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Gefechte um Damaskus und Aleppo: Flüchtlingswelle erwartet

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Kämpfe in Damaskus
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Rauch steigt aus einem beschädigten Gebäude in Damaskus auf. Foto: epa/str Foto: dpa
Protest gegen Assad
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Protest gegen Syriens Machthaber Assad in Istanbul. Foto: epa/str Foto: dpa
Iraker fliehen
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Erneut auf der Suche nach Sicherheit: Irakische Flüchtlinge verlassen Syrien. Foto: Ali Abbas Foto: dpa
Flüchtlingscamp in der Türkei
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Flüchtlingscamp in der Türkei: Immer mehr Syrer fliehen aus ihrem Land, darunter auch ehemalige Assad-Vertraute. Foto: Jodi Hilton/Archiv Foto: dpa
Bei Aleppo
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Syrische Aufständische patrouillieren bei Aleppo. Foto: Abdurrarhman Al Sherif Foto: dpa
Bei Aleppo
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Aufständische in Aleppo: Nach Berichten soll Syriens Armee auch dort massiv gegen Aufständische vorgehen. Foto: Abdurrarhman Al Sherif Foto: dpa
Damaskus
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Rauch steigt über Damaskus auf. Foto: Shaam News Network Foto: dpa
Muslimbrüder in Jordanien
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Eine verschleierte jordanische Frau, Mitglied der Muslimbrüderschaft, demonstriert in der Hauptstadt Amman gegen die Regierung. Foto: Jamal Nasrallah/Archiv Foto: dpa
Midan-Viertel in Damaskus
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Das Midan-Viertel in Damaskus nach den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Rebellen und Assad-Truppen. Foto: epa/str Foto: dpa
Panzer in Damaskus
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Ein syrischer Armeepanzer rollt durch Damaskus. Foto: Shaam News Network Foto: dpa
Satellitenbild von Damaskus
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Ein Satellitenbild zeigt Rauchwolken über dem Stadtteil Qabun in Damaskus, aus dem gewalttätige Auseinandersetzungen gemeldet wurden. Foto: Digitalglobe 2012 Foto: dpa
Zerstörte Häuser in Damaskus
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Der Ausschnitt eines YouTube-Videos vom 18.07.2012 zeigt zerstörte Häuser in Damaskus. Foto: Ugarit News dpa Foto: dpa
Panzer in Damaskus
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Der Ausschnitt eines Videos zeigt Panzer auf einer Straße in Damaskus. Foto: Activist Video Foto: dpa
Unruhen in Damaskus
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Ein Video-Ausschnitt zeigt angeblich ein brennendes Auto in Damaskus. Foto: EPA/Shaam News Network Foto: dpa

Damaskus/Kairo (dpa) - Angesichts der Bürgerkriegswirren in Syrien wappnet sich Europa für eine Flüchtlingswelle. Bei einem Treffen auf Zypern wollen die EU-Innenminister am Montag über die Situation in den Nachbarländern beraten.


Allein über die libanesische Grenze haben sich nach Angaben des Roten Kreuzes binnen zwei Tagen 30 000 Syrer vor den eskalierenden Kämpfen gerettet. Während die Regierungstruppen mit massiven Bombardements um die Vormacht in Damaskus kämpften, riefen die Aufständischen nach eigenen Angaben am Sonntag zum Sturm auf die zweitgrößte Stadt Aleppo. Israel sorgt sich in dem Chaos um den Verbleib der syrischen Chemiewaffen.

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Die Arabische Liga wollte am späten Sonntagabend über die Lage beraten. Während Russland und China Sanktionen des UN-Sicherheitsrats blockieren, nehmen die EU-Außenminister das Heft selbst in die Hand. Sie kündigten an, ihre im Mai 2011 verhängten Strafmaßnahmen gegen das Assad-Regime am Montag zum wiederholten Mal zu verschärfen.

