sowie den Sängerinnen und Sängern unter der Leitung der mehrfach ausgezeichneten litauischen Dirigentin Giedre Slekyte in der Aula der Universität Salzburg mit der Oper »Die Zauberflöte« wunderbar gelungen.


Manche der jungen Zuschauer fühlten sich als Teil der Handlung und beteiligten sich durch kurze Einwürfe an den Geschehnissen, was im Saal für Heiterkeit sorgte. Sehr ansprechend und auf die kindliche Fantasie eingehend war die Bühne gestaltet (Julia K. Berndt).

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Die Sängerinnen und Sänger waren Teilnehmer des »Young Singers Project« und haben alle beeindruckende Lebensläufe mit viel Bühnenerfahrung und Auszeichnungen. Marie Perbost sang eine hervorragende Pamina, Hyunjai Lee aus Korea gab einen absolut überzeugenden Tamino mit wunderschöner Tenorstimme und der Bariton Liviu Holender überschlug sich schauspielerisch und gesanglich geradezu als Papageno.

Auch seine Papagena war bei ausgezeichneter Stimme. Emma Posman glänzte als Königin der Nacht mit ihren Arien, besonders natürlich mit den berühmten Koloraturen, wenn sie auch ganz wenige Töne nicht ganz sauber traf. Ioan Stancu als Sarastro allerdings verfügt zwar über eine tiefe Bassstimme, an diesem Nachmittag aber über zu wenig Disziplin in der Stimmführung, sodass sein Vibrato in der Tiefe zittrig klang. Den Monostatos sang der türkische Tenor Gürkan Gider.

Regisseur Tomo Sugao hatte sich gemeinsam mit Aki Schmitt eine Spielfassung ausgedacht, die inhaltlich außer den Namen der handelnden Personen wenig mit der Handlung der »Zauberflöte« zu tun hatte. Alles wurde einzig auf die Erlebniswelt von Kindern zugeschnitten: der Kindergeburtstag von Pamina, die in dieser Kinder-Zauberflöte ein kleines Mädchen ist und gerade mal acht Jahre alt wird, die sicherlich gelungenen Clownerien von Papageno, der hier nicht der Vogelhändler, sondern Paminas Bruder ist und ihr aus dem Buch der Zauberflöte vorliest, die Königin der Nacht, die Mutter der beiden Kinder, die ihre Arie auf eine Moralpredigt über die Unordnung im Kinderzimmer singt und Papageno droht, dass er morgen keinen Kuchen bekommt, wenn er nicht Papagena beim Putzen hilft.

Sarastro ist der Vater und hat einen roten Wuschelkopf, was zu seiner eigentlichen Rolle überhaupt nicht passt. »In diesen heil'gen Hallen« erfährt in dieser Produktion durch ihre Einbettung in ein klamaukhaftes Geschehen geradezu eine kabarettistische Entweihung. Monostatos sieht in seiner historischen Soldatenuniform wie ein Nussknacker aus.

Nur Tamino darf seiner Rolle treu bleiben, wenngleich auch sie manchmal ins Komische abrutscht, wenn er zum Beispiel auf dem Stück Holz erst einmal die Luftgitarre bemüht, dann die Blockflöte, bevor er kapiert, dass sein Zauberinstrument eine Querflöte ist.

Alle diese Figuren erscheinen Pamina im Traum und nehmen sie mit hinein in die Geschichte. Am nächsten Morgen findet durch die Geburtstagsfeier von Pamina die Rückkehr in die reale Welt statt.

Eigentlich eine ansprechende, kindgerechte Geschichte, aber eben nicht die Zauberflöte, obwohl eine solche erklingt, ebenso wie das Glockenspiel des (echten) Papageno. Da drängt sich die Frage auf: Hätten Kinder die echte Zauberflötenhandlung – vielleicht etwas vereinfacht – wirklich nicht verstanden? Enthält das Original nicht enorm Spannendes, was auch Kinderherzen fesseln kann?

Gute Literatur für Kinder zeichnet sich dadurch aus, dass sie Botschaften für Kinder und für Erwachsene enthält. Was auch immer Tomo Sugao und Aki Schmitt ausdrücken wollten – die Erwachsenen freuten sich mit ihrem Nachwuchs auch an diesem Mozart-Remake. Eine weitere Aufführung der »Zauberflöte« gibt es am Sonntag um 16 Uhr in der Großen Universitätsaula. Brigitte Janoschka