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Gelungene Benefizlesung mit internationalen Texten und Musik in Grassau für Kinder in Not

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Bürgermeister Rudi Jantke und Büchereileiterin Caroline Zeisberger eröffneten den Abend mit »Die Fremden« von Karl Valentin. (Foto: Eder)

Besser als bei der Benefizlesung in Grassau im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Länder und Literatur« kann für gegenseitiges Verständnis wohl kaum geworben werden: Hier trafen die vielen interessierten Gäste im Heftersaal aus Arabien, Frankreich, Spanien, Italien und Bayern, auf interessante Texte und ansprechende Musik – und waren begeistert.


Eröffnet wurde der multikulturelle Abend von Wolfgang Diem mit dem Alphorn. Seinen »Aufruf« hörten nicht nur Bürgermeister Rudi Jantke und Büchereileiterin Caroline Zeisberger, die mit dem witzigen, aber zum Nachdenken anregenden Text von Karl Valentin »Die Fremden« zum Thema hinführten. »Die Menschen müssen kapieren, dass es nicht so weitergehen kann und nur gemeinsam die dünne Atmosphäre geschützt werden kann. Wohlstand muss fair und gerecht geteilt werden«, betonte Bürgermeister Jantke in einer emotionalen Ansprache.

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Nach der deutschen Einleitung ging es musikalisch zur arabischen Kultur: Hassan Al Assadi begeisterte das Publikum mit seiner Gitarrenmusik. Christian Springer übernahm den Hauptpart des interessanten Abends. Fast schon aufgebracht erklärte er, wie Terroristen den Islam in Verruf bringen und diesen als kunstfeindlich hinstellen. »Terroristen und Vollidioten zerstören die Kultur und die Lebenslust des Islam«, platzte es aus Springer heraus. Dieser Abend solle die Lebenslust widerspiegeln und dies gelang bereits zu Beginn dem jungen Gitarrenspieler, der sein Instrument virtuos beherrschte.

Springer wählte aus der arabischen Literatur den blinden Literaten Taha Husain (1889-1973), der erster Absolvent der Universität Kairo war und unter dem Titel »Die Tage« seine Biografie veröffentlicht hat. Husain beschreibt darin, wie er Französisch lernte. Zunächst las Hamadi Dawisch, die seit fünf Jahren in Rosenheim lebt, den Originaltext auf Arabisch. Die Zuhörer bekamen so auch einen Eindruck davon, wie es den Asylbewerbern in Deutschland gehen muss, da es sich auch um eine völlig fremde Phonologie (Lautsystem) handelt. Mit welch abwechslungsreicher Sprache und lebendig der ägyptische Dichter diesen Lebensabschnitt beschreibt, wurde erst bei der Übersetzung – gelesen von Christian Springer – deutlich.

Vom Arabischen wechselte der Abend dann zum Französischen: Marie-Therese Jawurek las aus »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry. Die singende Sprache stellte ein passendes Pendant zum Arabischen her. Marie-Therese Jawurek wählte die Passage über das Zähmen des Fuchses und bezeichnete das Vorgetragene als eine »Hymne an die Freundschaft und die Liebe«.

Französische Musik ließ dann Beatrice von Kutzschenbach am Flügel erklingen und verzauberte den Saal. Bayerisch ging es mit dem Autor Sebastian Huber weiter. Er zitierte aus seinem Buch »Meine guten Geister« und präsentierte Geschichten aus seiner Kindheit. Dagmar von Below führte mit einem Märchen in die spanische Sprache ein und schließlich widmete sich Gabriele Kerschbaumer der italienischen Sprache. Beide lasen auch die deutschen Übersetzungen. Der Sänger Lenny Lanner gab die italienische Lebensart musikalisch wieder.

Dieser interessante und informative Abend machte deutlich, dass Literatur und Musik Völker verbindende Elemente sind, es hierzu nur etwas Aufgeschlossenheit und gegenseitigem Verständnis bedarf. Ganz nach dem Satz von Saint-Exupéry: »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Tamara Eder

Der Literaturnobelpreis-Juror Torgny Lindgren ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Das teilte die Schwedische Akademie mit. Der Schriftsteller gehörte der Akademie seit 1991 an. Lindgren hatte erst als Lehrer gearbeitet, bevor er seine ganze Zeit dem Schreiben widmete. Seine reiche Produktion umfasse um die 30 Werke, hauptsächlich Romane, aber auch Novellen, Gedichte und Radiostücke, hieß es in der Mitteilung. Den Durchbruch hatte der Schwede 1982 mit dem Roman »Der Weg der Schlange« geschafft, der wenige Jahre später verfilmt wurde. In der Akademie, die aufgrund ihrer Mitgliederzahl auch »Die 18« genannt wird, hatte er den Stuhl Nummer neun inne.

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