Gefahr für Wanderer & Natur: Bergwachten säubern den Bergwald

Gefahr für Wanderer & Natur: Bergwachten säuberten den Bergwald
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Foto: Bergwachten Inzell & Bad Reichenhall

Schneizlreuth/Weißbacher Forst – Die Bergwachten Inzell und Bad Reichenhall säubern seilgesichert den steilen, stark vermüllten Bergwald zwischen der Wegscheid zum Weinkaser und dem Mauthäusl


Einsatzkräfte der Bergwachten Inzell und Bad Reichenhall haben im Juni seilgesichert die absturzgefährlichen und stark vermüllten Steilhänge im Bergwald zwischen den vier Parkbuchten der Deutschen Alpenstraße (B305) und den Nordostwänden der Weißbachschlucht von Abfall und größerem Unrat gesäubert.

Die durch den Durchgangsverkehr ganzjährig hochfrequentierte und belastete Bundesstraße durchschneidet im Abschnitt zwischen der Wegscheid am Antoniberg und dem Ortskern von Weißbach an der Alpenstraße vor besonders imposanter Berg-Kulisse das beeindruckende und bei Einheimischen und Urlaubern beliebte Alpental zwischen dem Ristfeuchthorn und dem Jochberg. Frei nach dem Motto „aus den Augen – aus dem Sinn“ werden immer wieder ohne einen Gedanken an die Nachhaltigkeit und ohne jeden Respekt vor Tieren und Pflanzen, Abfälle und auch größerer Sperrmüll sorglos über die Böschung hinabgeworfen. Auch das Risiko wird in Kauf genommen, dass mit den Gegenständen Wanderer am Weg in der Schlucht getroffen und verletzt werden. Das ansonsten sehr naturbelassene Gebiet zeichnet sich durch weitgehend intakte, aber auch störanfällige Nahrungsnetze aus und ist Heimat und Jagdgebiet besonders geschützter Arten wie dem Eisvogel und dem Steinadler.

„Wir mussten handeln, denn es sah dort aus wie auf einer Müllhalde; neben dem Rettungsdienst gehört der Naturschutz zu den wichtigen Aufgaben der Bergwacht; unsere schöne Heimat zu erhalten, ist uns allen auch eine besondere Herzensangelegenheit! Wir sind für dieses Absturzgelände als Bergretter ausgebildet und ausgerüstet und kommen dorthin, wo andere nicht mehr arbeiten können“, erklärt Organisator Sebastian Schmitz von der Bergwacht Inzell, der der Gemeinde Schneizlreuth dankt, die für die Aktion Fahrzeuge, Mülltüten und so genannte Big Bags zur Verfügung stellte, mit denen die Freiwilligen den Unrat per Seilwinde aus den Hängen zur Bundesstraße hochziehen konnten.

Sogar Sexspielzeug und in Plastik verpackten Tierkadaver geborgen

Bei dem gesammelten Unrat war alles dabei: Autoreifen, Kanister mit Motoröl und Bremsflüssigkeit, diverse vermutlich oft auch unabsichtlich verlorene und abgestürzte Autoteile, Fahrradrahmen, Skischuhe, Matratzen, Teppiche, ein alter Computer-Bildschirm, Säcke mit Kleidung, Flaschen jeglicher Art, darunter auch ganze Sixpacks, sämtliche Haushaltsgegenstände, unzählige Plastikverpackungen und Joghurt-Becher, Absperrungen aus der Parkbucht und sogar ein Sexspielzeug und ein Tierkadaver in einer Plastiktüte.

„Irgendwo sind wohl auch mal zehn Kilo Spargel übrig geblieben, die dort ihren Platz gefunden haben. Besonders erschreckend waren säckeweise Hausmüll, die dort offensichtlich bewusst entsorgt wurden. Alles schon teilweise zersetzt und eingewachsen, sodass wir es vom Waldboden abkratzen mussten. Man kann sich nur ungefähr vorstellen, wie viel schon komplett im Erdreich verschwunden ist“, berichtet Schmitz. Direkt unter den gesäuberten Steilhängen zwischen dem Mauthäusl und der Abzweigung zum Weinkaser brechen die steilen Felswände zur Weißbachschlucht ab, sodass entsorgter Müll wohl immer wieder auch direkt in den Bach gefallen oder auf den dortigen Wanderweg abgestürzt ist. „Den Leuten ist vermutlich gar nicht bewusst, was sie damit in der Natur anrichten und wie sie auch andere Menschen gefährden“, bedauert Schmitz. Nach der Aktion gab es für die fleißigen Ehrenamtlichen eine Brotzeit im Rathaus.

fb/red