weather-image
26°

Fußball verkehrt

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Eine das Berchtesgadener Spiel bezeichnende Szene: Drei Spieler umringen einen Grabenstätter Akteur, doch die Gäste behielten zu oft den Ball. Foto: Franz Heger

Berchtesgaden – Ratlos und enttäuscht zogen an die 100 Zuschauer nach der 1:4-Niederlage des bisherigen Tabellenzweiten der Kreisklasse TSV Berchtesgaden gegen den TSV Grabenstätt von der Breitwiese ab. Die Gäste vom Chiemsee mussten ebenso wie der TSV Berchtesgaden fast eine halbe Mannschaft ersetzen, sicherten den klaren Erfolg jedoch nach einem Platzverweis sogar in numerischer Unterzahl. Durch diese Niederlage sind wohl die Meisterschafts- und Aufstiegsgedanken des TSV Berchtesgaden etwas zurückzuschreiben, auch wenn die Saison noch lange währt. Trainer Richard Hartmann war, ob der desolaten Leistungen seiner Mannschaft, stinksauer.


Bei prächtigem Fußballwetter entwickelte sich zunächst ein recht unorganisiertes Spiel. Berchtesgaden eroberte schnell die Feldhoheit, zu viele Fehlpässe ließen jedoch keine zwingenden Aktionen gegen die tief gestaffelte Abwehr der Gäste zu. »Wir wollten zunächst einmal zu null spielen und vor allem nicht verlieren. Dass daraus mit fünf Reservespielern ein klarer Sieg geworden ist, freut mich schon besonders«, erklärte ein recht glücklicher Gästetrainer Siegfried Straßhofer nach dem bemerkenswerten Match. Nach 20 Minuten forderten die Berchtesgadener erstmals einen Elfmeter, nachdem der blass spielende Cemalettin Ucar gefoult worden sein soll.

Anzeige

Wenig später rollte ein Angriff in Überzahl auf das Gästetor, doch Ibo Tas zog zu früh ab und die Chance verpuffte (25.). Niemand auf der Breitwiese dachte wohl nach diesen Aktionen an eine später so klare Niederlage des Tabellenzweiten. In der 41. Minute forderten die Berchtesgadener neuerlich Elfmeter, doch der souverän leitende Schiedsrichter Sebastian Penka vom BSC Surheim deutete »weiterspielen« an. Ganz offensichtlich votierte der Unparteiische für die Prämisse »Im Zweifelsfall für den Angeklagten«. Praktisch mit Penkas Halbzeitpfiff wäre der Spielstand fast auf den Kopf gestellt worden, denn Timmi Janzarik köpfte alleine vor dem Berchtesgaden Tor an diesem vorbei.

Berchtesgaden begann den zweiten Abschnitt druckvoll, Andreas Hartmann zirkelte gleich einmal einen Freistoß knapp übers Tor (48.). Der Führungstreffer der Berchtesgadener schien jetzt in der Luft zu liegen, zumal Grabenstätt zum Spiel wenig beitrug und sein Heil nur im Zerstören suchte. Auffällig war auch die frühe Zeitschinderei der Gäste.

Dennoch kamen die Grabenstätter in der 57. Minute zu einer weiteren Großchance durch Janzaric, der jedoch in guter Position an Berchtesgadens Schlussmann Stefan Schach scheiterte. Dann glückte dem TSV Berchtesgaden der Führungstreffer. Einer der Kleinsten schraubte sich beim Kopfball am höchsten und so sorgte Christoph Heindl nach knapp einer Stunde für den Führungstreffer des TSV Berchtesgaden. Anstatt dass der Vorsprung den Platzherren jetzt mehr Sicherheit gegeben hätte, ließen sich diese nun zu weit zurückfallen und gaben das Mittelfeld völlig an die jetzt offensiven Gäste vom Chiemsee ab.

Schach verhinderte zunächst schon in der 63. Minute gegen Alexander Bondariu den Ausgleichstreffer. Jetzt entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den die Gäste auf eine kuriose Weise für sich entscheiden sollten. Denn zunächst einmal verloren die Grabenstätter den ständig meckernden Jens Eckl durch Platzverweis. Dies schien Berchtesgaden so in Sicherheit zu wiegen, dass jegliche Sorgfalt fehlte und Grabenstätt wenig später einen berechtigten Elfmeter zugesprochen bekam. Mannschaftskapitän Max Michel schoss den ersten Elfmeter vorbei, zielte bei der Wiederholung dann aber besser. Gegen zehn Grabenstätter stand es auf einmal 1:1 (77.). Doch es sollte noch weitaus schlimmer kommen. Denn in der 80. Minute geriet Heindl so unglücklich in eine Flanke, dass der Ball zum 1:2 im eigenen Tor landete. Spätestens ab diesem Zeitpunkt glich die Berchtesgadener Abwehr mehr einem aufgescheuchten Hühnerhaufen denn einer Kreisklassenabwehr, was noch zu zwei weiteren Treffern der Gäste führte. Zunächst fiel in der 85. Minute das 1:3 durch Michael Aigner und in der 88. Minute auch noch das 1:4 durch Bondariu.

TSV Berchtesgaden: Schach; Pilz, Botzenhard, Hoffmann, Heindl, Sontheimer, Halilovic, Tas, Hartmann, Ucar, Reichlmeier, Popp, Winkler, Alo. Christian Wechslinger