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Gänsehaut, Feuerwerk und Zitterpartie

Kinder spielen auf dem Schneeberg am Rathaus. Die Menge schwingt Fähnchen und übt die »La-Ola-Welle«. Aufgeregt stehen kleine und kleinste Inzeller Eisschnellläufer mit 24 Nationalflaggen bereit, um die Sportler bei ihrem Einzug hinter der Musikkapelle Inzell zu begleiten: Gänsehaut-Gefühl herrschte bei der Weltcup-Eröffnung mit mehr als 500 Besuchern, darunter viele internationale Eisschnelllauf-Fans. Ein farbenfrohes Feuerwerk krönte die Feier.

»Inzell, das motiviert«, sagt Moritz Geisreiter, Hoffnungsträger der deutschen und Inzeller Eisschnellläufer, im Interview mit Pino Dufter. Der stellt dem Publikum neben Lokalmatadoren und deutschen Spitzensportlern auch einige ausländische Athleten vor, die in Inzell leben: in der KIA-Speed-Skating-Academy. Dann wird es ernst: Jan Dijkema, Vizepräsident des Weltverbands ISU, eröffnet den Weltcup. »Wir freuen uns, wieder in Inzell zu sein«, ruft er ins Publikum. Trotz der Erfahrung sei so eine Großveranstaltung für Inzell immer eine neue Herausforderung, erklärt Bürgermeister Martin Hobmaier.

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Regelmäßiger Gast ist bei solchen Sportveranstaltungen Theodor Horstmannshoff (79) aus Werther bei Bielefeld. Sein Hobby ist Eisschnelllaufen. Im Sommer kommt er auch zum Wandern nach Inzell. »Da bleibt man fit.« Weltcup-Neulinge hingegen sind Roy und Sandra Uhlig mit Tochter Antonia aus dem Erzgebirge. »Die Halle allein ist es wert, da hinzugehen«, sagt Roy Uhlig. Er läuft mit Antonia öfter im Eislaufzentrum Chemnitz Schlittschuh. Zur fetzigen Musik von »Club 3« tanzt begeistert die ganze Familie. »Bei uns ist so selten was los, da wollen wir das nutzen«, sagen sie. Außerdem wird Roy Uhlig heute 35. »Das ist das erste Mal, dass ich zu meinem Geburtstag ein Feuerwerk habe«, meint er mit leuchtenden Augen.

Mit ihrer Familie genießt auch Lisa Berschl (10) die Party. Sie darf als Inzeller Trachtlerin an beiden Wettkampftagen helfen, die Medaillen zu überreichen. »Das ist total schön. Da sind auch Freundinnen dabei. Am Samstag sind wir nur Mädels, am Sonntag Pärchen«, verrät sie.

In der Max-Aicher-Arena dominieren tags darauf die Farben Oranje, Schwarz-Rot-Gold und Weiß-Blau. Familie und Freunde haben für Moritz Geisreiter an der Südkurve ein großes »Moritz«-Plakat aufgehängt. Der Eislauf-Nachwuchs winkt ihm mit Fähnchen. Immer wieder brandet Jubel auf, wenn er beim 5000-Meter-Lauf mit raumgreifenden Schritten vorbeizieht – für Mutter Andrea eine Zitterpartie: »Sonst bin ich nicht so aufgeregt, ich weiß auch nicht, was heute los ist.« Die Altenpflegerin ist froh, dass sie frei bekam, um ihrem Sohn zuzuschauen. »Ich habe nicht gedacht, dass er so gut ist«, staunt sie am Ende über Platz vier.

Viele tragen die »Schikki-Hüte«, die die Form der Eishalle haben. Bis zu zehn Hüte haben manche Inzeller Frauen für die Aktion des Fördervereins »Vision Ice« zur Förderung des Nachwuchses gestrickt. »Das war ganz einfach. Man muss nur stricken und häkeln können«, verrät Gemeinderätin Claudia Doppler, die vier Hüte anfertigte.

»Es ist immer gute Laune hier. Die Akustik der Halle ist toll«, freut sich Jan Peter Borger, Chef der Stimmungsband »De Glasblazers«. Einen Karnevalshut mit etwa 100 Pins aus allen Eisschnelllauf-Orten der Welt trägt Jan Grootscholten, der 1964 erstmals in Inzell war.

Unter den Weltcup-Zuschauern waren auch ehemalige Inzeller Eisschnellläufer, beispielsweise Hans Lichtenstern, oder Olympiasiegerinnen der früheren und jüngeren Zeiten wie Monika Holzner-Gawenus und Anni Friesinger-Postma. »Super« fand Anni – mit ihrem eineinhalbjährigen Töchterchen Josephine privat in Inzell zu Besuch – den Weltcup. Aus der Politik waren unter anderem Kulturstaatsekretär Bernd Sibler und Landrat Hermann Steinmaßl sowie Altlandrat Jakob Strobl mit Gattin Heidi anwesend. Weitere Bilder vom Weltcup finden Sie unter www.suedost-news.de. vm