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Gelungene Aufführung der Komödie »Pygmalion« im Traunreuter Studiotheater

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Henry Higgins (Maciej Kuczynski) sieht in Eliza Doolittle (Daniela Friedrich) nur ein Experiment, die Gefühle der Blumenverkäuferin sind ihm egal. (Foto: Heel)

»Ich bin ein anständiges Mädchen«, betont die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle immer wieder, nachdem sie in die Fänge des snobistischen Sprachwissenschaftlers Henry Higgins geraten ist, der mit einem Freund wettet, dass er aus dem einfachen Mädchen von der Straße binnen sechs Monaten eine feine Dame machen kann. Ihre Sorge erweist sich als unbegründet, denn Higgins ist nur an seinem Experiment interessiert. Was Eliza dabei empfindet, ist dem eingefleischten, reichlich arroganten Junggesellen egal. Entsprechend konfliktreich verläuft ihre Zusammenarbeit, die letztendlich zwar zum Erfolg führt, für Eliza aber ungeahnte Konsequenzen hat.


1913 in London uraufgeführt, wurde George Bernard Shaws Komödie »Pygmalion« vor allem durch ihre Umarbeitung zum Musical »My Fair Lady« in den 1950er Jahren ungeheuer populär. Ein Welterfolg war auch die Verfilmung 1964 unter der Regie von George Cukor, mit Rex Harrison und Audrey Hepburn als Professor Higgins und Eliza Doolittle. Aber auch das Original hat bis heute nichts von seinem scharfen Witz (und bösem Blick auf die britische Klassengesellschaft) eingebüßt, wie die Aufführung des Stücks im voll besetzten Studiotheater des Traunreuter k1 zeigte.

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Von Marc Bouvet mit über 25 Mitwirkenden einfallsreich und zügig inszeniert, war es ein Genuss, Elizas »Erziehung« mitzuverfolgen, wobei Daniela Friedrich (erfrischend lebhaft) der deutschen Version der Vorlage treu blieb und zunächst breitesten Berliner Dialekt sprach. Nicht weniger überzeugend agierte Maciej Kuczynski als Henry Higgins, dem man die Attitüde des selbstherrlichen Wissenschaftlers sofort abnahm. Sehr souverän füllte auch Laurentius Fischer seine Rolle als höflicher, Eliza mit Respekt begegnender Oberst Pickering aus.

Treffend besetzt waren auch die übrigen Rollen: So verkörperte Irmi Gstöttner so mitfühlend wie resolut Higgins’ Haushälterin, glänzte Berta Berthold als Higgins’ unerwartet weichherzige Mutter, und sehr präsent war auch Fritz Wucherer als Alfred Doolittle, Elizas leicht zwielichtiger Vater. Das schlichte, aber effektive Bühnenbild, die perfekte Maske und die wunderbaren Kostüme der Schauspieler sorgten zudem dafür, dass diese Produktion des Traunreuter »Theaterchens O« wieder ein voller Erfolg wurde und es viel Spaß machte, sich dieses gar nicht verstaubte Stück anzuschauen.

Weitere Aufführungen finden heute sowie den 7./8./10./15./16./22. Oktober statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Wolfgang Schweiger

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