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Gasteig-Highlights – »Kultur für München« im Juni

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Sieht man sich nur einmal einen einzigen »Gasteig«-Tag – den 7. Juni – an, kann man ermessen, welche kulturelle Vielfalt sich innerhalb von 12 Stunden im »Gasteig« breit macht. Dabei ist die Philharmonie als größter »Gasteig«-Raum noch nicht einmal als Abend-, sondern nur als Vormittags-Spielstätte im Einsatz: für die öffentliche Generalprobe des Uni-Konzerts der Münchner Philharmoniker am 10. Juni, bei dem David Frey für Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur am Flügel sitzt und Juraj Valcuha am Pult steht, um außerdem Rossinis »Wilhelm Tell« Ouvertüre und die Fünfte von Tschaikowsky zu dirigieren.


Im Kleinen Konzertsaal gibt es am Auswahltag, 7. Juni, das Mittagskonzert, im MSB/AV-Studio kann bei freiem Eintritt der Film »Sieben Jahre in Tibet« besucht werden, um 18 Uhr könnte man zu einem Nietzsche-Vortrag wechseln, einen Vortrag zum Film »Der alte Mann und der Kreis«, eine »Incontro Italiano«- und eine »Club Francais«-Veranstaltung erleben, um sich für 19.30 Uhr zwischen dem Orchestertreffen der AG Münchner Laienorchester e. V und einer Lesung samt Gespräch über »Tscheche mal drei« zu entscheiden.

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Liebe und Tod

»Orpheus - Variationen über Liebe und Tod« ist eine Opern-Collage mit Musik von Claudio Monteverdi, Gluck, Haydn und Jacques Offenbach. Bei den Aufführungen am 11., 12. und 18. Juni im Carl-Orff-Saal (jeweils um 20 Uhr) entscheidet das Publikum über den Ausgang der Geschichte. Steigt Orpheus, der antike Sänger der griechischen Mythologie auf den Olymp oder werden er und seine Geliebte Eurydike vom Liebesgott Amor gerettet? Die musikalische Bearbeitung stammt von Regisseur Hector Guedes (er singt auch den Pluto) und Julio Minon, der Text von Gabriele Bodenstein. Ein äußerst anregender, das Publikum ernsthaft-lustig einbeziehender Abend könnte das werden. Vorbild für manch andere, oft langweilige, weil viel zu wenig aktivierende Aufführung eines klassischen Altertums-Stoffes?

Ungarische Filmtage

Sie haben sich unmerklich ins Monatsprogramm eingeschlichen, die Ungarischen Filmtage 2013. Am 13. Juni um 17.30 Uhr ist der Eröffnungsabend im Vortragssaal der Bibliothek frei zugänglich. Es gibt den Streifen »Hinter der Tür« von Regisseur Istvan Szabo zu sehen, eine deutsch-ungarische Gemeinschaftsproduktion. 101 Minuten lang. Mit Martina Gedeck und Helen Mirren ist der Film hervorragend besetzt. Sie spielen zwei ungleiche Frauen, die auf der Suche nach gegenseitiger Zuneigung und Vertrauenshaltung sind. Vorlage für die bewegende Geschichte ist der Roman von Magda Szabo. Der Film wird mit Unterstützung der MSB gezeigt. Das Generalkonsulat der Republik Ungarn ist Veranstalter. Die kommenden Tage gibt es, sowohl spät nachmittags als auch abends, ungarische Filme neuerer Produktion bei jeweils freiem Eintritt. Man sollte sich solche Gelegenheiten nicht entgehen lassen.

Prague Philharmonia

Am 15. und 16. Juni heißt es: Podium (der Philharmonie) frei für die Prague Philharmonia! Einmal abends um 20 Uhr, das andere Mal nachmittags um 16 Uhr. Jeweils steht Alonda de la Parra am Pult. Er stellt sich mit der »Zauberflöte«-Ouvertüre, Beethovens Konzert für Klavier, Violine und Violoncello C-Dur op. 56 und der Ersten Brahms vor (Solisten: Karen Gomyo, Christian Poltera und Amir Katz), um nächsten Tags Heimatklänge verströmen zu lassen (einiges aus Bedrich Smetanas Zyklus »Ma vlast«), um sich zum Abschluss Carl Orffs »Carmina Burana« vorzunehmen – mit den Solisten Andrea Lauren Brown (Sopran), Martin Petzold (Tenor) und Daniel Ochoa (Bariton). Soviel bekannt, ist dies das erste Mal, dass die Prager Philharmoniker in München auftreten – zumindest mit diesem ungewöhnlich gemischten Programm.

Palästina – filmgerecht

Bei den »Palästina-Tagen« vom 20. bis 23. Juni kommen sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme zur Vorführung. Begonnen wird am 20. Juni um 19.30 Uhr mit »Roadmap to Apartheid« (2012), mit über anderthalb Stunden ungewöhnlich lang. Außergewöhnlich ist aber auch der erstmals versuchte Vergleich, palästinensischen mit den südafrikanischen Rassentrennungs-Tendenzen bzw. -Praktiken vor Nelson Mandelas Amtsübernahme 1994. Am 21. Juni wird »Wie das Leben spielt« gezeigt, ein 70-minütiger Spielfilm des Jahres 2008 von Philippe Faucon. Noch nie widmete sich das Kino der Problematik, die dieser Streifen angeht: die gewöhnliche Freundschaft einer Muslimin zu einer in Frankreich lebenden Jüdin. Im Vortragssaal der Bibliothek: ein Referat zweier Literatur- und Erziehungswissenschaftlerinnen der Hebräischen Universität Jerusalem zum »Bild der Anderen – Propaganda in Schulbüchern« aus Israel und Palästina. Termin: 22. Juni, 19.30 Uhr.

Stefan Mikisch am Klavier

Mit Richard Wagner beschäftigt sich der außerordentlich geschätzte Interpret Stefan Mikisch sein Leben lang. Er setzt sich am 22. Juni (15 Uhr) und 23. Juni (11 Uhr) für Interpretationen der »Meistersinger von Nürnberg« bzw. »Tristan und Isolde« ans Klavier. Mikischs Erläuterungen erhellen Richard Wagners komplexes Bühnenwerk, das aus insgesamt 13 Opern besteht. Bei den »Meistersingern« geht es Mikisch um den nach wie vor umstrittenen Begriff einer »deutschen Kunst«, während er bei »Tristan und Isolde« auf das Thema »Welten-Eros« eingeht. Mit seinem umfassenden Tonarten-Konzept gelingen dem vor allem durch seine Einführungen am Festspielort Bayreuth bekannt gewordenen Wagner-Spezialisten universelle Einsichten – in Wort und Klang. Hans Gärtner