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GEMA schon GEZahlt?

Für Hoteliers bringt die Neuregelungen der Rundfunkbeiträge mehr Vor- als Nachteile. Darüber freut sich auch Inge Hansen, Geschäftsführerin des Alpenhotel Kronprinz. Foto: Anzeiger/cw

Berchtesgaden - Die GEZ ist Geschichte. Der neue Rundfunkbeitrag ist in aller Munde. Während sich die Berechnung der Rundfunkgebühren für Privathaushalte vereinfacht hat, müssen Hoteliers und Privatvermieter jetzt ganz schön rechnen. Hinzu kommt für Hotels, Bars und Diskotheken die verschärfte GEMA-Abgabe. Welche Auswirkungen hat das auf die Tourismusbetriebe im Berchtesgadener Land? Der »Anzeiger« fragte nach.


Der Berchtesgadener Steuerberater Stefan Holleitner muss seit dem Jahreswechsel viele Fragen seiner Mandanten zum neuen Rundfunkbeitrag beantworten. Vor allem die Inhaber von Beherbergungsbetrieben haben zahlreiche Detailfragen. Und brauchen Bestätigungen. Denn anders als bei der Gebühr für Privathaushalte, werden bei Unternehmen weitere Faktoren als Berechnungsgrundlage herangezogen.

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Entscheidend ist dabei die Zahl der Beschäftigten, der sogenannten Betriebsstätten und der betrieblich genutzten Fahrzeuge. »Das kann durchaus eine komplizierte Rechnung werden«, weiß der Steuerberater. Denn ein Beschäftigter oder eine Betriebsstätte kann aus steuerlicher Sicht anders aussehen als aus der Sicht des Beitragsservice, wie die GEZ jetzt offiziell heißt.

Ein Beispiel: Laut GEZ-Richtlinie ist eine Betriebsstätte eine »ortsfeste Raumeinheit auf einem Grundstück«. Aber was ist, wenn zwischen zwei Pensionsgebäuden eine Straße verläuft? »Dann handelt es sich um zwei Betriebsstätten«, so Stefan Holleitner. Der Steuerberater hat bis jetzt gerade mal einen Beherbergungsbetrieb unter seinen Mandanten, der jetzt weniger Rundfunkbeitrag abführen muss.

Übrigens: Der Rundfunkbeitrag kann in vollem Umfang als Betriebsausgabe steuerlich abgesetzt werden. »Viele haben sich noch gar nicht mit den neuen Regelungen beschäftigt», sagt Holleitner. Was aber nicht weiter tragisch ist. Denn es gibt Nachmeldefristen.

Noch nicht mit den neuen Gebühren auseinandergesetzt hat sich zum Beispiel Sophia Stanggaßinger, die Inhaberin des Pfeffererlehens in Marktschellenberg. »Die Formulare liegen noch auf dem Stapel«, lacht die ehemalige Vorsitzende des Schellenberger Tourismusvereins. Jedes ihrer Zimmer verfügt über einen Fernseher. »Früher war das immer sehr kompliziert« erzählt Stanggaßinger. Denn die Geräte seien nur saisonal in Gebrauch gewesen. Was sie natürlich beweisen musste. Und eine Betriebsprüfung hat's auch schon mal gegeben. Deshalb hofft Sophia Stanggaßinger: »Vielleicht wird es mit der neuen Regelung billiger und einfacher.«

Auch in der Touristinformation Ramsau blickt man der Neuregelung gelassen entgegen. »Für den Kleinvermieter tritt keine Mehrbelastung auf, ganz im Gegenteil, für ihn wird es eher günstiger«, urteilt Fritz Rasp. »Wer über einen Zeitraum von mehr als drei zusammenhängenden Monaten nicht vermietet, kann sich wie bisher bei uns eine Bestätigung holen und muss dann für diese Monate nicht bezahlen«, so der Geschäftsleiter der Ramsauer Touristinfo.

Für Hannes Lichtmannegger vom Hotel »Rehlegg« ist der neue Rundfunkbeitrag ebenfalls ein »Riesenvorteil«. »Wir werden uns mehr als die Hälfte sparen«, freut sich der Ramsauer Hotelchef. Bis Ende 2012 musste Lichtmannegger pro Zimmer 17,98 Euro zahlen, seit Jahresbeginn fallen nur noch 5,99 Euro an. Trotz der Vergünstigung ärgert sich der Ramsauer generell über die Gebühren. »Wir haben fast 96 Prozent deutsche Gäste, alle Urlauber zahlen bereits zu Hause ihre Geräte und sollen dann in ihrem Urlaub noch einmal blechen, das ist nicht korrekt«. Auch die im Vergleich zu Österreich unfairen Regelungen für Rundfunkabgaben in Deutschland ärgern den Ramsauer. »Österreichische Hoteliers zahlen knapp ein Prozent von unseren Beiträgen, ein besseres Multimedia-Angebot in den Zimmern gibt es aber trotzdem nicht«. Von fairen Wettbewerbsbedingungen könne somit keine Rede mehr sein.

Konnte Lichtmannegger bei der ehemaligen GEZ-Gebühr deutlich einsparen, muss er durch die Erhöhung bei der GEMA-Gebühr einen Aufschlag von knapp 200 Prozent in Kauf nehmen. »Silvester 2012 musste ich nur für das Abspielen eines Tonträgers 400 Euro GEMA zahlen, Silvester 2013 wird es mit 1 200 Euro rund das Dreifache sein«.

Der teils horrende Anstieg der GEMA-Gebühren treibt auch Johannes Hofmann, vom Hotel- und Gaststättenverband Berchtesgadener Land Zornesfalten auf die Stirn. »Die Erhöhung soll die Verluste wettmachen, die durch Raubkopien im Internet entstehen«, klärt der Vorsitzende auf. Mit der »tausendprozentigen Erhöhung« gibt sich der DEHOGA (deutscher Hotel- und Gaststättenverband) aber nicht zufrieden. »Der Verband strebt einen Prozess an, um die Änderungen rückgängig zu machen, eine dreimonatige Aussetzung der Gebührenerhöhung haben wir bereits erreicht«. Wie es dann weitergeht, steht jedoch noch in den Sternen. Sollte dieses »Raubrittertum« wirklich in Kraft treten, sieht Hofmann für viele bayerische Musikbetriebe und Diskotheken schwarz: »Diese Unternehmen können ihren Betrieb dann wahrscheinlich einstellen«. ci/cfs