weather-image
13°

Gedenken an Dr. Georg Leber

5.0
5.0
Königssee: Gedenken an Dr. Georg Leber – Bundesminister wäre heute 100 Jahre alt geworden
Bildtext einblenden
Georg Leber wäre heute 100 Jahre alt geworden. (Fotos: privat)

Schönau am Königssee – Bundesminister a.D. Dr. h.c. Georg Leber wäre heute, 7. Oktober, 100 Jahre alt geworden. Er starb am 21. August 2012 im Alten- und Pflegeheim Insula in Bischofswiesen. Seit 1983 hatte er den Ruhestand in seinem Heim in Schönau am Königssee verbracht und ist vielen Berchtesgadenern noch heute als gern gesehener Gast zahlreicher Veranstaltungen in guter Erinnerung. Am liebsten aber war er auch im Ruhestand immer bei seinen Soldaten.


Von 1966 bis 1978 war er Bundesminister, zunächst unter Kurt Kiesinger für Verkehr und später unter Willy Brandt auch in Personalunion Minister für das Post- und Fernmeldewesen. 1972 wurde er als Nachfolger von Helmut Schmidt Bundesminister der Verteidigung.

Anzeige

Wie kaum ein anderer hat er in den sechs Jahren seiner Tätigkeit in dieser Aufgabe die Entwicklung der Streitkräfte in Deutschland geprägt und erwarb sich dadurch höchstes Ansehen im In- und Ausland sowie durch seinen menschlichen Umgang mit den Soldaten auch den liebevollen Spitznamen des »Soldatenvaters«.

Gern sprach er davon, dass ihn auch im Ruhestand, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, noch alle nachfolgenden deutschen und auch amerikanischen Verteidigungsminister in der Schönau besucht haben – eine persönliche Wertschätzung, wie sie wohl nur wenige Politiker erfahren haben. Die Ausbildung der Offiziere und Unteroffiziere wurde durch ihn grundlegend neu geordnet. Er gründete die Bundeswehr-Universitäten München und Hamburg und eröffnete den Frauen den Zugang zu den Streitkräften.

Bildtext einblenden
Eine Abordnung der Schönauer SPD unter Führung ihres Sektionssprechers Andres Pfnür (2. v. l.) legte am Grab des verstorbenen Politikers ein Gesteck nieder.

Dabei passte sein politischer Werdegang scheinbar ganz und gar nicht in seine ursprüngliche politische Entwicklung. Leber war gebürtiger Hesse, Sohn eines Maurers und selbst gelernter Maurer und Kaufmann. Durch ein katholisch-gläubiges und gewerkschaftsnahes Elternhaus geprägt, trat er 1947 in die IG Bau-Steine-Erden ein und wurde später ihr Bundesvorsitzender. 1951 wurde er Mitglied der SPD. Als Gewerkschaftsvorsitzender entwickelte er später auch das Projekt zur »Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand«.

1957 wurde Georg Leber in den Bundestag gewählt und vier Jahre später in den Fraktions- und Parteivorstand der SPD berufen. Dort wirkte Leber als einer der Architekten der Großen Koalition, in der er 1966 dann selbst Minister wurde. Drei Jahrzehnte wirkte Georg Leber auch im Präsidium des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Von 1979 bis 1983 hatte er noch vor seinem Eintritt in den Ruhestand das Amt des Bundestagsvizepräsidenten übernommen. fb