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Gefühlter Titel für Hoeneß & Co. - »Vormachtstellung«

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Partystimmung
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Die Bayern feierten den Sieg gegen Borussia Dortmund fast wie den Meisterschaftsgewinn. Foto: Marc Müller Foto: dpa

München (dpa) - Bei der ausgelassenen Feier nach dem Schlusspfiff fehlte eigentlich nur noch die Weißbierdusche - und natürlich ein Pokal. Für den stolzen Uli Hoeneß war dieser 1:0-Sieg beim »Spiel um die Vorherrschaft in Deutschland« aber fast so bedeutsam wie eine Trophäe.


»Es ist jetzt mal wichtig, dass wir Borussia Dortmund endlich mal in einem wichtigen Spiel geschlagen haben - und zwar sehr überzeugend und nicht glücklich, sondern hochverdient«, erklärte der strahlende Präsident nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale mit seinem rot-weißen Schal um den Hals. »Wir haben Einiges dafür getan, in Deutschland wieder oben zu sein.«

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Wie sehr der Münchner Fußball-Rekordmeister unter den vergangenen Watschn der Dortmunder gelitten hatte, war allen voran an Matchwinner Arjen Robben zu sehen. Das Ende der bayerischen Leidenszeit entlud sich in überschwänglichem Jubel: Der Niederländer hüpfte beim Schlusspfiff in die Luft, ging dann in die Knie, schlug befreit die Fäuste auf den Boden und brüllte seine Freude lauthals in den Münchner Abendhimmel. »Das Spiel war auch vom Image sehr wichtig«, stellte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem Duell der »zwei besten deutschen Mannschaften« fest.

Als faire Verlierer präsentierten sich die fußballerisch unterlegenen Dortmunder. »Wir sind heute der verdiente Verlierer«, sagte BVB-Coach Jürgen Klopp und betonte dabei das »heute«. Die Botschaft dahinter: Die Borussia will den Münchnern weiterhin ein lästiger Gegner sein. »Wir werden nicht als chancenloser Konkurrent dastehen«, prophezeite Klopp. Sein Chef sah es nicht anders. »Wir können mit einer gewissen Demut gewinnen und verlieren und wir werden uns sicher öfter noch über den Weg laufen und dann werden wir weitersehen, wer dann die nächsten Spiele gewinnt«, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die Rivalität gefällt nicht nur Fußball-Fans und BVB-Verantwortlichen, sondern auch den Bayern-Bossen. »Für uns war es gut, dass so ein Verein gekommen ist. Er hat uns auf ein anderes Level geführt«, räumte Hoeneß ein. Das hob auch Bastian Schweinsteiger hervor, der selbst auf höchstem Niveau als Chef das Bayern-Spiel lenkte. »Er hat Weltklasse gespielt«, urteilte Sportvorstand Matthias Sammer. Dagegen blieb Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski, bei dem es mehr und mehr nach einem Wechsel zu den Münchnern aussieht, blass.

Das konnte man vom Team des FC Bayern keineswegs sagen. »Meine Mannschaft hat demonstriert, dass wir im Moment nicht nur schönen, attraktiven Fußball spielen, sondern dass wir auch fighten können«, erklärte Heynckes. »Wir waren heute den Touch aggressiver und wollten diesen Sieg unbedingt.« Auch Torschütze Robben war das deutlich anzumerken. »Ich will einfach immer gewinnen, wenn ich auf dem Platz stehe und so ein Spiel ist natürlich was ganz Besonderes gegen Dortmund«, sagte Robben am Donnerstag; und erklärte seinen überschwänglichen Jubel. »Für mich war das einfach Freude. Am Ende geht es nur um den Erfolg.«

Mit dieser Gier ist es nur eine Frage der Zeit, bis tatsächlich eine Trophäe gefeiert werden kann. 17 Punkte Vorsprung in der Liga, Topfavorit auf den am 1. Juni in Berlin zu vergebenden DFB-Pokal - und der mächtig fokussierten Münchner Mannschaft ist auch in der Königsklasse allerhand zuzutrauen. »Ich finde, der Jupp hat alles verdient, weil er ein großartiger Trainer und toller Mensch ist«, lobte Hoeneß den Trainer.

Auch über dessen Nachfolger Pep Guardiola wurde nach dem Einzug in das 24. Halbfinale des DFB-Pokals kurz gesprochen »Kein Kommentar«, sagte Sportvorstand Matthias Sammer über ein angebliches Geheimtreffen in Zürich. »Wir dementieren nichts, wir bestätigen nichts, wir schmunzeln. Wir lächeln alles weg«, erklärte Rummenigge am rosaroten Bayern-Tag - passenderweise am 113. Vereins-Geburtstag.

Dagegen hatte Klopp »schon mal mehr Spaß« in München. Wie sein Trainer betonte auch der starke Gäste-Keeper Roman Weidenfeller, der sein Team lange im Spiel hielt, »dass wir den Bayern weiterhin die Stirn bieten können«. Erst einmal müssen sich die Dortmunder nach der ersten Niederlage nach 15 Pflichtspielen in der Fremde auf ihre Highlights in der Champions League konzentrieren. Dort will Klopp »alles holen, was möglich ist«. Und dort könnte es auch zu einem schnellen Wiedersehen mit dem FC Bayern kommen.