Bildtext einblenden
Ziel und Inhalt der Förderung in der Förderstätte Altenmarkt richten sich nach persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten. (Foto: Mix)

Für größtmögliche Selbstverwirklichung der Betreuten: Förderung und Wohnen für Menschen mit schweren Behinderungen seit 25 Jahren

Altenmarkt – Vor 25 Jahren wurden das Wohnheim und die Förderstätte Altenmarkt für Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen eröffnet. Das war damals ein Meilenstein in der Geschichte der Lebenshilfe Traunstein. Es war ein langer Kampf notwendig, ehe die Einrichtung genehmigt wurde. Beinahe zehn Jahre lang dauerte die Planungs- und Bauphase. 


Der damalige Vorsitzende der Lebenshilfe Kreisvereinigung Traunstein, Peter Bantlin, und Geschäftsführer Josef Binder mussten viele Fahrten nach München zum Bezirk und zur Regierung von Oberbayern auf sich nehmen und hart verhandeln. »Allein vier Jahre haben wir um die Größe des Schwimmbads und die notwendige Breite der Gänge diskutiert«, erinnert sich Bantlin.

Für ihn als Vater einer Tochter mit schwerer Behinderung war es wichtig, dass für diese Menschen »die bestmöglichen Bedingungen« geschaffen werden, denn »sie können sich ja nicht selber helfen«. Wichtig sei gewesen, einen Ort zu schaffen, wo die Eltern ein gutes Gefühl haben und ihre Kinder gut aufgehoben wissen. Zudem lag dem heutigen Ehrenvorsitzenden immer sehr am Herzen, dass auch die Mitarbeiter ein Umfeld vorfinden, in dem sie sich wohlfühlen und gerne tätig sind.

Nach der Außengruppe in Pertenstein, einer Wohngruppe für schwerst behinderte Volljährige in Traunreut und der Fördergruppe in Grabenstätt entstand 1997 in Altenmarkt endlich ein Platz mit 30 Wohnheimplätzen und 36 Förderstättenplätzen für all diese Gruppen zusammen. Die Nachfrage war groß und bereits 2004 wurde die Förderstätte auf 54 Plätze erweitert. Eine erneute Erweiterung folgte 2013, als weitere zwölf Förderstätten-Plätze hinzukamen und ein neues Wohnheim mit 14 Plätzen gebaut wurde.

Die architektonische Gestaltung der Förderstätte mit mehreren aneinander gereihten Waben kommt auch bei Besuchern immer wieder sehr gut an. In der Mitte jeder Wabe kommen durch ein Glasdach viel Licht und Sonne, die Kraft spenden. Die großzügigen Gänge haben Begegnungsfunktion und es gibt Gemeinschaftsräume, wo mehrere Gruppen zusammenkommen können. Wichtig war Bantlin und Binder, dass nur kleine Gruppen mit jeweils sechs Betreuten geschaffen werden. Damals war es ein absolutes Novum, in so kleinen Gruppen zu arbeiten. Es habe sich aber bestens bewährt, da man nur so auf die individuellen Schwächen, aber auch Fähigkeiten eingehen kann. Menschen mit schweren Behinderungen fühlten sich hier sichtlich wohl, stellt Bantlin fest. Noch heute ist er sich sicher: »Es gab damals nichts Vergleichbares in ganz Deutschland.« Die Förderstätte bietet Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen, die nicht in einer Werkstatt arbeiten können, Hilfe zur individuellen Lebensbewältigung. Ziel und Inhalt der Förderung richten sich nach persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Wichtig ist die ganzheitliche Förderung und Entwicklung des Einzelnen, um jedem die Chance zu größtmöglicher Selbstverwirklichung zu geben.

So wird Anleitung zur lebenspraktischen Selbstständigkeit gegeben. Aber auch Arbeiten mit Holz, Ton oder Textilien werden in der Einzelförderung geübt und ausgeführt. In die pädagogische Arbeit werden anerkannte Therapieformen mit einbezogen wie Krankengymnastik, Heilpädagogisches Reiten, Logopädie und Ergotherapie.

Alle in den letzten mehr als 50 Jahren im Landkreis nach und nach entstandenen Einrichtungen der Lebenshilfe von Wohnheimen über ambulante Bereiche und Werkstätten bis zur Förderstätte bieten umfassende Hilfestellung für Menschen mit geistiger Behinderung. Und die nach wie vor bestehende Nachfrage beweist, dass sie richtig und wichtig sind.

mix