Für jeden Förster eine Lebensaufgabe

Bildtext einblenden
Bei den Rundgängen durch das Revier immer dabei ist Leonhard Hartingers Hund Jonna. (Foto: A. Hauser)

Siegsdorf – Den Wald fit für den Klimawandel machen: Das ist das Ziel vieler Förster in Bayern. Dieser Aufgabe stellt sich im Revier Siegsdorf der Bayerischen Staatsforsten Förster Leonhard Hartinger. Im Mai 2019 kam der gebürtige Niederbayer in die Region und hatte gleich mit einer Mammutaufgabe zu kämpfen: Viele Bäume waren im Winter zuvor unter den schweren Schneemassen eingeknickt oder wurden entwurzelt. Wie er diese Aufgabe bewältigt und was er in seiner ersten Zeit als neuer Förster erlebt hat, erzählt er zusammen mit Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. 


Sehr viel nasser Schnee auf einmal war im Winter 2019 gefallen. Das hatte damals zu großen Schäden in den Wäldern geführt. Ab dem Frühjahr mussten der Förster und sein Team die Schäden erst mühsam abarbeiten. Für das Revier Siegsdorf, das von Hammer bis nach Aiging reicht, stellte sich Leonhard Hartinger dieser Aufgabe. Der Niederbayer hatte 2017 sein Forstingenieur-Studium abgeschlossen, nahm anschließend Stellen in der Oberpfalz an und wechselte im Mai 2019 in den Chiemgau. Er löste Wolfgang Meinel ab, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Förster arbeiten konnte. Ein ganzes Jahr habe Hartinger und sein Team gebraucht, die Schäden des Schneebruchs zu beseitigen. Das höre sich zwar lang an, aber in Bezug auf den großen Schaden der entstand, sei das eine riesen Leistung gewesen, lobte Dr. Daniel Müller die Arbeit des jungen Försters.Die Vielseitigkeit unserer Region zogen Hartinger in den Chiemgau. Der Unterschied zu seinen alten Stellen in der Oberpfalz: Im Norden Bayerns seien schon große Hitze- und Trockenschäden an den Wäldern entstanden. Zudem gebe es einen enormen Borkenkäferbefall. »Das hält sich hier im Chiemgau noch in Grenzen«, erklärt Hartinger. Doch auch bei uns würden sich die Hitze- und Trockenschäden sowie die damit verbundenen Schäden durch Insekten häufen. Grund für die immer wärmer und trockener werdenden Sommer ist der Klimawandel, der mit der Zeit viele Wälder, auch bei uns zerstören wird, wenn der Wald nicht fit für einen klimatischen Wandel gemacht wird, ist der Förster überzeugt. Schon seit seiner Kindheit ist Leonhard Hartinger gerne draußen. Einen Job am Schreibtisch konnte er sich nie vorstellen und so entschloss er sich damals, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Förster zu werden. Um dem Klimawandel zu trotzen, hatte er in den Bereichen, wo wegen des Schneebruchs 2019 Bäume abgeholzt worden waren, hitzebeständige Baumarten, wie die Schwarznuss oder die Douglasie gepflanzt. Diese Bäume stammen aus Nordamerika und seien im Gegensatz zur Fichte hohe Temperaturen gewöhnt. Die Douglasie war auch schon vor der Eiszeit bei uns heimisch, ergänzt Müller. Das Pflanzen von unterschiedlichen Laub- und Nadelbäumen sei wichtig, um langfristig den Bestand zu sichern. Denn für die Zukunft wisse man nicht, welche Baumarten resistent sind, erklärt Hartinger. Neben extremen Wetterereignissen seien vor allem Pilzerkrankungen der Grund, warum vielen Beständen zur Zeit der Garaus gemacht wird. Derzeit erlebe man das bei den Eschen. »Das schmerzt natürlich das Försterherz«, kommentiert Müller. Als Förster sei man gegen solche Pilzerkrankungen genauso wie gegen den Klimawandel machtlos. Helfen würde, auf Vielfalt zu setzen und die Bäume zur Stabilität zu erziehen. Das geschehe, indem man den Bäumen viel Platz zum Wachsen lässt und dafür sorgt, dass die stärksten Bäume noch kräftiger werden. Die Wälder vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen, sei nichts, was von heute auf morgen klappt, sagt Dr. Daniel Müller. Vielmehr seien es einzelne kleine Schritte, die am Ende zum Ziel führen. Und das sei für jeden Förster eine Lebensaufgabe, die man mit sehr viel Achtsamkeit und Herzblut angehen müsse. Jede Veränderung müsse man ganz behutsam vornehmen. Dazu brauche es viel »Fingerspitzengefühl« und das habe der junge Förster, so Müller. aha

Anzeige
Einstellungen