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Ganz großes Kino: Folkrock-Kunstwerke von Cody

Berlin (dpa) - Sie haben bereits mit Band Of Horses, Tindersticks oder The National gespielt, und all das kann man irgendwie auch in ihrem Sound hören. Aber letztlich machen Cody aus Dänemark etwas ganz Eigenes mit ihrem epischen Alternative-Folkrock.

Cody
Meditative Lieder von Cody. Foto: Nordic Foto: dpa

Schon der Opener zum neuen Album «Fractures» (Nordic/Soulfood) trägt zwar den irreführenden Titel «Disharmony», ist aber mit seinen weiten Melodiebögen über sechseinhalb Minuten der reine Wohlklang. Man denkt eher an die schottischen Highlands als an amerikanische Landschaften, die solche Musik ja oft evoziert. Auch das von einer sanften Akustikgitarre eingeleitete, später mit massivem Streichereinsatz aufgepolsterte «Grey Birds» und das an den Progressive Rock der 70er andockende «August» stehen für eine sehr europäische Indie-Folkpop-Variante.

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Cody kommen keineswegs aus dem Nichts, wie ein erstes Minialbum (2008), das hierzulande nicht erschienene Longplayer-Debüt «Songs» (2009) und eine prächtig aufgemachte Vinyl-Single (2010) beweisen. Um Frontmann Kaspar Kaae entstand seit 2004 ein Kollektiv von sieben Musikern, die sich für ihre aufwendigen Arrangements mit Holzbläsern, Trompeten und Geigen verstärken. Manches erinnert an die Landsleute von Efterklang - was an der wunderbar klaren und wandlungsfähigen Stimme von Cody-Sänger Kaae liegen mag, aber auch an der elegischen Grundstimmung dieser Song-Kunstwerke.

Man sollte sich unbedingt Zeit nehmen für die meist im mittleren Tempo dahinfließenden, meditativen Lieder, die auf leichtgängige Refrains oft verzichten. Verkopft oder abgehoben sind die Cody-Melodien zum Glück aber nie. Beispiel «Close The Door»: Da beschwört Kaspar Kaae auf einem warmen Bett von Akustikgitarren eine heimelige Stimmung herauf («Close the door, let no one in...»), ehe nach knapp drei Minuten majestätische Bläser hereinbrechen und neue Aufmerksamkeit einfordern. Eine dermaßen feinfühlig arrangierte Folkpop-Hymne wird man dieses Jahr nur selten finden. Auch der zum Gospel anschwellende Schlusssong «Go Home» ist ganz großes Kino.

Cody beweisen mit ihrem fast 50-minütigen zweiten Album enormes Selbst- und Stilbewusstsein. Man könnte sich noch etwas mehr Mut zu Abwechslung und Risiko wünschen, wie ihn zuletzt das irische Folkrock-Wunderkind Conor O'Brien mit seinem Zweitling «Awayland» bewiesen hat. Die Dänen sind denn doch eher Traditionalisten als Grenzüberschreiter. Aber eines der schönsten Alben des Genres seit langem ist ihnen mit «Fractures» allemal geglückt. Vielleicht fehlt jetzt nur noch der adäquate Kinofilm, um ihre melancholischen Songs endlich auf ganz breiter Bühne erstrahlen zu lassen.

Konzerte im Frühjahr: 20.3. Zürich, 21.3. Nyon/Schweiz, 22.3. Bern, 24.3. Hamburg, 25.3. Dresden, 26.3. München, 12./13.4. Popsalon Festival, Osnabrück.

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