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Gegenwind für Königsseer Hotelbauprojekt

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Schönau: Gegenwind für Königsseer Hotelbauprojekt
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Treffen vor dem Rathaus in Unterstein: Besorgte Nachbarn des Königsseer Hotelbauprojekts und Lokalpolitiker der Grünen gaben ihre Stellungnahmen im Rahmen der Bebauungsplanänderung ab. (Foto: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – Es war quasi ein Einspruch auf den letzten Drücker. Wenige Stunden vor Ablauf der sechswöchigen öffentlichen Auslegungsfrist legten besorgte Nachbarn und Lokalpolitiker Einspruch gegen die Änderung des Bebauungsplans Nummer 19 »Seestraße« und damit gegen das Königsseer Hotelbauprojekt ein.


Zur gemeinsamen Abgabe ihrer Stellungnahme beim zuständigen Gemeindemitarbeiter Andreas Lochner trafen sie sich am Mittwoch vor dem Rathaus in Unterstein.

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Auslöser war der Pletzgraben

Eigentlich sind sie ja nicht gegen die Hotelbaupläne der Harlander Baumanagement GmbH, die der Gemeinderat und Bürgermeister Hannes Rasp seit Jahren unterstützen. Deshalb sind die Nachbarn in der Sache auch lange untätig geblieben. Bis sie dieser Tage im »Berchtesgadener Anzeiger« lasen, dass der Pletzgraben nun auf Kosten der Gemeinde ausgebaut werden soll. »Es kann doch wohl nicht sein, dass der Bürger hier für den Investor einspringt und den Ausbau bezahlt«, schimpft beispielsweise Margret Pfnür. Auch der Standort des Rückhaltebeckens stehe nicht fest, kritisieren die Anwohner in ihrer Stellungnahme.

Erst seit ein paar Tagen beschäftigen sie sich nun intensiv mit dem Projekt und haben festgestellt, dass die Dimension der gesamten Hotelanlage ohnehin viel zu groß sei. »Da allein das Stammhaus mit der veranschlagten Grundfläche von 6130 Quadratmetern die bisherige Grundfläche um mehr als 2000 Quadratmeter überschreitet, wird die gigantische Dimension des Projekts deutlich«, schreiben die Nachbarn. Sie befürchten, dass das Projekt noch größer wird als das aus dem Jahr 2013, weil diesmal mit fünf Vollgeschoßen plus ausgebautem Dachgeschoß geplant wird.

Politische Unterstützer

»Niemand ahnt aktuell die Größe des Bauvorhabens«, betont Sabine Kruis, Bürgermeisterkandidatin der Grünen, die die Nachbarn unterstützt. Auch Jakob Palm, Ortsvorsitzender der Berchtesgadener Grünen, ist zur Übergabe der Einsprüche nach Unterstein gekommen. Und schließlich engagieren sich ebenfalls Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz in der Angelegenheit.

Komplett abgelehnt wird von den Nachbarn der Bau der sogenannten »Waldzimmer« im Hang hinter dem Hotelgelände. Deren Anzahl ist im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens zwar bereits reduziert worden, erfährt aber immer noch nicht die Akzeptanz der Anlieger. »Für die Waldzimmer müssten Bäume gefällt werden, die den Boden in dem Georiskgebiet, das von Hangrutschungen und Felsstürzen gefährdet ist, stützen«, fügt Franziska Wein an.

Die junge Königsseerin, die mit ihrer Mutter Susi zum Rathaus gekommen ist, macht sich auch Sorgen wegen der geplanten zweistöckigen Tiefgarage: »Diese würde unter dem Seespiegelniveau liegen und das Grundwasser verdrängen.« So mancher Anlieger rechnet auch ein wenig damit, dass während des Tiefgaragenbaues plötzlich der denkmalgeschützte und eigentlich zu erhaltende »Alte Bahnhof« einstürzt.

Beeinträchtigung des Ortsbildes

Sabine Kruis hat Verständnis für die Anlieger, vor allem auch was die Verkehrserschließung betrifft. »Und wo soll denn das ganze Personal untergebracht werden?«, fragt die frisch gebackene Bürgermeister-kandidatin.

»Die geplante Bebauung in unmittelbarer Nähe zum Königssee ist meiner Meinung nach zu dicht und unverhältnismäßig groß.« So heißt es unisono in den Stellungnahmen, die rund 20 Königsseer Anwohner am Mittwoch übergeben haben.

Sie betonen, dass sich der »Hotelkomplex nicht in die bestehende Bebauung einfügt und das ohnehin schon stark strapazierte Ortsbild erheblich beeinträchtigt«. Plädiert wird stattdessen für eine »kleinteiligere, aufgelockerte Bebauung, welche sich an einem derart sensiblen Ort vertretbar in die umgebende Bebauung einbinden ließe«.

Ulli Kastner