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Gefährliche UN-Mission – Berchtesgadener führt ein Kontingent in Mali

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Oberst Stefan Leonhard ist mit Leib und Seele Soldat. Morgen bricht der Berchtesgadener zu seinem neunten Auslandseinsatz nach Mali auf. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Zum neunten Mal geht Oberst Stefan Leonhard in einen Auslandseinsatz. Am morgigen Donnerstag bricht der Berchtesgadener nach Mali in Westafrika auf. Die Aufklärungs- und Erkundungsmission dauert voraussichtlich bis Anfang Oktober. Langweilig wird dem Kontingentführer sicher nicht, denn er wird jeden Tag von früh bis spät gefordert sein. »Man verliert irgendwann das Zeitgefühl«, sagt Stefan Leonhard.


Mali ist dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur 19 Millionen Einwohner. Das Land ist ein heißes Pflaster für die UN-Soldaten. 200 von ihnen sind bereits gefallen, darunter zwei deutsche Hubschrauber-Piloten. Dennoch sind die Einheimischen den 13.000 UN-Soldaten weitgehend wohlgesinnt. Vor allem die stets korrekten Deutschen mögen die Malis. Allerdings kann man sich nicht immer sicher sein, ob nicht doch einer einen Sprengstoffgürtel unter seiner Kleidung trägt.

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Oberst Stefan Leonhard untersteht einem schwedischen Generalleutnant, überhaupt sind die UN-Truppen sehr bunt gemischt. Abenteuerlust ist es nicht, die Leonhard antreibt, vielmehr sein Selbstverständnis für den Soldatenberuf, dem er sich vor 38 Jahren verschrieben hat. Bei so manchem jungen Soldaten spielt Abenteuerlust seiner Ansicht nach jedoch eine gewisse Rolle.

In den Einsatz nimmt jeder Soldat seine persönliche Schutzausrüstung mit, große Teile der Ausrüstung sind bereits vor sechs Wochen in einem Flug-Vorkommando nach Mali gebracht worden. Waffen, Gerät, Material und Fahrzeuge werden in Mali vom bisherigen Kontingent übernommen.

Hitze und Überschwemmungen

Durch die Nähe zum Äquator ist es in Mali sehr heiß und trocken. Temperaturen im Sommer von 50 Grad sind belastend, auch in den Nächten sinkt das Thermometer nicht unter 20 Grad. Das Kontingent von Oberst Leonhard beginnt seinen Auftrag im malischen Frühjahr, dem schnell der heiße Sommer folgt. Dämmerung gibt es nahe dem Äquator nicht, von einem Moment zum anderen ist es dunkel. Doch die Truppe des Berchtesgadeners wird auch noch die Regenzeit erwischen, in der viele Landesteile unter Wasser stehen.

Leonhards Auftrag lautet Aufklärung, wozu ihm auch ein unbemanntes Flugzeug zur Verfügung steht, das in großen Höhen nicht sichtbar für die Bodentruppen das ganze Land abdecken kann. Mali ist in Distrikte eingeteilt, die Kommandeure anderer Nationen befehlen. Leonhard ist Befehlshaber des Camps Castor, aus dem regelmäßig Patrouillen in die Stadt Gao unternommen werden. Die Struber Jager haben zum Beispiel den Auftrag »Objektschutz und Sicherung des Flughafens in Gao«. Zur Aufklärung wird die Drohne »Heron« eingesetzt. Schließlich wissen die Soldaten um die Gefahr von Terroristenangriffen. Ihnen gelang es mehrfach, in schlecht gesicherte Lager anderer Nationen einzudringen.

»Wir sind vor solchen Angriffen weitgehend gefeit, weil die Angreifer genau wissen, dass sie die Angriffe nicht überleben. Und nicht alle glauben, dass sie dann ins Paradies kommen«, sagt Oberst Leonhard zum Bedrohungspotenzial des Lagers Castor. Er verweist in diesem Zusammenhang auf seine vier Einsätze in Afghanistan. Wenn er damals als Berater mit dem afghanischen Brigadekommandeur aus dem Lager gefahren ist, war dies für den afghanischen Führer wie eine Lebensversicherung. Denn gegen einen bis auf die Zähne bewaffneten Gebirgsjägerzug treten die Taliban nicht zum Kampf an. Überhaupt sind die deutschen Soldaten rund um die Uhr bewaffnet. Kontingentführer Leonhard hat neben seinem Gewehr eine Handfeuerwaffe und immer bis zu 500 Schuss griffbereit.

Da sich jeder Soldat praktisch 24 Stunden in Alarmbereitschaft befindet, herrscht striktes Alkoholverbot. Wer mit Bier erwischt wird, bezahlt 500 Euro Disziplinarstrafe.

In Leonhards Kontingent gibt es auch Kampfhubschrauber aus El Salvador sowie Flugzeuge, die bei einem Angriff sofort in die Luft gehen, um nicht am Boden zerstört zu werden. Während andere UN-Soldaten offen mit Pick-ups unterwegs sind, fahren die Deutschen gepanzert ins Gelände. Auch im Lager läuft alles autark: Es gibt ein Elektrizitätswerk, Brunnen und eine Kläranlage. Betriebsstoffe und die multinationale Verpflegung werden in Konvois zugeführt. Für leichtere Verletzungen gibt es eine kleine Krankenstation, bei schwerwiegenderen Verwundungen werden die Soldaten in ein großes Lager unter französischem Kommando geflogen, wo auch chirurgische Eingriffe vorgenommen werden können.

Der militärische Weg von Oberst Stefan Leonhard führte in viele Regionen Deutschlands, nach Luxemburg ins NATO-Hauptquartier und auch in die USA. Nach langer Zeit an verschiedenen Standorten kam er im Jahr 2002 zurück in die Heimat und führte über zwei Jahre das Gebirgsjägerbataillon 232. Nach einem erfolgreichen Generalstabslehrgang wäre die Beförderung zum General der nächste Schritt gewesen. Doch nach einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau hat Oberst Leonhard diesen Weg beendet. Ihm war es in dieser Zeit wichtig, sich um seine Frau und seine Familie zu kümmern.

Engagement bei der Feuerwehr

Am Soldatenberuf schätzt Leonhard vor allem die stete Herausforderung und den Umgang mit Menschen. Weniger schön seien allerdings die langen Trennungszeiten von Familie und Heimat. Als eines seiner Hobbys nennt der Militär die Feuerwehr. Bei der Schneekatastrophe im Januar leitete er die vielfältigen Einsätze von der Kommando-Zentrale im Berchtesgadener Feuerwehrhaus aus.

In seiner Freizeit geht Stefan Leonhard gerne in die Berge, fährt mit dem Bergrad und unternimmt Skitouren in die Berchtesgadener und Salzburger Berge. Ein besonderes Hobby ist das Motorradfahren mit seiner Lebensgefährtin auf zwei BMW-Maschinen. Zuletzt legte das sportliche Paar 7 000 Kilometer in einem Schottland-Urlaub zurück. Weil er selbst sehr sportlich ist, verlangt Stefan Leonhard das auch von allen Bundeswehr-Dienstgraden. Christian Wechslinger