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Gelungene Verbindung von Skulptur und Malerei

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Die 13. Station des Leidensweges Christi: »Jesus wird seiner Mutter übergeben«. (Foto: Giesen)

Einen besonders ansprechenden historischen Rahmen für ihre Kunstwerke haben die beiden Künstlerinnen Hildegard Fakler und Moni Stein in der Maxhütte in Bergen gefunden. Die 1943 in Trier geborene Hildegard Fakler lebt sein 1968 in Traunstein.


Zeit ihres Lebens betätigte sie sich künstlerisch, wirdmete sich aber erst, als die Kinder aus dem Haus waren, intensiv der Malerei. Dabei belegte sie Studiengänge an der Kunstakademie Bad Reichenhall und eignete sich eine Vielzahl an Techniken an, die ihre Malerei auszeichnen. Ähnlich einer Erzählerin von Geschichten gibt die Künstlerin Einblicke in verborgene Welten, wie an den rund 40 Werken in ganz unterschiedlichen Techniken in Bergen zu bewundern ist. Da gibt es Landschaftsbilder, Blumen, abstrakt anmutende Städte, originelle Gestalten – eine Mischung aus Traumwelt, Fantasie und realen Details.

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Die eindrucksvollen Skulpturen der Künstlerin Moni Stein aus Unterwössen kommen in der weitläufigen hohen Halle des Museums Maxhütte besonders gut zur Geltung. Ihr seit 2015 geschaffener Kreuzweg in 14 Stationen war bereits in der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Traunstein, in St. Nikolaus in Rosenheim und verschiedenen anderen Orten ausgestellt. Demnächst wird er im Dom zu Trier und der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eiffel zu sehen sein.

Die Kreuzwegstationen von Moni Stein, allesamt in Beton gearbeitet, haben eine besondere Ausdruckskraft, denen sich der Betrachter, gerade auch in der Maxhütte, kaum entziehen kann. Den in Kunst umgeformten Leidensweg von Jesus Christus hat die Künstlerin in der eindrucksvoll unkonventionellen Formung von Figuren und Gesichtszügen gestaltet – manchmal bäuerlich grob, wie sie zum Beispiel in den Steinplastiken der Kalvarienberge vor den Kirchen der Bretagne zu sehen sind.

Der Künstlerin gelingt es, der toten Materie der Skulpturen in ihrer Darstellung Leben einzuhauchen, verborgene Saiten im Betrachter zum Klingen zu bringen. Dabei bezieht sie die heutige Lage der Welt – Flüchtlingskrise, Kriege, Ungerechtigkeit, Klimawandel – in ihre Arbeiten mit ein.

Jesus nimmt sein schweres Kreuz zum Beispiel in Form von Gewehren auf sich. Bei »Jesus fällt zum dritten Mal« stehen die Handgranaten am Kreuz für Tod und Gewalt. Eine große Gartenschere, auf deren Klinge die Inschrift Hartz IV eingraviert ist, ist unter der Gestalt des unter dem Kreuz zum ersten Mal stürzenden Jesus zu sehen, ebenso wie eine verrostete Auspuff-Anlage, mit der zusammen Jesus zum zweiten Mal fällt.

Mit diesem höchst modernen Beiwerk zu den Skulpturen deutet die Künstlerin in überdeutlicher Symbolsprache auf die »Gleichgewichtsstörungen« zwischen Arm und Reich, Kriegszerstörungen und Umweltvernichtung, die Jesus als Bürde auf sich genommen hat. Nach eigener Aussage der Künstlerin soll sich ihr Kreuzweg sowohl mit aktuellem Bezug als auch mit seinen seit 1731 klassischen 14 Stationen an die Tradition der Kirche anlehnen.

Die Ausstellung in der Maxhütte in Bergen ist zu den Öffnungszeiten des Museums Maxhütte bis einschließlich Sonntag, 27. Mai, täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Christiane Giesen