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Gedanken sind frei

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Christian Springer vermittelte mit seinem neuen Programm dem Publikum im k1 klare Botschaften. (Foto: Benekam)

»Sind Astronauten da?« Mit dieser Frage hat Christian Springer sein neues Programm »Alle machen, keiner tut was« im Traunreuter k1-Saal begonnen – eine Antwort darauf gab es nicht wirklich. Astronauten im k1? Lächerlich. Genauso lächerlich findet der Münchner Kabarettist, dass Ministerpräsident Markus Söder kurz vor der Landtagswahl in Bayern Kurs auf das Weltall nimmt und für die »abgehobene« Raumfahrtstrategie »Bavaria One« etliche Milliarden Euro investieren will.


Twitter-Monster Donald Trump machte sich mit seinem infantilen Ausruf »America first« genauso zum Affen. Der wäre nach Ansicht von Christian Springer vielleicht auch besser Astronaut geworden – da hätte man ihn einfach auf den Mond schießen können. »Es ist ja so leicht, über Trump von der Bühne herunter abzulästern«, prustete Springer. »Typen wie der, mit genau solchen Aussprüchen und der Politik, die sie betreiben, nehmen uns Kabarettisten quasi die Arbeit ab«.

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Dabei sah es gar nicht wie Arbeit aus, was Christian Springer in seinem neuen Programm ablieferte. Im Gegenteil: Er stand da mit seinem beißenden Humor auf der großen Bühne und ließ seine Worte wirken. Ganz locker, ganz mühelos und ohne Kraftaufwand. Die Vorarbeit für sein Kabarett leisteten andere. Die müssen auch den Preis dafür zahlen.

»Was ist eigentlich mit den Werten in unserem Land?«, stellt Christian Springer die nächste Frage in den Raum. Was ist der wichtigste Wert in Deutschland? Ganz klar: 120 zu 80 – der Blutdruck, dicht gefolgt vom Cholesterin und den Abgaswerten. Wobei der gut integrierte Syrer sich schwertun wird das »wertvolle« Cholesterin aufzutreiben, meint Springer. Immer wieder hält er mit seinen Spitzen der Politik, aber auch der Gesellschaft, mit ihren teils schrägen Werten den Spiegel vor und zeigt so das verzerrte Wertebild in Deutschland auf. Alle machen, alle reden, kaum einer tut was. Viel zu wenige stehen auf und werden aktiv gegen die rechtslastige Schieflage, so der Tenor aus dem Kabarettprogramm.

Springer sorgt immer wieder für explosionsartiges Auflachen im Saal, das dem Publikum abrupt, mit bitterem Nachgeschmack, im Halse stecken bleibt. Mit seinem Verein »Orienthelfer« hilft Christian Springer seit Jahren den Opfern des Syrienkriegs und ist alle paar Wochen selbst vor Ort: Er tut was – auch, indem er redet, aufrüttelt, den Blutdruck so mancher Politiker auf gesundheitsgefährdendes Niveau hinauftreibt und gleichzeitig seinem Publikum Denkanstöße verpasst, die Wirkung tun.

Mut, sei, so findet Springer, »einer der wichtigsten Werte in unserem Land«. Mut, aufzustehen, wie damals die Geschwister Scholl, und das Lied »Die Gedanken sind frei« zu singen, auch – oder gerade wenn man Angst hat.

Abschließend erzählte er eine Metapher von seiner »Begegnung« mit einer Mimose, einem zimperlichen Pflänzchen, das zum Gedeihen die richtige Pflege braucht, sich ansonsten immer zurückzieht. Eine Geschichte vom Fallenlassen und Aufgefangenwerden, von Angst und Mut und vor allem vom Vertrauen in das Richtige. Dafür, und besonders für die so freien Gedanken des sympathischen Kabarettisten, gab es im k1 einen euphorischen Applaus. Der Stuhl auf der Bühne blieb leer. Christian Springer ist aufgestanden, die Botschaft angekommen: Gedanken sind frei. Kirsten Benekam

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