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Die neuen Landwirtschaftsmeisterinnen wurden von Kreisbäuerin Christine Schuhegger (von rechts) geehrt: Waltraud Winklmair, Sandra Pfaller, Lisa Moritz, Elisabeth Mitterer, Katharina Schlaipfner und Marlena Freutsmiedl. Dies freute auch Geschäftsführer Matthäus Michlbauer und Kreisbauernobmann Hans Steiner. (Foto: Eder)

Gelungener Landfrauentag in Bergen: Informationen über das Kenia-Projekt und Ehrung der neuen Landwirtschaftsmeisterinnen

Bergen – Ein straffes, sehr interessantes Programm erwartete die Bäuerinnen und Landfrauen des Landkreises beim Landfrauentag, der heuer erstmals in Bergen stattfand. Wie sehr sich die Frauen, allen voran Ortsbäuerin Monika Meitinger, auf dieses Ereignis gefreut haben, zeigte sich nicht nur in der perfekten Organisation, sondern optisch durch den wunderschön und aufwändig geschmückten Bergener Festsaal. Es wurde eine Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen, die den Basar der Landfrauen im Foyer richtig in Szene setzte.


Mit einem Gottesdienst, zelebriert von den Patern Vasile und Johann, wurde die Veranstaltung eröffnet. Musikalisch umrahmt von den schönen Stimmen des Landfrauenchors unter Leitung von Uschi Rieth, hob Pater Vasile in seiner Predigt die Bedeutung und Arbeit der Bäuerinnen als Produzenten gesunder Lebensmittel hervor. Er mahnte, auch an die Spiritualität zu denken und sich Zeit zu nehmen.

Meisterinnen der Landwirtschaft geehrt

Die Liste der Ehrengäste, begrüßt von Kreisbäuerin Christine Schuhegger war lang. Darunter auch die sechs neuen Landwirtschaftsmeisterinnen Marlena Freitsmiedl aus Heiligkreuz, Elisabeth Mitterer aus Siegsdorf, Lisa Moritz aus Grassau, Katharina Schlaipfner aus Unterwössen, Sandra Pfaller aus Traunstein und Waltraud Winklmaier aus Rottau. Gemeinsam mit dem BBV-Geschäftsstellenleiter Matthäus Michlbauer zeichnete Schuhegger die jungen Damen aus.

Viele kannten die erst seit Juli amtierende 56-jährige Kreisbäuerin Christine Schuhegger bereits, war sie doch 25 Jahre Ortsbäuerin in Waging und fünf Jahre stellvertretende Kreisbäuerin. Dennoch nutzte sie die Gelegenheit, sich vorzustellen. Als Hobbys gab die Mutter dreier Kinder, Familie und Ehrenamt an. »Ich bin sehr stolz, Kreisbäuerin dieses Kreisverbands, der so vielseitig und schön ist, zu sein«, sagte sie und hob hervor, dass der Landfrauentag der Höhepunkt des Jahres sei. In den vergangenen zwei Jahre musste darauf verzichtet werden. Im kommenden Jahr steht dafür ein großes Jubiläum an: 75 Jahre Landfrauen.

Walch lobt nachhaltige Landwirtschaft

»Ihr seid die Repräsentanten unserer Heimat, Unternehmerinnen, Hauswirtschafterinnen, Hausfrauen und Mütter«, so Landrat Siegfried Walch. Die Landwirtschaft sei wichtig für die Ernährung, aber auch für Tradition, Kultur, Brauchtum, Tourismus und Lebensqualität. Nachhaltige ländliche Entwicklung sei schon immer ein Baustein der Landwirtschaft gewesen und ermöglicht Perspektiven. Walch betonte, dass die Grundlage des Wohlstands schon immer die Landwirtschaft gewesen sei. Zudem hob er den Vorbildcharakter der Landwirtschaft mit nachhaltigem, ressourcenschonendem Handeln hervor. Ohne die starken Frauen würde es nicht gehen.

Dann schlug Walch ernste Töne an, sprach von Krisenmodus, von einem Zustrom an Flüchtlingen »in enormem Ausmaß« und davon, diesen Menschen Unterkunft und medizinische Versorgung bieten zu können. Man müsse versuchen, einigermaßen gelassen damit umzugehen und sachlich über Probleme zu reden. Sorge bereite ihm nicht die Zahl der Menschen, die Zuflucht suchen, sondern der gesellschaftliche Zusammenhalt. »Egal wer kommt. Wir müssen froh sein, dass es uns nicht so geht, froh sein, in einem Land aufwachsen zu dürfen, das unglaublich viele Chancen bietet«, so Walch wörtlich. »Bleibt weiter so engagiert und behaltet euren Optimismus«, rief er den Landfrauen zu.

Als Stefan Schneider vor acht Jahren ins Bürgermeisteramt gewählt wurde, habe man ihm geraten, den Landfrauentag in Waging zu besuchen. Nun sei dieser in Bergen, freute sich der Rathauschef und bezeichnete es als große Ehre. Sein Dank galt den Ortsbäuerinnen, die den Saal so schön hergerichtet haben. Das Wichtigste sei jedoch, dass man sich treffe, unterhalte und auch zuhören könne, denn die Herausforderungen würden nicht weniger. Weitere Grußworte richtete auch Sandra Bergmaier vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an die Damen. Sie hob die Bedeutung der Ausbildung hervor.

»Gleicher Beruf – zwei Welten«

Mit eindrucksvollen Bildern schilderte Angelika Eberl, Projektleiterin der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband, das Kenia-Projekt unter dem Motto »Gleicher Beruf – zwei Welten«. Sie ging zunächst auf die klimatischen Bedingungen in Zentralafrika ein. »Die meiste Arbeit hier machen die Frauen«, wusste sie aus ihrer Erfahrung vor Ort und erklärte, dass erst 2010 die Schulpflicht für Mädchen in Kenia eingeführt worden sei. Mädchen dürften dort bereits mit 16 Jahren heiraten, was dazu führe, dass mit 19 Jahren die Hälfte aller Mädchen verheiratet sei.

Das Projekt setzt seit 2017 auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Frauen durch Bildung und den Aufbau eines Landfrauenverbands sowie auf eine fachliche Weiterbildung, um mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen Geld zu verdienen. Zudem setzt das Projekt auf Fortbildung und Beratung in Hauswirtschaft und Familienführung – hier besonders auf die Vermeidung von häuslicher Gewalt. Durch gegenseitige Besuche soll der Austausch von Frauen in der Landwirtschaft zwischen Kenia und Bayern gefördert werden. Von einigen dieser Besuche berichtete Angelika Eberl in ihrem anschaulichen Vortrag.

Schließlich stellte sich auch die neu gewählte, stellvertretende Bezirksbäuerin, Irmgard Posch, vor. Für sie sei Bäuerin ein Traumberuf – nicht nur Beruf, sondern Berufung. Die Arbeit decke ein großes Spektrum von Aktivitäten ab. Sie verwies auf das Bildungswerk mit einer Vielzahl von Angeboten. Ziel sei es, das Leben in den Dörfern und Gemeinden mitzugestalten.

Bestens versorgt mit hausgemachten Kuchen und Torten der Bergener Bäuerinnen klang der Landfrauentag bei guten Gesprächen langsam aus.

tb