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Die Komödie im Bayerischen Hof München mit »Ladies Night« im Traunreuter k1

Ganz oder gar nicht

Einer der Überraschungserfolge des Kinojahres 1997 war die britische Komödie »Ganz oder gar nicht« (The Full Monty). Basierend auf einem Theaterstück der neuseeländischen Autoren Stephen Sinclair und Anthony McCarten, erzählte der Film, wie in einer heruntergekommenen englischen Industriestadt sechs arbeitslose Freunde versuchen, durch eine Stripshow ihre Kassen aufzubessern.

Die fünf Amateurtänzer waren (von links) Sebastian Goder, Torsten Münchow, Eduard Burza, Pascal Breuer und Dominik Meurer.

Unter dem Titel »Ladies Night« war jetzt eine Neuinszenierung des Stücks im ausverkauften Saal des Traunreuter k1 zu sehen, bei der nicht nur die weiblichen Besucher auf ihre Kosten kamen. Auch die (recht wenigen) Männer im Publikum hatten sichtlich ihren Spaß an dem turbulenten Treiben auf der Bühne.

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Die arbeitslosen Freunde schlagen die Zeit tot

Ort der Handlung war auch hier eine englische Industriestadt am Rande der Pleite. Hier hängen die arbeitslosen Freunde Craig, Barry und Norman ziellos herum und schlagen die Zeit tot. Am aktivsten ist dabei noch Craig: Er hat ständig ein neues »todsicheres Ding« am Laufen und ist doch immer nur auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Der gutmütige Norman dagegen verbringt seine Tage im Pub, damit seine Frau nicht mitbekommt, dass er seit geraumer Zeit arbeitslos ist. Und auch Barry lässt sich treiben, obwohl er Angst hat, nach seiner Arbeit auch noch seine Freundin zu verlieren.

Die Wende tritt ein, als Craig eines Tages miterlebt, wie ein Auftritt der Männerstrip-Truppe »Chippendales« bei den Frauen der Stadt für Begeisterung sorgt. Craigs Idee: Was die können, können wir auch. Als »Die Wilden Stiere« würden sie auf der Bühne eines Nachtclubs einen Männer-Striptease hinlegen und damit richtig Kohle machen. Barry ist sofort dabei, und auch Norman ist nach kurzer Bedenkzeit mit von der Partie.

Aber weil drei nicht reichen, brauchen sie Mitstreiter. Die finden sie über eine Zeitungsannonce, doch schon die ersten Proben erweisen sich als Desaster. Ungelenk stolpern sie umher und hauen sich gegenseitig die »kunstvoll« geöffneten Gürtel um die Ohren. Als Retter in der Not erweist sich ein alter Säufer und Stammgast in dem Pub, in dem Craig und seine Freunde verkehren. Der bringt ihnen anhand von Techniken aus dem Fußball bei, wie man sich showgerecht zu bewegen hat. Bis zur Perfektion dauert es zwar eine Weile, aber dann steht ihrem großen Auftritt nichts mehr im Wege. Abgesehen von ihren Ängsten, sich damit vor ihren Frauen und Freunden kräftig zu blamieren.

Bestens besetzt und gespielt war damit trotz einiger Längen von der ersten bis zur letzten Minute humorvolle Unterhaltung geboten, leichtfüßig, ironisch und mit dezent erotischer Note. Wobei allein schon die ersten Proben und das Casting in Craigs Wohnzimmer für Lacher ohne Ende sorgten.

Einfallsreiche Regie mit Situationskomik und Wortwitz

Doch man lachte stets mit Craig und seinen Kumpanen – und niemals über sie. Das lag auch an der einfallsreichen Regie von Folke Braband, der die Situationskomik und den Wortwitz der Vorlage temporeich umsetzte, ohne dabei ins Klamottige abzurutschen. Und natürlich auch an der brillanten Choreografie von Angela Hercules-Joseph, die den »Reifeprozess« der fünf Amateurtänzer präzise vorführte.

Auch das Zusammenspiel des insgesamt siebenköpfigen Ensembles funktionierte perfekt, zumal sich alle Akteure in Höchstform präsentierten. Allen voran Pascal Breuer als Craig, der mit rastloser Energie die treibende Kraft war. Gut herausgearbeitet waren auch die Figuren Barry und Norman, mit viel Präsenz verkörpert von Sebastian Goder und Torsten Münchow. Als »Dicker vom Dienst« gab Letzterer seinen Ängsten überzeugend Ausdruck, und Goder gab mit Gusto einen Chauvi erster Güte (»Die Frau gehört an den Herd, und der Herd steht im Schlafzimmer«). Einen guten Eindruck hinterließen auch Eduard Burza (Wesley) und Dominik Meurer (Gavin), und als »Trainer« legte Rudolf Otahal eine eigene One-Man-Show hin.

Kurzum, eine spritzige Komödie mit Tiefgang, die nicht zuletzt durch ihre Doppelbödigkeit begeisterte. Der Applaus war entsprechend lange anhaltend. Wolfgang Schweiger