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Fulminanter Abschluss des Musikfrühlings

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Brillierten mit großer Bravour bei der Chaconne von Tomasi Vitali: Diana Ketler und Kirill Troussov. (Foto: Aumiller)

Der Chiemgauer Musikfrühling ging mit einer deutsch-rumänisch-italienischen Rhapsodie zu Ende. Dieses klingende Bouquet reizvoller Blüten der Kammermusik wurde zum erstklassigen Hörvergnügen, das die Zuhörerschaft faszinierte.


Die Begeisterung mündete in lautstarke Beifallsbekundungen. Das Frühlingsfestival mit seinem Programmangebot in der niveauvollen Darbietung darf als ein kulturelles Highlight der Stadt Traunstein bezeichnet werden und die Musiker konnten sich glücklich schätzen, für ihre kammermusikalischen Raritäten ein so verständiges und begeisterungsfähiges Publikum vorzufinden.

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Mit welcher Professionalität und Musikalität einerseits die Musiker ans Werk gingen und andererseits ihrer sichtbaren Freude am gemeinsamen Musizieren Ausdruck verliehen, war hinreißend und nahm den Zuhörer unmittelbar mit hinein ins musikalische Erleben.

Den Anfang machte das Klarinettenquintett in B-Dur op. 34 von Carl Maria von Weber. Der Klarinettist Thorsten Johanns brillierte mit eleganter Virtuosität und bezauberte vor allem im Fantasia-Adagio mit romantisch schwelgerischen Kantilenen. Die vier umspielenden Streicher, die Geiger Thomas Gould und Kirill Troussov, der Bratscher Razvan Popovici und der Cellist Andrei Ionita, betteten die melodieführende Klarinette in einen edlen Klangmantel. Im feinen Zusammenspiel reizten die Musiker die dynamische und kontrapunktische Vielfalt aus und gaben dem fröhlichen Charakter ebenso Raum wie sie das fantasiereiche Melos zum Blühen brachten.

Dramatisches Zupacken und instrumentale Bravour zeichnete die von Thomas Wally für Klavierquartett bearbeitete erste rumänische Rhapsodie von George Enescu aus. Die Pianistin Diana Ketler, der Geiger Alexander Sitkovetsky, der Bratscher Razvan Popovici und der Cellist der Wiener Philharmoniker Bernhard Hedenborg fungierten als die überzeugenden Anwälte für ein grandios pulsierendes Stück. Viel folkloristisches Kolorit in kunstvoller polyphoner Verflechtung war dabei das melodisch tragende Element, das die Musiker mit vitalem Einsatz zum lebensvollen Hörgenuss werden ließen.

Diana Ketler und Kirill Troussov machten sich dann stark für Tomaso Antonio Vitalis Chaconne in g-Moll für Violine und Klavier. Hohe Virtuosität war hier Trumpf. Die Pianistin hatte wahrlich alle Hände voll zu tun und der Geigenpart forderte alle instrumentalen Finessen, die nur ein versierter Solist wie Troussov so souverän und beeindruckend auffächern konnte.

Vitali war Geigenvirtuose und Komponist im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert gewesen. Die Chaconne wurde ihm vom Violinvirtuosen Ferdinand David Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschrieben. Die Klangcharakteristik und Ausformung des Virtuosenstücks lässt dessen Bearbeitungen an Vitalis Werk vermuten. Nichtsdestoweniger machten Troussov und Ketler die Chaconne zum beeindruckenden Bravourstück von großem Reiz auf hohem musikalischen und spielerischen Niveau.

Puccinis »Crisantemi« für Streichquartett, ein melodiöses Andante, dessen Musik aus dem Finale der Oper Manon Lescaut Bekanntheit besitzt, brachten die Streicher hier als klangintensive Kammerversion in eindrucksvollem Zusammenwirken zu Gehör. Die Chrysanthemen im Namen weisen als Trauerblumen symbolisch auf das ursprünglich als Trauermusik komponierte Opus hin.

Zum Abschluss heitere Italinanitá mit dem Medley aus Rossinis »Barbiere die Siviglia« für Streichquintett: Alexander Sitkovetsky, Thomas Gould, Razvan Popovici, Bernhard Hedenborg und der Kontrabassist Davide Vittone gaben in geschickter Phrasierung den Ohrwürmern der Oper ebenso pralles wie solistisch akzentuiertes Streicherleben. Der Bassist Vittone hatte zuvor noch mit einer Riesenportion Charme, Energie und sonorer Stimme ein Gedicht von Lorenzo di Medici verlesen und übersetzt. Riesenjubel für einen außergewöhnlichen Konzertabend, dessen einziger Minuspunkt die formlose Moderation von Popovici blieb, da seine undeutliche, wenig markante Aussprache vom Gesagten kaum ein Wort verstehen ließ. Elisabeth Aumiller

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