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Interview mit dem stellvertretenden Betriebsleiter der Staatsforsten Ruhpolding zum Murenabgang in Oberwössen

»Für die Unterlieger besteht kein Anlass zur Sorge«

Unterwössen – Nach dem August 2016 haben starke Regenfälle unmittelbar vor Weihnachten 2017 zum zweiten Mal eine Schlammmure im Hang oberhalb des Forstwegs von Oberwössen zur Feldlahnalm ausgelöst.

Eine Mure hat den Oberwössner Forstweg einige hundert Meter vor der Feldlahnalm unpassierbar gemacht. Doch für die Unterlieger besteht nach Angaben des stellvertretenden Betriebsleiters der zuständigen Staatsforsten Ruhpolding, Sebastian Kurzmeier, kein Anlass zur Sorge. (Foto: Archiv Flug)

Sie ist über den Forstweg geschwemmt und hat sich im darunter gelegenen Wald in zwei Strängen hin in Richtung Hammerergraben gewälzt.

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Das weckte die Sorge der Oberwössner Anwohner am und unterhalb des Hammerergrabens. Sie fürchten, dass nachdrängendes Erdreich und Schlamm den engen Hammerergraben verschütten, sodass sich das dortige Bachwasser dahinter aufstaut und schließlich in einer Flutwelle den Weg bahnt, die die Unterlieger überschwemmt. Inzwischen nach einigen Tagen ohne Niederschlägen hat sich die Situation wieder beruhigt.

Der stellvertretende Betriebsleiter der zuständigen Staatsforsten Ruhpolding, Sebastian Kurzmeier, hat Fragen des Traunsteiner Tagblatts zur aktuellen Lage beantwortet.

Welche Schritte sind auf diesen Schaden hin unternommen worden, was ist weiter geplant?

Sebastian Kurzmeier: Nach der ersten Rutschung 2016 wurden in enger Absprache mit der Landesanstalt für Umwelt, Referat für Georisiken und dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein, als Sofortmaßnahme die Forststraße gesperrt und geräumt. Wir haben einen Durchlass verlegt, um die Forststraße zu entwässern. Entlang der Rutschmassen haben wir den Baumbestand auf eine Breite von fünf bis zehn Metern neben dem Rutschbereich entnommen. Diese Maßnahme verhindert, dass Baumstämme den Abfluss verklausen können. Der Forstbetrieb kontrolliert den Rutschbereich regelmäßig, ganz besonders nach Starkniederschlägen und Schneeschmelze.

Infolge der jüngsten Ereignisse wurden in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt regelmäßige Kontrollen durchgeführt und die Forststraße je nach Aktivität der Rutschung vorsorglich gesperrt. Die Straße wurde seit Weihnachten bereits zweimal freigeräumt und das Rutschmaterial auf Holzlagerstreifen entlang der Straße zwischengelagert.

Vollständige Stabilisierung wäre zu aufwändig

Gibt es einen Zeitrahmen für die beabsichtigten Maßnahmen, wie sieht der aus? Rechnen die Staatsforsten mit weiteren Murenabgängen?

Kurzmeier: Weitere kleinere Rutschereignisse nach Starkniederschlägen und Schneeschmelze sind wahrscheinlich. Mit einer sporadisch notwendigen Sperrung und Räumung der Forststraße müssen die Bürger auch in Zukunft gerechnet werden.

Eine vollständige Stabilisierung der Rutschmasse mit technischen Mitteln brächte einen Aufwand, der bei der von den Experten festgestellten Risikolage nicht zu vertreten wäre. Auch eine vorsorgliche Vollsperrung der Forststraße ist nach Expertenmeinung nicht erforderlich.

Nach Schneeabgang wird der Forstbetrieb Ruhpolding die Möglichkeit prüfen, ob man einen Teil des vom Oberhang anfallenden Wassers in einer Rinne oberhalb des Rutschkörpers ableiten und schadlos in Gräben weiter westlich einleiten kann. Eine wirkungsvolle Wasserableitung wäre die wichtigste Maßnahme zur Ursachenbekämpfung, da das Wasser im Hang die treibende Kraft ist.

Gibt es aus der Sicht der Staatsforsten oder der zugezogenen Fachleute Anlass zur Sorge und welche?

Kurzmeier: Nach Einschätzung der Experten besteht für die Unterlieger kein Anlass zur Sorge. Soweit das Material (wie 2016) eher zähfließend ist, wird es sich maximal im namenlosen Graben zwischen Forststraße und Hammerergraben ablagern. Da dieser Graben nach unten zu breiter und flacher wird, ist ein Vordringen von Rutschmaterial bis zum Vorfluter sehr unwahrscheinlich.

Nur im Falle von sehr dünnflüssigen Bewegungen – wie in der momentanen Situation – ist dies möglich. Eine dünnflüssige Masse könnte dann allerdings keinen Aufstau des Baches bewirken. Eine Gefährdung für stromab gelegene Bereiche entlang des Hammerergrabens ist somit weitestgehend auszuschließen.

Was kann der Anwohner selbst unternehmen, um sich zu schützen?

Kurzmeier: Für den sind keine Maßnahmen notwendig.

Forststraße bleibt vorerst geschlossen

Wann kann der beliebte Wander- und Winterwanderweg wieder freigegeben werden?

Kurzmeier: Momentan ist die Forststraße noch gesperrt. Ein entsprechender Aushang mit einer vorgeschlagenen Ausweichroute über die Burgau ist an der Infotafel am Wanderparkplatz in Oberwössen-Brem angeschlagen. Die Forststraße wird wieder freigegeben, sobald sich die Rutschung vollständig beruhigt hat.

Wer trägt die Kosten für etwaige Maßnahmen, gibt es schon Kostenschätzungen und stehen Mittel dafür bereit?

Kurzmeier: Die Kosten tragen die Bayerischen Staatsforsten. Die Mittel stehen im erforderlichen Umfang bereit.

Welche Stellen waren mit der Problematik befasst?

Kurzmeier: Wir haben da mit dem Landesamt für Umwelt, Referat 102 (Georisiken), dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein und der Gemeinde Unterwössen zusammengearbeitet.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Ludwig Flug.