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Der deutsche Biathlet Johannes Kühn nimmt seine zweiten Olympischen Winterspiele ins Visier. Der 30-Jährige hofft, in Peking an seine bisher gute Saison anknüpfen zu können. Doch eine Corona-Infektion machte ihm zuletzt einen Strich durch die Rechnung. »Ich weiß nicht genau, wie meine Form nach der Corona-Erkrankung ist«, sagte er. Foto: ZB

»Für eine Medaille muss sehr viel sehr gut klappen«

Die deutschen Biathleten bereiten sich derzeit im italienischen Antholz in einem Höhentrainingslager auf die Olympischen Winterspiele (4. bis. 20. Februar) in Peking vor. Von Südtirol aus geht es dann direkt nach Frankfurt und dort startet am kommenden Montag der Charterflieger des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) nach China. 


Mit an Bord ist dann auch Johannes Kühn, der für den WSV Reit im Winkl startet. Der Tüßlinger, der mittlerweile in Ruhpolding wohnt und am dortigen Stützpunkt trainiert, verpasste zuletzt ja den Heimweltcup in Ruhpolding, weil er positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Doch bereits beim Weltcup in Antholz gab der 30-Jährige sein Comeback, um schnell wieder Wettkampfluft schnuppern zu können. Beim Massenstart in Italien wurde er nach seiner Corona-Zwangspause Neunzehnter.

»Mir ging es nie wirklich schlecht, aber ich habe doch zwei Tage ein bisschen Husten gehabt«, berichtete Kühn, der im Dezember in Hochfilzen den Sprint gewonnen und damit seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert hatte, über seine Corona-Erfahrungen. Wir hatten nun die Gelegenheit, Johannes Kühn vor seinen zweiten Olympischen Winterspielen – 2018 in Pyeongchang (Südkorea) startete er im Einzel und belegte damals den 58. Platz – ein paar Fragen zu stellen.

 

Hallo Herr Kühn, wie geht es Ihnen nach Ihrer Corona-Erkrankung gesundheitlich?

Vielen Dank. Mittlerweile geht es mir wieder gut. Ich hatte aber glücklicherweise auch keine größeren Symptome.

Die Corona-Infektion kam jetzt zum ungünstigen Zeitpunkt. Wird sie Sie in Ihrer Olympia-Vorbereitung zurückwerfen?

Das stimmt. Einige Tage nicht trainieren zu können, ist natürlich nicht gut, aber es ist ja noch etwas hin bis zu den Rennen in China. Wie lange das Auswirkungen hat, kann man aber noch nicht sagen.

 

Ist Olympia im schlimmsten Fall vielleicht sogar in Gefahr für Sie – Stichwort Long-Covid?

Da es ja eben Long-Covid heißt, glaube ich, kann man da jetzt noch nicht sagen, wie es auf längere Sicht ist. Im Moment fühle ich mich gesundheitlich gut, formtechnisch besteht aber noch etwas Aufholbedarf. Ich hoffe, das bis Olympia soweit hinzubekommen.

 

Wie sieht Ihr Fahrplan bis zum Abflug nach Peking jetzt aus?

Ich kann am Trainingslager in Antholz ganz normal teilnehmen. Danach fahren wir direkt von hier aus nach Frankfurt und von dort geht es dann weiter nach Peking.

 

Wie sehr hat es Sie geschmerzt, dass Sie den Heimweltcup in Ruhpolding verpasst haben?

Es ist immer schade, wenn man einen Weltcup verpasst und beim Heimweltcup ist es dann natürlich besonders bitter. Da aber keine Zuschauer da waren, ist es nicht so viel anders als an einem anderen Ort, insofern habe ich zumindest die Stimmung nicht verpasst.

 

Schaut man sich die Rennen im Fernsehen an und fiebert mit den Kollegen mit?

Ja, natürlich habe ich mir alle Rennen angeschaut. Auch wenn es schon ein komisches Gefühl ist, die Kollegen, die ja nur ein paar Kilometer weiter im Einsatz waren, am TV beobachten zu müssen. Es war immerhin ein guter Zeitvertreib, da ich ja sonst nicht viel machen konnte.

