Für keinen Einsatz zu schade: 75 Jahre Unimog

75 Jahre Unimog
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Gefährt für Generationen: Junior Rauscher übernahm den 1976er Unimog von seinem Vater. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
75 Jahre Unimog
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Und täglich grüßt...der Unimog: Zahlreiche der in vielen Jahrzehnten gebauten Fahrzeuge gehen noch einer geregelten Arbeit nach - auch im hohen Alter. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Maschinenraum: Der 2,4 Liter-Diesel wartet mit vergleichsweise bescheidenen 52 PS auf. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Spuren der Zeit: Das hier ist ganz klar ein Arbeitsplatz. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Arbeitsgerät im Einsatz: Der Unimog U421 von Andreas Rauscher hilft am Hang. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Technisches Gerät: Funktioniert und gut, glänzen müssen andere. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Hansdampf in allen Gassen: Ein Unimog taugt für zahlreiche Aufgaben, eine Fahrt durchs Dorf dient da eher der Entspannung. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
Andreas Rauscher
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Gleichalte Gefährten: Andreas Rauscher und sein Unimog sind beide Baujahr 1976. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa
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Hurtig hoch den Berg: Der Unimog ist kein Rennwagen, angemessen flottes Fortkommen ist allemal drin. Foto: Harry Steininger/dpa-tmn Foto: dpa

Er ist so etwas wie das Schweizer Taschenmesser unter den Nutzfahrzeugen. Kein Truck und kein Traktor ist so vielseitig wie das »Universal-Motor-Gerät«. Ausfahrt mit einem besonderem Modell.


Stuttgart/Hochstadt (dpa/tmn) - Die Kabine starrt zwar vor Dreck. Die Sitze sind längst aufgeplatzt, das Glas über dem Tacho ist fast blind. Und der Mercedes-Stern wird nur noch von Kabelbindern an der stumpf gewordenen Motorhaube gehalten - doch außer Schlamm und Staub lässt Andreas Rauscher auf seinen Unimog nichts kommen.

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Obwohl der weinrote U421 bereits 45 Jahre auf dem Buckel hat, kraxelt der Winzer damit noch fast jeden Tag durch seine Weinberge im Neckartal. Nicht im Traum denkt er daran, auf einen modernen Traktor zu wechseln.

Arbeitstier verlangt nach Muckis in den Oberarmen

Klar ist der 2,4 Liter-Diesel mit seinen 38 kW/52 PS nicht der Stärkste. Wer drei, vier Mal ohne Servolenkung die engen Kehren hinauf zu Rauschers Weinberg gefahren ist, kann sich den Besuch im Fitnessstudio sparen - davon zeugen die dicke Oberarme des Besitzers. Die Kabine ist eng, die Türen sind schmal und die Sitze wären selbst dann unbequem, wenn die Polster die letzten Jahrzehnte nicht komplett durchgesessen wären.

Fürs Schalten braucht man mit dem unsynchronisierten Getriebe reichlich Feingefühl im Spiel mit Kupplung und Zwischengas. »Aber in der Summe seiner Eigenschaften ist der Unimog bis heute jedem anderen Fahrzeug überlegen«, sagt Rauscher, während er zwischen den Reben den steilen Hang hinaufkriecht und nur milde über die modernen Traktoren seiner Kollegen lacht.

Die Summe seiner Eigenschaften - genau die hatten Albert Friedrich, einstige Leiter Flugmotoren-Konstruktion von Daimler-Benz, und sein Kompagnon Heinrich Rößler im Sinn, als sie im Spätsommer 1945 das Lastenheft für den Unimog skizzierten, sagt Mercedes Classic-Sprecher Ralph Wagenknecht. Sie planten die beiden ein »Universal-Motor-Gerät« - woraus das Akronym Unimog entstand.

Wichtige Zutaten waren: hohe Bodenfreiheit, steile Böschungswinkel, vorbildliche Traktion, Ladefläche mit mindestens einer Tonne Tragkraft, Zapfwellen für Zusatzgeräte, ein Geschwindigkeitsbereich von 3 bis 50 km/h. Dazu eine standfeste Bremsanlage und ein halbwegs komfortables Fahrerhaus mit mindestens zwei Sitzplätzen. »Damit wollten die Macher im Notfall neben dem Traktor auch den Pritschenwagen und den Pkw ersetzen«, so Wagenknecht.

Große Fangemeinde hegt und pflegt das rustikale Arbeiter

Die ersten Prototypen starten vor rund 75 Jahren im Herbst 1946. Einen große Erfolg feierte der Unimog bei der Premiere auf der DLG-Landwirtschaftsausstellung 1948 in Frankfurt am Main. Das Fahrzeug wird ein weltweiter Erfolg, hat alle Moden und Krisen überstanden - und wird deshalb bis heute produziert, sagt Rainer Hildebrandt aus Hochstadt. Er beziffert die Gesamtflotte auf mittlerweile mehr als 400 000 Fahrzeuge. Ein Großteile davon dürfte noch heute unterwegs sein, schätzt er. »Denn der Unimog ist nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern ungeheuer robust.«

Entsprechend bodenständig sind die Preise, sagt Hildebrandt: Ungepflegte aber voll fahrfähige Modelle, also Arbeitsgeräte für den Alltag, gibt es nach seiner Einschätzung deshalb bereits für 5000 Euro. Doch Vorsicht: Besonders gut restaurierte und polierte Exemplare wechseln auch mal für 70 000 oder 80 000 Euro den Besitzer.

Dass mittlerweile Unimogs bei Oldtimer-Treffen auftauchen und wie Garagengold aufpoliert sind, darüber kann Winzer Rauscher nur lachen. Für ihn bleibt sein U421, der mit 1976 übrigens das gleiche Baujahr hat wie er selbst, auch als Veteran ein Werkzeug. Das kommt fast täglich zum Einsatz.

Hart rannehmen aber auch mit Blumen schmücken

Getreu den Vorgaben seiner Erfinder nutzt er den Unimog dabei universell. Wenn der Veteran, den Rauscher Junior mit dem Weinberg vom Vater übernommen hat, nicht im Wingert unterwegs ist, fährt er den Schutt zur Deponie, der beim Umbau der eigenen Besenwirtschaft anfällt. Mal schleppt er mit ihm die zwei Hänger zur Genossenschaft. Und bisweilen traut er sich mit dem Unimog sogar auf eine Landpartie - immerhin schafft er mit viel Gas und Geduld 67 km/h.

Und hin in wieder poliert sogar den Winzer den roten Rentner doch mal auf Hochglanz schmückt ihn bisweilen auch mit Blumen - wenn im Herbst die Lese eingefahren wird, oder wenn einer seiner Freunde den Bund fürs Leben schließt. Denn dann wuchtet er ein altes Sofa auf die kleine Pritsche, chauffiert das Brautpaar zur Kirche und adelt den Unimog auch noch zum Hochzeitsauto. Das ist eine Rolle, die vor 75 Jahren wahrscheinlich selbst seine Erfinder dem Universalen Motor-Gerät nicht zugetraut hätten.

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