weather-image
22°

Ganz schön mutig – Lisa Fitz

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Lustig, listig, ernst: Lisa Fitz im Republic. (Foto: Kewitsch)

Mut. In Zeiten wie diesen ein doch eher seltenes Gut. Angst. Das flankierende Gegenteil. Und mittendrin die Wut des (meist) ohnmächtigen Staatsbürgers. All diese Elemente in einem Kabarettprogramm miteinander zu verweben, ist an sich schon mutig genug. Lisa Fitz, die sich noch nie viel um die Meinung anderer geschert hat, gelingt dieser Spagat im aktuellen Programm. Sie deckt auf, klagt an, parodiert und schwadroniert. Lisa Fitz, 1951 in Zürich geboren, brennt kein Gag-Feuerwerk ab, es hagelt keine Lachsalven, und auch der Pointenregen hält sich in Grenzen und dennoch: Der aufmerksame Zuhörer bekommt im Salzburger Republic ein mutiges und gutes Programm geboten.


Es mag flach klingen, wenn Fitz von John Wayne redet, der seinerzeit den Mut mit der Todesangst definierte, mit der man sich in den Sattel schwingt. Mehr im Hier und Jetzt ist sie eher mit der Feststellung, dass die echte Emanzipation erst dann abgeschlossen ist, wenn der muslimische Mann mit den Tüten in der Hand wortlos zwei Schritte hinter seiner Frau marschiert. Auch der eingefleischte SPD- Wähler, der in seinen letzten Lebensstunden zur CDU übertritt und dies mit den Worten begründet »besser wenn einer von denen stirbt« darf getrost als mutig bezeichnet werden.

Anzeige

Lisa Fitz, tastet sich an das Publikum heran, manches wirkt etwas hölzern, und doch lässt sich die jahrzehntelange Routine nicht verleugnen. In ihrem Element ist sie, als die schön verzierte Gitarre hervorgeholt wird und die zu vermittelnden Inhalte auf musikalischem Weg zum Publikum gelangen. Obwohl, sind wir mal ehrlich, wer traut sich denn wirklich mal, die Wahrheit zu sagen? Selbst sie, Lisa Fitz, hatte vor, es dem Seehofer mal so richtig zu sagen und als er dann vor ihr stand, kam ein braves »Grüß Gott Herr Seehofer« heraus. Spricht es, zwinkert und denkt laut darüber nach, dass der Horst bestimmt auch ihr politisches Kabarett zu kritisieren hätte und anstatt dessen höflichst sagt: »Frau Fitz, welche Ehre.« Ja, so ist das in Deutschland. Keiner hat mehr einen Schneid.

Das war seinerzeit beim Räuber Kneißl auf dem Schafott noch ganz anders, als jener am Montagmorgen sagte: »Die Woche fängt ja gut an.« Ja, wo der Mut keine Zunge hat, bleibt die Vernunft stumm, und überhaupt, wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd. Mit diesem Zitat richtet sie dem dankbaren Publikum im nicht ausverkauften Republic beste Grüße von Reinhard Mey aus und spielt dessen wunderbaren Song »Sei wachsam«. Stille im Saal.

So ist dieses Programm eine sehr heterogene Show. Lustig, listig auf der einen Seite, musikalisch ernst auf der anderen, Pointen und Botschaften müssen auseinandersortiert werden, und der politische Tiefgang ist unübersehbar. Das ist kein Witz. Weniger witzig dann auch die Fitz'sche Interpretation des modernen Lagerfeuerverhaltens. Saß früher noch der Neandertaler vor selbigen, sind es heute die Digital Natives, die den Bildschirm zu ihrem persönlichen (einsamen) Feuer machen. Das daraus abgeleitete Vater-Unser-Online- Gebet darf individuell als Spaß oder trauriges Faktum unserer Zeit verstanden werden. Schön zweischneidig, Frau Fitz. So geht es voran im Programm, die Bundespanzerin bekommt ihr Leoparden-Fett weg, weil die Bundesrepublik sich in Sachen Kriegswaffen und Saudi Arabien so richtig vergriffen hat. Und auch die neue ffff-Moral (find, follow, fuck, forget) der digitalen Flirtwelt kommt auf den Pranger.

Lisa Fitz bleibt jedoch im Kern politisch und in der Botschaft eindeutig: Das Gespenst der Massenresignation vertreibt man nicht mit Angst. Aus der Wut muss Mut werden und wer sich duckt verliert. So wird aus scheinbar schwerer Kost am Ende schließlich doch noch ein griffiges und rundes Programm. Einmal mehr: Mutig, Frau Fitz. Udo Kewitsch