Nach Zählung der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London sind seit Beginn der Aufstände vor mehr als 16 Monaten in dem umkämpften Land rund 19 000 Menschen getötet worden.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass sich rund eine Million der insgesamt 21 Millionen Syrer aus Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat an sicherere Orte geflüchtet haben. Eine weitere Viertel Million Menschen sollen das Land ganz verlassen haben. Die Versorgungslage habe sich durch die Kämpfe in Damaskus auch in der Hauptstadt verschlechtert, berichtete ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Beirut. Viele Geschäfte hätten geschlossen, alles sei teurer geworden. Es fehle an Milch für Kinder, Hygieneartikeln und Medikamenten.

Mit Beginn des Fastenmonats Ramadan hatte das syrische Militär am Freitag eine massive Gegenoffensive gegen die Aufständischen gestartet. In den Tagen zuvor hatten die Rebellen die Kämpfe erstmals in die Hauptstadt Damaskus getragen. Den bislang schwersten Schlag versetzten sie Machthaber Baschar al-Assad mit einem Bombenanschlag auf den nationalen Krisenstab, vier seiner engsten Vertrauten starben.

Am Sonntag berichteten die Menschenrechtsbeobachter von heftigen Kämpfen in mehreren Vierteln der Handelsmetropole Aleppo. Das Militär setze erstmals Hubschrauber ein.

Allein in Damaskus seien bis zum Nachmittag mindestens 24 Menschen getötet worden. Dort berichtete ein syrischer Journalist dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira von heftigen Explosionen. Regierungstruppen feuerten Raketen auf den Außenbezirk Barse ab: «Es ist das erste Mal, dass Damaskus dermaßen massiv bombardiert wird.» Am Samstag hatte das Militär nach Angaben der Opposition den Vorort Schaba überrannt. Wie für alle anderen Informationen gab es dafür von unabhängiger Seite keine Bestätigung.

Den Aufständischen gelang es indes, mehrere wichtige Grenzübergänge zur Türkei und zum Irak unter ihre Kontrolle zu bringen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder vom Übergang Bab al-Salem nördlich von Aleppo, auf denen Kämpfer mit der Rebellenfahne zu sehen waren. Andere demontierten ein lebensgroßes Assad-Bild, das das Dach des Abfertigungsgebäudes geziert hatte. Auch mindestens zwei der vier Grenzposten zum Irak sind nach offiziellen Angaben aus Bagdad in der Hand der Aufständischen.

Im Nachbarland Israel gibt es Befürchtungen, die syrischen Chemiewaffen könnten im Bürgerkriegschaos in die Hände der libanesischen Hisbollah oder des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida fallen. Das will Jerusalem notfalls auch mit Gewalt verhindern. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte offen im Fernsehen, Israels Militär bereite sich auf eine solche Entwicklung vor. Syrien besitzt das größte Chemiewaffen-Arsenal im Nahen Osten, unter anderem beträchtliche Mengen der Kampfstoffe Sarin und Senfgas.

Dass Assad die Waffen gegen das eigene Volk einsetzt, hält der israelische Politexperte Ejal Zisser vom Dajan-Zentrum für strategische Studien in Tel Aviv dagegen für unwahrscheinlich. «Sie kämpfen dort auf engstem Raum gegeneinander. Sollte die Armee etwa in Damaskus chemische Waffen einsetzen, würden sie auch den Präsidentenpalast erreichen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Am Samstag gab UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bekannt, dass er zwei seiner höchsten Militärexperten nach Syrien schickt: Den Untergeneralsekretär für Friedensmissionen, Herve Ladsous, und - als neuen Leiter der UN-Beobachtermission Unsmis - General Babacar Gaye. Die Mission war am Freitag in letzter Minute um weitere 30 Tage verlängert worden. Ihr bisheriger Führer, der norwegische General Robert Mood, stand aber nicht noch einmal zur Verfügung.

Webseite des israelischen Politexperten Ejal Zisser

Israelisches Verteidigungsministerium

Seite des Europäischen Auswärtigen Dienstes zu Syrien

Mitteilung des EU-Ministerrates zur vergangenen Sanktionsrunde (auf Englisch)

Tagesordnung des EU-Innenministertreffens (auf Englisch)

Hintergrundpapier der EU zu Syrien (Englisch)

Beobachtermission Unsmis im Netz