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Gefangen zwischen Liebe und Hass

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Verblüffende Lichteffekte und rasante Bildprojektionen machten die k1-Bühne zu den unterschiedlichsten Schauplätzen im »Phantom der Oper«. (Foto: Heel)

»Das Phantom der Oper« ohne einen Ton von Andrew Lloyd Webber! Geht das überhaupt? Oh ja, und wie das geht, auch wenn alle Musical-Fans natürlich die weltberühmten Melodien der Webber-Version im Ohr haben.


An diesem Abend im ausverkauften Saal des Traunreuter k1 dürfte dies aber kaum eine Rolle gespielt haben, so schwungvoll, spannend und einfallsreich ging die von Deborah Sasson und Jochen Sautter entwickelte Musical-Fassung des Schauerromans von Gaston Leroux (1868 bis 1927) über die Bühne. Eine Fassung, die sowohl musikalisch, als auch inszenatorisch ganz andere Wege beschritt und auch der Vorlage relativ nahe kam.

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Die Hauptattraktion des 16-köpfigen Ensembles war natürlich die renommierte Opernsängerin Deborah Sasson, die als Chormädchen Christine plötzlich verdächtig gut singen kann und einspringt, als die Solistin Carlotta wegen Krankheit ausfällt. Dahinter steckt das Phantom (Uwe Kröger), ein entstellter Mann mit Maske und dunkler Vergangenheit, der unsterblich in Christine verliebt ist und sie auf geheimnisvolle Weise fördert und nebenbei das Opernhaus durch Anschläge und Erpressungsversuche terrorisiert. Doch Christines Herz gehört dem charmanten Raoul, Graf de Chagny (Jochen Sautter).

So steht der neue Opernstar hin- und hergerissen zwischen Karriere und großer Liebe, und es beginnt eine packende Zeitreise in das Paris des 19. Jahrhunderts, bei der mittels raffinierter Vorhänge, verblüffender Lichteffekte und rasanter Bildprojektionen die Bühne zu den unterschiedlichsten Schauplätzen wird, vom großen Saal der Pariser Oper über die Garderobe und bis hin zu den Katakomben tief unterhalb der Oper, wo das Phantom haust.

Ebenso erlesen wie die technische Beschaffenheit der Aufführung waren auch die gesanglichen Leistungen dieser Neuinszenierung. So begeisterte Deborah Sasson mit ihrem facettenreichen Sopran, besonders dann, wenn sie Arien sang, die auch im Roman erwähnt werden. Auf den Punkt besetzt war auch Uwe Kröger, einer der vielseitigsten Musical-Darsteller Deutschlands, der als Phantom mit überwältigender Präsenz die Zerrissenheit seiner Figur zwischen Gier nach Liebe und Hass auf die Menschen nicht nur gesanglich perfekt verkörperte, sondern auch schauspielerisch eine Glanzleistung bot.

Eine gute Figur als Liebhaber Raoul machte mit seinem wendigen Tenor auch Jochen Sautter, der außerdem als Buchautor, Liedtexter, Regisseur und Choreograf des Stücks fungierte. Dass dabei auch der Humor nicht zu kurz kam, dafür sorgten Sebastian Ciminski-Knille und Michael Fernbach als stets überforderte Operndirektoren, die sich in ihren Rollen bestens ergänzten.

Ein weiterer Pluspunkt war das 14-köpfige Orchester unter der Leitung von Sebastian Peter Zippel, das mit seinem satten Klang und seinen präzise intonierten Einspielungen wesentlich zur Stimmung beitrug. Tolle Tanzszenen, opulente Kostüme und schnelle Szenenwechsel vervollständigten die persönliche Note dieser Aufführung und garantierten so beste Unterhaltung auf hohem Niveau.

Wolfgang Schweiger