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Für einen Mindestlohn von 8,50 Euro

Traunstein. Rote Fahnen und Plakate, markige Sprüche aus dem Mikrofon: Der DGB-Kreisverband Traunstein hatte im Sailer-Keller seine Maikundgebung.

Johannes Specht war der Hauptredner bei der DGB-Maikundgebung im Sailer-Keller. (Foto: Wolf)

DGB-Kreisvorsitzender Peter Gandler leitete den Abend kämpferisch ein. Mit den Worten: »Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus« erinnerte er an den 2. Mai 1933, als das NS-Regime die Gewerkschaften zerschlug. Im Sailer-Keller wird zu diesem Jahrtag am heutigen Donnerstag Friedbert Mühldorfer, Autor des Buchs »Traunstein: Widerstand und Verfolgung 1933 bis 1945« über die lokalen Geschehnisse der damaligen Zeit sprechen.

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Der Hauptredner war Johannes Specht, Gewerkschaftssprecher des NGG Rosenheim. Er hatte eine lange Liste arbeitspolitischer Mängel aus Sicht der Gewerkschaften abzuarbeiten: Befristete Verträge, Leiharbeit, Minijobs, Niedriglöhne, Aufstockungen, Werksverträge. Solche Modelle förderten nicht den Einstieg in die Festanstellung in Vollzeit, so Specht. Sie würden allein den Unternehmen helfen, die auf Kosten der Steuerzahler Löhne drücken könnten. Specht forderte abgesicherte, sozialversicherte Arbeit: »Das geht – es muss nur gewollt sein«. Als Beispiel für Ausbeutung nannte der Gewerkschaftssprecher einen regionalen Fall: ein Waldkraiburger Unternehmen habe mit Hilfe rumänischer Werkverträge Bruttolöhne von einem Euro die Stunde gezahlt. Specht forderte für Deutschland einen allgemein verbindlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Er warb für einen Politikwechsel bei den Wahlen, auch wenn die Agenda 2010 unter Rot-Grün und die Erhöhung des Rentenalters ein Irrweg gewesen seien.

Beschwerden über den Fachkräftemangel wollte Specht nicht gelten lassen: Es liege an den Unternehmen selbst, Ausbildungsplätze zu schaffen. Specht dankte den Gewerkschaftsmitgliedern unter den Gästen, die in Unternehmen Stimmung machen. Insgesamt nehme die Kampfkraft der Gewerkschaften zu; höhere Tarife könnten so durchgesetzt werden. »Alleine erreichen wir nichts, gemeinsam sind wir eine Macht«, schloss Specht die Maikundgebung. naw