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Furioses Festivalende mit »Tango Diabolo«

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Die Protagonisten des »Chiemgauer Musikfrühlings« versammelten sich beim Abschlusskonzert noch einmal auf der Bühne des Traunsteiner Vereinshauses. (Foto: Heigl)

Die Hörerwartungen des Publikums ordentlich durchkreuzt haben die Musiker des »Chiemgauer Musikfrühlings« im Rahmen des Abschlusskonzertes, das im großen Saal des Traunsteiner Vereinshauses stattfand. Der Titel des Konzerts versprach »Tango Fever« und das bedeutete keineswegs nur erhöhte Temperatur.


Der Komponist und Bandoneon-Spieler Marcelo Nisinman antwortete zu Beginn des Konzerts auf die Frage von Diana Ketler, der musikalischen Leiterin des Festivals, wie man denn seine Musik beschreiben könne, lächelnd mit den Worten, »Tango Diabolo«. Und ja, in seinen Arrangements und Kompositionen geht manchmal fast schon der Punk ab, sodass es durchaus auch richtig ungemütlich wurde, was letztlich aber ungemein spannend war.

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Wenn Nisinman auf seinem Bandoneon mit magischem Flair in seinem ausdrucksvollen Spiel die Einleitung respektive den Auftakt des Tangos spielte, wie bei »Oblivion« von Astor Piazzola, arr. Nisinman, blieben die Musiker vollkommen bewegungslos auf der Bühne stehen, eingefroren wie auf einem Gemälde. Dann setzte einer nach dem anderen ein, man ließ die Musik anschwellen, und der Einzelne löste sich immer mehr auf, bis das Ensemble ein großer gemeinsamer musikalischer Organismus war.

Jazz und Kammermusik im Wechsel erlebte das Publikum, als die Musiker das Klavierquintett, op. 81B von Darius Milhaud (1892-1974) spielten, der in den ersten Satz, dem Prelude, seine persönliche Vorstellung vom Urknall hineinkomponiert hat. Wie schön die Welt aus dem Chaos hervorgegangen ist, hörte man im innigst gespielten Solopart von Razvan Popovici, Viola.

Mit dem »Tempo di Fox«, »Tango-Rag«, »Boston«, »Tango und Shimmy Jazz« aus der Partita für Klavier solo, von Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) begeisterte die wie immer wunderbare Diana Ketler das Publikum, das nach der vielfachen Überhitzung des »Tango-Fiebers« sich wohl nach etwas Abkühlung sehnte, und sich nun merklich entspannte.

Die Musiker verabschiedeten sich mit dem hochemotionalen »Adios Nonino« von Astor Piazzola (1921 bis 1992), eigenwillig und spannend arrangiert von Nisinman. Zuvor hatten sie das »Cuidad Triste« von Oswaldo Taratino (1927 bis 1991) und eine ganz intim verdichtet gespielte Version von »El Entrerriano« für Violine, Bandoneon, Klavier und Kontrabass gespielt. Das Publikum ließ die Musiker aber nicht eher gehen, bis sie noch einmal einen höllisch heißen, diabolischen Tango als Zugabe herausgeklatscht hatten. Barbara Heigl