 

Ihre Saison bisher lief stark. Sind Sie zufrieden?

Ich hatte gut trainiert und mir viel vorgenommen. Insofern war ich mit meinem schlechten Quali-Rennen vor dem ersten Weltcup natürlich nicht zufrieden. Alle anderen Rennen – zunächst im IBU-Cup und dann auch im Weltcup – liefen ziemlich gut. Natürlich gibt es immer Kleinigkeiten, die noch besser sein könnten, aber ich bin in der Summe sehr zufrieden – speziell auch nach der letzten Saison.

 

Wie oft denken Sie aktuell an Ihren ersten Weltcup-Sieg, der Ihnen ja im Dezember in Hochfilzen gelang? So einen Moment vergisst man nie, oder?

Im Moment denke ich gar nicht daran, weil in den letzten Tagen zu viele andere Sachen los waren. Aber das ist sicher ein Tag, an den man sich sehr gerne zurückerinnert.

 

Gibt Ihnen das auch einen zusätzlichen Motivationsschub für die Olympischen Winterspiele?

Nein, das glaube ich nicht. Meine Motivation ist immer hoch. Aber es zeigt einem natürlich, was möglich ist, wenn an einem Tag mal alles zusammenpasst.

 

Wie schätzen Sie Ihre Chancen in Peking ein?

Das ist im Moment wirklich sehr schwer einzuschätzen. Ich weiß nicht genau, wie meine Form nach der Corona-Erkrankung ist.

 

Sie waren in dieser Saison lange der beste deutsche Athlet. Jetzt hat sie Benedikt Doll überholt. Er ist im Gesamtweltcup aktuell Elfter, Sie sind jetzt Fünfzehnter. Sie sollten deshalb ja bei den Olympia-Rennen gesetzt sein, oder?

Wir werden sehen, wie ich bis Peking in Form komme. Ich hoffe natürlich auf möglichst viele Einsätze.

 

Und was rechnen Sie sich für das deutsche Team aus?

Wir wissen, dass wir es können! Für eine Medaille muss aber an einem Tag sehr viel, sehr gut klappen.

Und wie stehen die Chancen für die Staffeln?

Wir haben in den ersten Staffeln das Podest – bei guter Besetzung aller Staffeln – knapp verpasst, haben aber um den 3. Platz mitgekämpft. Wenn alles gut läuft, ist eine Medaille möglich.

 

Die deutschen Biathlon-Männer sind aktuell besser in Form als die Frauen. Sprecht Ihr ihnen Mut zu?

Ach, ich glaube, die wissen auch, was sie können und können die Situation ganz gut einschätzen. Ich hoffe, dass Franzi (Preuß, Anm. d. Red.) wieder fit wird und Denise (Herrmann, Anm. d. Red.) ihren Schwung aus Ruhpolding mitnehmen kann, dann kann das für die Damen-Mannschaft auch sehr gut werden!

 

Nach Peking steht noch das dritte Trimester im Weltcup an mit Wettkämpfen in Kontiolahti (Finnland), Otepää (Estland) und Oslo/Holmenkollen (Norwegen). Was nehmen Sie sich für die restliche Saison noch vor?

Zunächst hoffe ich, dass meine Form bis Peking wieder wird und dann würde ich gerne diese Form aus Oberhof und dem ersten Trimester in das letzte Trimester mitnehmen. Ich will versuchen, noch einige gute Rennen abzuliefern.

SB

 

Die Biathlon-Rennen der Männer in Peking

• Samstag, 5. Februar, 10 Uhr: Mixed-Staffel

• Dienstag, 8. Februar, 9.30 Uhr: Einzel

• Samstag, 12. Februar, 10 Uhr: Sprint

• Sonntag, 13. Februar, 11.45 Uhr: Verfolgung

• Dienstag, 15. Februar, 10 Uhr: Staffel

• Freitag, 18. Februar, 10 Uhr: Massenstart