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Gartenpraxis aus erster Hand

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Gerlinde Berger aus Seebach in der Gemeinde Fridolfing ist eine der porträtierten Gartenbäuerinnen. In ihrem herrlichen Bauerngarten und rund um den ganzen Hof blühen derzeit 170 verschiedene Rosen. (Foto: Huber)

Vor einigen Monaten traf ich eine Schulfreundin wieder. Wir sind beide auf einem Bauernhof zuhause und im selben Dorf aufgewachsen. Während aus mir beruflich ein »Schreiberling« wurde, hat sie in einen Bauernhof zwei Gemeinden weiter eingeheiratet und mit ihren Mann dessen elterlichen Milchviehbetrieb übernommen. Beide haben wir je drei Kinder aufgezogen, die jetzt schon eigene Wege gehen oder mit der Ausbildung fast fertig sind.


Während ich es genieße, mehr mit dem Radl unterwegs zu sein, neue Städte und Länder kennenzulernen oder spontan einen »Kulturtrip« nach München oder Salzburg zu machen, hat mir die Schulfreundin erzählt, dass sie jetzt eine Ausbildung zur Gartenbäuerin macht. »Was, das tust Du Dir jetzt noch an?«, war meine spontane Reaktion, ist unser 50. Geburtstag doch auch schon wieder ein paar Jährchen her. »Doch, gerade jetzt: Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, der Sohn, der den Hof einmal übernehmen soll, hilft schon fleißig in der Landwirtschaft mit und ich hab' jetzt einfach mehr Muße, so etwas noch durchzuziehen«, war ihre Antwort.

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Auf meinen Einwand hin, dass es doch schon so viele Gartenbäuerinnen gibt, meinte sie, dass es nicht genug geben könne, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben an junge Frauen und auch Männer, nicht nur aus dem bäuerlichen Bereich. Gärtnern ist wieder »in«, wie ich in meiner eigenen Familie feststellen kann. Mein Mann hat als Neu-Ruheständler die Gemüsebeete quasi handstreichartig übernommen, nachdem er jahrelang nur für die Tomaten zuständig war, und der Sohn erfreut uns mit selbstgezogenen Kräutern und Paprikapflanzen. Letztere sind heuer überreich aufgegangen, sodass auf der Terrasse der Platz für den Liegestuhl knapp wurde.

Doch zurück zum Thema Gartenbäuerin: Die Freundin sagte auch, dass etliche altgediente Gartenbäuerinnen in den Ruhestand gehen wollen und dass sie sich auf Gemüse spezialisieren wolle, typische Gemüsesorten im Bauerngarten. Das macht ihr Freude und hier hat sie schon knapp 30 Jahre Erfahrung sammeln können.

In das neue Buch von Gunter Kasper, dem langjährigen Politikredakteur des Traunsteiner Tagblatts, »Gartenpraxis vom Land« über das Wissen der Gartenbäuerinnen hat es meine Freundin zwar nicht mehr geschafft, doch in dem im Frühjahr im blv-Verlag erschienenen Buch hat der Autor Porträts über zahlreiche Gartenbäuerinnen aus dem Chiemgau, Rupertiwinkel und Berchtesgadener Land zusammengetragen. Der Autor und der Fotograf Peter Raider haben dazu wunderbare Fotos »geschossen«, die nicht nur die Vielfalt der heimischen Bauerngärten einfangen, sondern auch viele Tipps aus der Praxis illustrieren.

Dass eine Bäuerin auf ihrem Hof einen Garten bestellt und Blumen am und um das Haus hat, ist eigentlich selbstverständlich. Meist beschäftigt sie sich mehrmals am Tag damit und so entsteht im Laufe der Zeit ein unschätzbares Praxiswissen. In dem Buch werden nicht nur die Gartenbäuerinnen und ihre Höfe kurz vorgestellt, die Leser erfahren auch viel über die Grundlagen des Gärtnerns: Stichworte sind hier Gemüse, Obst, Kräuter, Zierpflanzen, Gehölze, Naturgarten, Gartenarbeit oder Gartengestaltung.

Gunter Kasper, dessen Steckenpferd schon seit langem Kräuter sind, hat den Bäuerinnen nicht nur zahlreiche Tipps und Kniffe entlockt, sondern auch so manche Episode aus dem Landleben und einige wunderbare Rezepte. Denn die Früchte der Gärten wollen auch weiterverarbeitet werden! Gemäß der »Spezialisierung« der Gartenbäuerinnen ist das Buch in die vier Abschnitte »Blumen«, »Gemüse querbeet«, »Kräuter für Küche und Gesundheit« sowie »Obst und Wildobst« eingeteilt.

Mein Mann, der »Neu-Gärtner«, hat beim ersten Durchblättern gleich einige Tipps für seine Salatkulturen gefunden, doch die alte Regel »Nicht 40 Salatpflanzerl auf einmal anpflanzen, weil dann 40 Salatköpfe auf einmal reif werden« ist darin natürlich nicht enthalten. So essen wir nun seit Wochen täglich Salat, Salat und nochmal Salat…

Die Blumenbeete sind dagegen weiterhin mein Reich, doch machen mir seit dem vergangenen Sommer im Beet neben der Garagenzufahrt eine oder mehrere Wühlmäuse Probleme. Beim Unkrautgrasen entdeckte ich verdächtige Gänge, jahrelang üppige Staudenblumen blieben kümmerlich und andere Blumen waren gleich gar nicht mehr da. Im Gartenbuch habe ich gelesen, dass es sein könnte, dass Wühlmäuse keine Pfingstrosen mögen. Das werde ich auf jeden Fall ausprobieren: Bei den Traunsteiner Rosentagen am kommenden Wochenende werden sicher auch wieder Pfingstrosen angeboten.

Und die heimischen Gartenbäuerinnen, deren Veranstaltungen und Kurse in einem eigenen Heft zusammengefasst sind, sind wie immer mit einem Stand bei den Rosentagen vertreten. Da kann man dann viele weitere Informationen aus erster Hand bekommen – und »ihr« Buch. Agnes Huber